KommentarGut, streift die Zürcher FDP ihren Defaitismus ab und tritt mit zwei Personen bei den Regierungsratswahlen an. Ein Spaziergang wird es trotzdem nicht werdenMit ihrer Zweierkandidatur können die Freisinnigen beweisen, dass sie den Mut nicht verloren haben, für die liberale Sache einzustehen.21.05.2026, 16.46 Uhr3 LeseminutenMit Wahlresultaten ist es wie mit Ballonen: Am schönsten ist es, wenn es aufwärtsgeht.Anthony Anex / KeystoneDie Zürcher FDP kommt zur Vernunft. Auf Druck der Parteibasis und der bürgerlichen Partner verabschiedet sich die Partei von ihrer Einerkandidatur für die Regierungsratswahlen 2027. Sie wird, das Plazet der Delegierten vorausgesetzt, nun doch mit zwei Personen antreten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das ist aus mehreren Gründen der richtige Entscheid.Erstens: Das Tor zum Regierungsrat steht weit offen. Bis zu fünf Sitze werden frei. Die Wahlen 2027 werden keine Alibiübung sein, bei der am Ende doch wieder dieselben sieben Bisherigen das Rennen machen, sondern eine politische Grunderneuerung. Diese gilt es zu nutzen.Zweitens: Fertig mit der Selbstverzwergung. Die FDP hat mit sanfter externer Motivation den Mut gefunden, Ambitionen zu zeigen. Es muss das Ziel jeder Partei sein, frühere Verluste auszugleichen und ihren Einfluss auszubauen. Wer von Anfang an bloss den Sitzerhalt als Maximalziel festlegt, hat schon aufgegeben.Gut, streift die FDP diese defaitistische Haltung ab. Dies erst recht nach den Erfolgen der Partei bei den Zürcher Kommunalwahlen und insbesondere dem Gewinn des Stadtpräsidiums in Winterthur. Wenn eine bürgerliche Partei in dieser linken Grossstadt das wichtigste Exekutivmandat holen kann, dann hat sie auch Chancen auf der kantonalen Ebene. Diese wählt nämlich deutlich rechter.Drittens: Mehr Auswahl bedeutet mehr demokratische Mitbestimmung. Die FDP-Nominationsversammlung wird nicht zu einem Mini-Pjongjang mit vorbestimmtem Resultat werden, sondern zu einem offenen Wettstreit der Köpfe und Ideen. Genau so sollte es sein in einer Partei, die für den Wettbewerb steht wie keine andere.Die A-Liga der FDP hält sich vornehm zurückEitel Freude über das FDP-Duo ist trotzdem fehl am Platz. Das hat viel mit der Auswahl der Personen zu tun, die auf der zweiten Linie neben Andri Silberschmidt antreten wollen. Kein Vertreter der A-Liga konnte für diese schwierige Position gefunden werden.Bei den Zürcher Nationalräten ist das noch halbwegs verständlich, sie sind mit Ausnahme von Silberschmidt alle um die 60 Jahre alt. Für sie ist der Zug in den Regierungsrat abgefahren. Beat Walti, der im November 58 Jahre alt wird, ist nach Jungspund Silberschmidt noch der jüngste Zürcher Freisinnige im Bundeshaus.Weniger klar ist, warum Talente aus dem Kantonsparlament entweder nicht wollten oder nicht für adäquat befunden wurden. Leute wie der Adliswiler Stadtrat und Ökonom Mario Senn, der Fraktionschef Claudio Zihlmann oder die FDP-Vizepräsidentin Raffaela Fehr. Sie sind alle um die 40 Jahre alt und politisch beschlagen.Der Parteipräsident Filippo Leutenegger hat natürlich recht, wenn er sagt, dass privat und beruflich viele Faktoren zusammenkommen müssen, bevor sich jemand für ein solches Amt verpflichtet. Und doch scheint es, dass die FDP es seit den letzten Wahlen 2023 versäumt hat, willige Kandidaten aufzubauen.Bei den Frauen gibt es AufholpotenzialEin Problem hat die Partei vor allem damit, Frauen zu finden. Monika Keller, die einzige Frau, die nun in der parteiinternen Endauswahl für den Regierungsrat steht, ist eine Verlegenheitskandidatin.Sie hat kantonalpolitisch keine grossen Spuren hinterlassen, sie sitzt auch erst seit 2023 im Parlament. Aber immerhin exponiert sie sich nun und legt ihre Ambitionen offen. Das ist mehr, als die meisten anderen ihrer Kolleginnen und Kollegen tun.Von ihren beiden Mitbewerbern, dem Medizinprofessor und Dekan Frank Rühli und dem Kantonsrat, Landwirt und Betriebsökonom Martin Huber, dürfte Huber als erfahrener Finanzpolitiker wohl die besten Karten haben, neben Silberschmidt nominiert zu werden.Einfach wird es auch für ihn nicht werden.Wenn es der FDP gelingen würde, mit zwei Personen in den Regierungsrat des grössten Kantons der Schweiz einzuziehen, wäre das ein Coup. Ausgeschlossen ist es nicht. Die anderen Parteien kochen auch nur mit Wasser.Passend zum Artikel