InterviewDie Zürcher FDP plant den Doppelangriff bei den Regierungsratswahlen. Der Parteichef Leutenegger sagt: «Es gab einen starken Wunsch nach einer Zweierkandidatur»Wer schliesslich nominiert wird, soll an der Delegiertenversammlung nach dem System der Bundesratswahlen entschieden werden.21.05.2026, 09.42 Uhr4 LeseminutenDer FDP-Zürich-Präsident Filippo Leutenegger sagt, es habe keinen Druck von der nationalen Partei gegeben.Annick Ramp / NZZHerr Leutenegger, noch Mitte April gab die FDP bekannt, nur mit Andri Silberschmidt bei den Zürcher Regierungsratswahlen anzutreten. Jetzt soll es doch eine Doppelkandidatur werden, wobei die Delegierten aus vier Personen auswählen können. Woher kommt dieser Meinungsumschwung?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es war kein Meinungsumschwung. Ich hatte schon früh gesagt, dass ich gerne zwei Personen bringen würde, am liebsten einen Mann und eine Frau.Sie schon, aber im April präsentierte der FDP-Vorstand schliesslich nur eine Kandidatur, jene von Andri Silberschmidt.Wir einigten uns auf einen sicheren Wert, und den haben wir mit Andri Silberschmidt, das ist parteiintern unbestritten. Seine Wahlchancen stehen sehr gut.Doch dann gab es Druck von der Parteibasis?Von Druck würde ich nicht sprechen, aber es gab einen starken Wunsch nach einer Zweierkandidatur. Deshalb können die Delegierten nun entscheiden, mit welchem Ticket und mit wem sie ins Rennen steigen wollen.Gab es Druck vonseiten des nationalen Parteivorstands?Nein. überhaupt nicht. Das war Sache der Kantonalsektion.War der Einervorschlag rückblickend gesehen ein Fehler?Nein. Es gab auch keinen Streit darüber in der Partei, ich erhielt kaum böse Briefe. Aber wir merkten, dass der Wunsch nach einer zweiten Kandidatur da ist. Ein Fehler wäre es nur gewesen, wenn wir nicht die richtige Persönlichkeit portiert hätten, aber das ist ja nicht der Fall. Nun stehen noch drei weitere Kandidierende zur Verfügung, die sich gemeldet haben.Das bedeutet auch, dass Andri Silberschmidt nun Konkurrenz aus den eigenen Reihen erhält. Ihm wäre es wohl lieber gewesen, wenn es bei seiner Einerkandidatur geblieben wäre, oder nicht?Nein, überhaupt nicht. Er ist mit diesem Vorgehen sehr zufrieden.Die Zürcher FDP verfügt grundsätzlich über einige Kandidatinnen und Kandidaten, die für den Regierungsrat infrage kommen. Doch viele prominente Vertreter sagten schon früh öffentlich ab. Haben die Freisinnigen Angst vor dem Verlieren, oder ist das Regierungsratsamt nicht attraktiv genug?Die Gründe waren bei jeder Person anders. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein Wechsel in ein Exekutivamt zwar ein sehr spannender, aber auch ein sehr einschneidender Schritt ist. Er muss in die persönliche Lebensplanung mit Familie, Job und politischen Ambitionen passen.Von aussen hatte man den Eindruck, dass es für die FDP vor allem schwierig war, eine Frau zu finden. Stimmt das?Es braucht für so eine grosse Aufgabe immer Überzeugungsarbeit, bei Frauen wie bei Männern. Ich habe viele Gespräche geführt, das gehört zum Amt des Präsidenten dazu.Wobei es am Schluss immer noch eine reine Männerkandidatur geben kann.Darüber entscheidet die Delegiertenversammlung. Wichtig ist, dass wir alle Optionen haben.Sie gehen mit vier Personen in die parteiinterne Ausmarchung an der Delegiertenversammlung, mit Andri Silberschmidt, Monika Keller, Martin Huber und Frank Rühli. Wie läuft die Auswahl nun genau ab?Als Erstes muss die Delegiertenversammlung entscheiden, ob wir mit einer oder mit zwei Personen antreten wollen. Im Anschluss werden sich die vier Personen vorstellen, dann wird es eine Diskussion geben und am Schluss ein Auswahlverfahren, wie man es von den Bundesratswahlen kennt.Es gibt also keine Sonderbehandlung für Andri Silberschmidt? Er steht nicht von Anfang an fest?Nein, er wird sich dem gleichen Wettbewerb stellen wie alle anderen auch.Was ist der Wahlvorschlag des Vorstands?Der Vorstand gibt eine Empfehlung für Andri Silberschmidt ab. Die drei weiteren Kandidierenden sind später dazugekommen. Die Delegiertenversammlung soll entscheiden, mit wem wir ins Rennen steigen werden.Im Regierungsrat werden sicher drei, wahrscheinlich vier Sitze frei werden, vielleicht sogar fünf. Die Ausgangslage für einen Angriff ist so gut wie schon lange nicht mehr.Unser Ziel mit zwei Sitzen ist nicht neu. Und ja, wir werden versuchen, die Chance zu nutzen, auch wenn uns die Erfahrung aus den zwei letzten Wahlen gelehrt hat, dass es kein Spaziergang wird.Von welchem Szenario gehen Sie aus? Wer wird gewählt, wo wird es knapp werden?Das sind alles Spekulationen, die ich gerne den Medien überlasse.Die SVP hatte offen damit gedroht, mit einer Dreierkandidatur ins Rennen zu steigen, wenn die FDP nur eine Person aufstellt. Ist dieses Szenario nun vom Tisch?Davon gehe ich aus.Streben Sie wieder eine bürgerliche Zusammenarbeit an, also einen klassischen Schulterschluss von FDP, SVP und Mitte?Unbedingt. Das muss unser Ziel sein, und dafür werde ich mich einsetzen. Wir arbeiten schon heute im Kantonsrat sehr gut zusammen. Die Städte sind ein schwieriges Pflaster für die Bürgerlichen, umso stärker müssen wir auf der kantonalen Ebene gegensteuern.Passend zum Artikel
Filippo Leutenegger über FDP-Strategie: «Der Wunsch nach einer Zweierkandidatur war stark»
Wer schliesslich nominiert wird, soll an der Delegiertenversammlung nach dem System der Bundesratswahlen entschieden werden.








