Beim Nato-Gipfel präsentiert sich Recep Tayyip Erdoğan als unverzichtbarer Partner des Westens. Im eigenen Land treibt er den Umbau der Opposition voran.
W er in Ankara den Hinweisschildern zum Atatürk Orman Çiftliği – dem Atatürk-Waldbauernhof – folgt, erlebt am Ende eine Überraschung: Nicht der vom Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk angelegte landwirtschaftliche Musterbetrieb erwartet die Besucher:innen, sondern ein massiv gesichertes Areal auf dem Gelände der ehemaligen Versuchsanlage. Innerhalb des umzäunten Geländes erhebt sich eine Vielzahl osmanisch-seldschukisch anmutender Bauten. Das weitläufige Palastareal erinnert an den Regierungssitz der osmanischen Sultane auf der historischen Halbinsel in Istanbul – nur dass es heute in Ankara steht und als Residenz von Recep Tayyip Erdoğan dient.
Die Anlage auf einem Hügel im Westen der Stadt ist Erdoğans Antwort auf Atatürks Entscheidung, die Hauptstadt der jungen Republik von Istanbul nach Ankara zu verlegen und dort eine moderne Hauptstadt nach europäischem Vorbild zu errichten. Bis zu Erdoğans Präsidentschaft residierten die Staatspräsidenten in einem vergleichsweise bescheidenen Gebäude im Zentrum Ankaras. Heute gleicht der Präsidentenpalast einer verbotenen Stadt in der Stadt.













