InterviewDer FDP-Regierungsratskandidat Martin Huber sagt nach seiner Nomination: «Ich bin eher ein rauer Typ»Der Landwirt und frühere CS-Mitarbeiter freut sich auf einen «coolen» Wahlkampf mit Andri Silberschmidt. Als Verhinderer der Kandidatin Monika Keller sieht er sich nicht.24.06.2026, 05.04 Uhr5 LeseminutenWill Regierungsrat werden: Martin Huber, der zweite Kandidat der Zürcher FDP.Andreas Becker / KeystoneDie Hitzeschlacht der Zürcher FDP im Glockenhof in der Innenstadt ist geschlagen. Die beiden nominierten Kandidaten Andri Silberschmidt und Martin Huber erhalten Blumen. Sie sehen glücklich aus, aber auch erschöpft nach einem kräftezehrenden Abend in einem Saal ohne Klimaanlage und ohne Ventilatoren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Parteipräsident Filippo Leutenegger zeigt sich ebenfalls zufrieden: Man habe der Partei eine Auswahl präsentieren können – von wegen Selbstverzwergung, wie manche Medien geschrieben hätten! Und vor allem: Sein Kandidat – der bekannte Nationalrat Andri Silberschmidt – habe die Nomination problemlos geschafft. «Das war wichtig», sagte Leutenegger.Der andere Mann auf dem Zweierticket muss sich zuerst etwas sammeln vor Freude. Aber dann gibt Martin Huber – 48, Landwirt, Kantonsrat, bis 2019 Gemeindepräsident von Neftenbach und früher Mitarbeiter der Credit Suisse – den wartenden Journalisten sein erstes Interview als Regierungsratskandidat der FDP.Herr Huber, Sie mussten recht schwitzen für Ihren Erfolg – zurecht?Ja, aber der Einsatz hat sich gelohnt. Wir sind eine Wettbewerbspartei. Wir hatten eine Ausmarchung. Und das war gut so. Unsere Delegierten sollen eine Wahl treffen können.Kritiker könnten entgegnen: Sie haben ein gemischtes Zweier-Ticket der FDP mit Monika Keller verhindert.Das sehe ich anders. Die Delegierten konnten zwischen Monika Keller, Frank Rühli und mir entscheiden. Es war eine normale, faire Auseinandersetzung.Dabei galt Ihre Kandidatur eigentlich bereits als erledigt: Sie waren von der Findungskommission der FDP abgelehnt worden.Das nehme ich sportlich. Der Vorstand hatte entschieden. Er setzte auf eine Einer-Kandidatur mit Andri Silberschmidt. Dann ging trotzdem ein Fenster auf, und ich habe es ein zweites Mal probiert.In einem internen Hearing sollen Sie einen eher schwachen Auftritt gehabt haben, erzählen die einen. Was hatten Sie vor der Delegiertenversammlung am Dienstag erwartet?Ich hatte keine Ahnung, wie es rauskommen würde. Ich hatte meinen Speech, ich bin ich selbst geblieben, wie man mich kennt: ein eher rauer Typ, nicht so FDP-like, wie man vielleicht erwarten würde. Aber ich habe es durchgezogen. Ich wollte mein Möglichstes, mein Bestes geben. Ich komme aus der Finanzbranche und war schliesslich schon immer in der FDP.Applaus für den zweiten Kandidaten: Martin Huber kurz nach Bekanntgabe des Wahlresultats am Dienstagabend in Zürich. Links von ihm seine beiden Kontrahenten Frank Rühli und Monika Keller.ANDREAS BECKER / KEYSTONEHeute sind Sie als Landwirt tätig. Wie lautet Ihre agrarpolitische Vision für den Kanton Zürich?Agrarpolitik ist vor allem Bundessache. Wir haben andere Probleme zu lösen.Insofern ist es also kein Nachteil, dass die SVP mit Martin Hübscher ebenfalls einen Landwirt ins Rennen schickt – noch dazu einen, der ebenfalls aus dem Grossraum Winterthur stammt?