KommentarEine Doppelkandidatur – und dann noch mit zwei Männern: Die Zürcher FDP hat bei den Regierungsratswahlen zu ihrem alten Mut zurückgefundenNatürlich wird es nicht einfach sein, den zweiten Sitz zu erobern. Aber einen Versuch wert ist es auf jeden Fall.25.06.2026, 05.00 Uhr3 LeseminutenAndri Silberschmidt ist der Favorit der FDP.Michael Buholzer / KeystoneWenn Schweizer vor einer Herausforderung stehen, dann gehen sie gerne auf Nummer sicher. Sie erzielen lieber einen kleinen garantierten Erfolg, als zu viel zu wollen. Das sieht man zum Beispiel beim Sparbatzen. Dieser wird im Zweifel eher auf dem Bankkonto belassen als in ein Aktienportfolio investiert. Dort locken zwar höhere Erträge. Aber es drohen auch höhere Risiken.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Vorstand der Zürcher FDP ist in Risikofragen auch eher im Team Sparkonto. Als es um die Frage ging, mit wem die Freisinnigen in die Regierungsratswahlen ziehen sollten, zauberte die Parteileitung zuerst nur einen einzigen Namen aus dem Hut: Andri Silberschmidt. Die Nachwuchshoffnung ist ein sicherer Wert mit kleinem Ausfallrisiko.Erst auf Druck von unten und von zugewandten Orten öffnete der Vorstand den Kreis und stellte drei weitere Namen vor. An der Delegiertenversammlung diese Woche hat die FDP schliesslich eine Doppelkandidatur beschlossen. Neben Silberschmidt wird auch der Kantonsrat und Landwirt Martin Huber kandidieren.Wenn Silberschmidt das Risikoprofil eines Sparkontos hat, dann ist Huber das Äquivalent einer Investition in ein Startup: Es gibt ein ziemlich grosses Risiko, dass es am Ende doch nicht ganz reichen wird. Aber der mögliche Ertrag, ein Sitzgewinn für die FDP, ist gewaltig.Mit ihrem Zwillingsticket zeigt die Zürcher FDP, dass sie doch nicht so zahnlos ist, wie man kurz vermuten musste. Mit Silberschmidt einen Sitz zu verteidigen, ist machbar. Aber mit Huber einen zweiten zu holen, das ist ambitioniert. Genau das ist die Geisteshaltung, die man von einer Partei erwarten darf, die wie keine andere für den Wettbewerb einsteht.Weiter ist es aus strategischen Überlegungen wichtig, jetzt anzugreifen. Die Chancen stehen viel besser als vor vier Jahren. Damals traten alle sieben Bisherigen nochmals an. Jetzt aber sind mindestens vier von sieben Sitzen neu zu vergeben. So frei wird der Weg ins Regierungsratszimmer in den kommenden Jahren nie mehr sein.Martin HuberPDFür einen Erfolg spricht schliesslich, dass die Partei aus sechs theoretisch möglichen Zweierkombinationen die wohl beste Paarung für ihr Doppelticket erkoren hat.Silberschmidt steht mit seinen 32 Jahren für eine neue urbane Generation, gleichzeitig ist er als Nationalrat und Unternehmer erfahren. Kantonsrat Martin Huber aus Neftenbach ist knapp unter 50. Er spricht als Landwirt und als Vertreter der bürgerlich geprägten ländlichen Regionen ein ganz anderes Segment an. Und zwar eines, das weit in die SVP reicht.Zum ersten Mal seit fast dreissig Jahren keine Frau mehrEine andere Frage ist, ob die FDP nicht mit einem Mann und einer Frau hätte antreten sollen. Die Partei hatte das in allen Gesamterneuerungswahlen seit 1999 getan. Mit Carmen Walker Späh verlässt nun die letzte Freisinnige den Regierungsrat. Sie wird, sofern die Wahlstrategie der FDP aufgeht, durch einen Mann ersetzt werden.Aber aus liberaler Sicht darf das keine Rolle spielen. Die Besten gehören nach vorne, nicht jene, die zufällig das richtige Geschlecht mitbringen. Die FDP war nie eine Quotenpredigerin, sondern immer eine Verfechterin der Meritokratie. Ausserdem waren die Frauen in den letzten acht Jahren in der Mehrheit im Regierungsrat, da verträgt es sich auch, wenn die Waage wieder einmal auf die andere Seite kippt.Ein Risiko, dass die Frauenfrage der FDP im Wahlkampf um die Ohren fliegen wird, besteht sowieso nicht. Den Linken fehlt nämlich das moralische Oberwasser. Die Grünen haben sich freudig wieder hinter ihren Regierungsrat Martin Neukom gestellt. Und in der Stadt Zürich hat die SP erst gerade mit grösster Selbstverständlichkeit eine langjährige lesbische Stadtpräsidentin durch einen heterosexuellen Mann ersetzt. Der feministische Zeigefinger bleibt also schön eingeklappt.Passend zum Artikel