Martin Hübscher soll für die SVP den Sitz von Regierungsrat Ernst Stocker erben. Er sagt: «Der Kanton darf nicht unter den Wachstumsschmerzen kollabieren»Der Landwirt will die Ausgaben des Kantons bremsen. Die Parallelen zwischen ihm und Stocker sind frappant.18.06.2026, 05.02 Uhr4 LeseminutenMartin Hübscher will für die SVP Regierungsrat werden. Er sagt: «Ich bin jetzt 57, vom Alter her der letzte mögliche Zeitpunkt.»Andrea Zahler / CH MediaBei den Regierungsratswahlen vor vier Jahren sagten Sie noch ab – der Zeitpunkt passe nicht. Diesmal sagten Sie erst, Sie stünden bereit, dann mussten Sie wieder überlegen, jetzt wurden Sie nominiert. Warum das Zögern?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Grundsätzlich war ich immer interessiert. Ich bin Milizpolitiker, und wir haben einen Landwirtschaftsbetrieb, für den die Weiterführung organisiert werden muss. Aber nun sagte ich mir: Ich bin jetzt 57, vom Alter her der letzte mögliche Zeitpunkt. Ich musste das aber nochmals mit der Familie besprechen. Man schafft so einen Entscheid ja nur als Team. Das haben wir jetzt geklärt.Ernst Stocker wollte bereits vor vier Jahren aufhören. Müssen Sie antreten, weil es in der SVP sonst keiner macht?Das ist überhaupt nicht so. Im Gegenteil, wir haben in der Partei im Moment eine sehr grosse Personaldecke. Wir haben sehr gut gewählte Stadtpräsidenten, wir haben aktive Leute aus dem Kantons- und Nationalrat. Es ist nicht die gleiche Situation wie vor vier Jahren, heute stehen viele Leute parat. Deshalb wird in der Partei sogar über ein Dreierticket diskutiert.Also hat man Sie nicht zu Ihrem Glück zwingen müssen?Überhaupt nicht, es war ein breiter Wettbewerb. Aber der Druck ist sicher hoch, den Sitz in der Regierung halten zu können. Ehrlich gesagt, habe ich da schon Respekt davor.Sie gelten als bodenständig, sind von Beruf Landwirt. Man könnte fast sagen, die SVP fand einen Klon von Ernst Stocker. Täuscht der Eindruck?Vom Werdegang her sind wir verschieden: Ernst Stocker kam von der Exekutive her, er war langjähriger Stadtpräsident von Wädenswil. Ich habe die Erfahrung aus dem nationalen Parlament. Zudem sah ich als Fraktionspräsident im Kantonsrat in alle Geschäfte hinein. Aber dass es von der Art her gewisse Parallelen zwischen uns gibt, will ich gar nicht bestreiten.Sehen Sie sich als ein Mann des Volkes?Ja, ich kann gut zuhören. Ich finde, ein guter Exekutivpolitiker sollte gut zuhören können und ein Netzwerk haben. Man wird am Ende an dem gemessen, was man durchbringt. Was unser Ticket angeht, so ergänzen Natalie Rickli und ich uns gut. Sie bringt den urbaneren Teil mit, ich wohl eher den urchigen Teil der Partei. Wir wollen die bürgerliche Mehrheit in der Regierung wieder sicherstellen.Es ist auffällig, dass die SVP die kantigen Leute wie einen Roger Köppel oder einen Thomas Matter nicht in den Ständerat oder Regierungsrat bringt. Woran liegt das?Wir haben unterschiedliche Rollen in der Partei und der Fraktion. Im Parlament hat man einfach nicht die gleiche Funktion wie in der Exekutive. Die von Ihnen angesprochenen Leute wollten das vielleicht auch gar nicht, in eine andere Rolle schlüpfen. Die würden sich dort wohl nicht wohlfühlen. Und klar, Majorzwahlen wie jene für den Regierungsrat laufen nach einem anderen Prinzip. Darum ist der Druck hoch. Wenn ich mir anschaue, wie die Linken jüngst in den Städten mobilisierten, wird es eine Herausforderung für uns Bürgerlichen.Der