Überhaupt nicht. Wichtig ist, dass man konsensfähig ist in der Regierung und im Parlament. Ich bin jemand, der gerne Lösungen sucht. Ich arbeite gerne mit anderen zusammen, auch mit anderen Parteien. So kennt man mich im Kantonsrat. Dank meiner Erfahrung in der Finanzbranche habe ich einen gut gefüllten Rucksack. Das werde ich ausspielen im Wahlkampf.Auch die nächste Kantonsregierung dürfte ohne Politiker aus der Stadt Zürich auskommen müssen. Könnte das den Gegensatz zwischen Stadt und Kanton verschärfen?Ich glaube nicht. Wir müssen das Beste für ganz Zürich herausholen. Ob Stadt oder Land. Die einen leiden unter Dichtestress, die anderen nicht. Wir müssen konstruktiv sein für den ganzen Kanton. Wir müssen da sein für die Unternehmen – und für die Menschen, die hier leben.Das klingt schon fast wie ein designierter Volkswirtschaftsdirektor.(Lacht.) In der NZZ habe ich mal gesagt: Ich hätte gerne die Finanzen. Als früherer Revisor wäre ich da daheim. Aber ich bleibe entspannt. Ich könnte jede Direktion übernehmen. Im Kantonsrat wollte ich auch sofort in die Finanzkommission. Dann landete ich in der Kommission für Justiz und öffentliche Sicherheit. Und ich kann sagen: Man lernt sehr viel dabei.Was haben Sie als nächstes vor als Regierungsratskandidat?Ich werde einen Social-Media-Auftritt aufbauen und dann sicher mit Andri (Silberschmidt, Anm. der Red.) zusammensitzen, damit wir einen coolen Wahlkampf machen können. Es wird sich zeigen, wie viel Zeit ich für meinen Landwirtschaftsbetrieb noch haben werde. Das Schöne ist: Der Zürcher Wahlkampf für die Wahl im April findet vor allem im Winter statt. Da haben wir es etwas ruhiger auf dem Hof.Was kann Andri Silberschmidt von Ihnen lernen?(Lacht.) Ein Politiker aus dem Bundeshaus, der weiss doch schon alles!Im Ernst: Was kann Andri Silberschmidt von Ihnen lernen?Vielleicht kann er sich von meiner bodenständigen Art etwas abschauen. Ich bin, wie ich bin. Aber auf ihn trifft das sicher auch zu. Ich bin halt etwas roher unterwegs als andere.Und was können Sie von ihm lernen?Auftrittskompetenz. Die Ruhe bewahren, auch in einem Saal mit zweihundert Leuten wie heute Abend. Das muss ich noch lernen, das gebe ich offen zu. Aber ich bin bereit dazu. Und ich habe kein Problem damit, die eine oder andere Schwäche zu haben.Was sagt Ihre Familie zu Ihrer Kandidatur?Das kommt drauf an, wenn man fragt! (lacht.) Meine Partnerin sagte zu mir: «Mach es!» Meine Eltern waren zurückhaltender. Sie unterstützen mich auch. Aber ja: Ich werde oft fort sein vom Betrieb, den ich von ihnen übernommen habe: im Wahlkampf – und natürlich erst recht, wenn ich gewählt werden sollte.Sie in einem Büro in der Stadt anstatt auf dem Feld auf dem Land. Macht Ihnen diese Vorstellung kein Bauchweh?Ich bin es gewohnt, in einem Büro zu arbeiten. Aber es wäre nicht ausgeschlossen, dass ich mich als Regierungsrat an einem Samstag auf den Traktor setzen würde. So kommen mir oft gute Ideen.Vom Zweier-Ticket zum bürgerlichen Ticket: Würden Sie eine Zusammenarbeit mit SVP und Mitte bevorzugen im Wahlkampf?Das wäre sicher sinnvoll. Darüber werden wir in der Partei diskutieren.Kennen Sie den SVP-Kandidaten Martin Hübscher und Philipp Kutter von der Mitte?Martin Hübscher kenne ich sehr gut. Philipp Kutter kenne ich nicht. Dafür war ich mit Natalie Rickli in derselben Schule in Winterthur.Passend zum Artikel
Zürich: Der FDP-Regierungsratskandidat Martin Huber sagt: «Ich bin eher ein rauer Typ»
Der Landwirt und frühere CS-Mitarbeiter freut sich auf einen «coolen» Wahlkampf mit Andri Silberschmidt. Als Verhinderer der Kandidatin Monika Keller sieht er sich nicht.