Kanton Zürich hat in den vergangenen Jahren steuerlich massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Bei der Einkommensbesteuerung fiel Zürich um neun Plätze zurück. Bei den Unternehmenssteuern belegt der Kanton sogar den letzten Platz der Schweiz.Eine Katastrophe!Was läuft falsch im Kanton?Die Regierung kann nicht durchregieren. Im Kantonsrat haben wir eine Pattsituation, manchmal ist sogar eher links im Vorteil. Dazu kommen die Städte, die mit dem Gemeindereferendum drohen können. Deshalb braucht es bürgerliche Mehrheiten, sowohl im Parlament wie auch in der Regierung, um die Standortattraktivität des Kantons Zürich halten zu können.Was würden Sie tun?Wir haben im Kanton kein Einnahmenproblem, aber wir müssen die Ausgaben bremsen. Bei den Investitionen müssen wir das Wünschbare von dem Notwendigen trennen. Man muss überlegen, ob das Schulhaus oder der Veloweg wichtiger ist.Ihre eigene Partei hat Finanzdirektor Ernst Stocker unter Druck gesetzt, als sie eine deutlichere Steuersenkung forderte. Das dürfte Ihnen kaum erspart bleiben.Hoffentlich käme von der bürgerlichen Seite die Forderung nach einer deutlichen Steuersenkung. Wie gesagt: Es gibt unterschiedliche Rollen in der Partei, und diesen Druck muss man vertragen können. Aber eben, zuerst muss man gewählt werden, und Ansprüche auf die Direktion hat man auch keine.Was würden Sie sonst im Kanton verändern?Nebst den Finanzen sehe ich in der Digitalisierung riesige Baustellen. Der Kanton muss aufpassen, dass nicht Ähnliches passiert wie beim Militär. Dort schauen oftmals ausser Kosten kaum Resultate heraus. Darum braucht es in der Verwaltung die Bereitschaft für Veränderungen. Was ich zudem feststelle: Im Moment haben wir fast zu viel Datenschutz. Dieser verhindert, dass Bereiche zusammengeführt werden. Im privaten Bereich teilen die Leute freiwillig sehr viele Daten. Nur der Staat insistiert da noch immer wie verrückt. Er hinkt der Realität hinterher.Taugt Digitalisierung als Wahlkampfthema?Mich interessieren noch viele weitere Bereiche. Ich war 30 Jahre lang Berufsschullehrer. Als Ingenieur musste ich feststellen, dass viele Schulabgänger nicht mehr genügend rechnen und schreiben können. Es braucht dringend eine Stärkung der Mint-Fächer. Auch die Raumplanung treibt mich um. Das Wachstum des Kantons braucht entsprechende Infrastruktur. Ich denke an die Oberland-Autobahn oder den Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen. Der Kanton muss sich national gut vernetzen, wenn er nicht unter den Wachstumsschmerzen kollabieren soll.SVP nominiert Rickli und Hübscherheu. Der SVP-Kantonalverband hat am Dienstag neben Martin Hübscher auch die Bisherige Natalie Rickli für die Regierungsratswahlen im Frühling 2027 nominiert. Es wäre ihre dritte Amtszeit. Die Gesundheitsdirektorin hat jüngst mit Aussagen über ihre politische Zukunft für Verwirrung gesorgt. Sie prüfe eine Kandidatur für den Ständerat, sagte sie zu den Tamedia-Zeitungen – nur um wenig später in einem Video auf Linkedin zu erklären, sie wolle in der Zürcher Regierung bleiben. Die definitive Nomination von Rickli und Hübscher erfolgt durch die Delegiertenversammlung am 9. Juli. Über ein mögliches Dreierticket entscheidet der Kantonalvorstand im August.
Regierungsrat Zürich: SVP-Kandidat Martin Hübscher will Stockers Nachfolge sichern
Der Landwirt will die Ausgaben des Kantons bremsen. Die Parallelen zwischen ihm und Stocker sind frappant.







