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Fraunhofer-Studie: Umstieg auf Biogas wird Gasnetze nicht retten Nach einer neuen Fraunhofer-Studie haben Gasheizungen keine Zukunft. Die Netze und das vorgeschriebene Biogas seien zu teuer. Das Heizungsgesetz werde daher scheitern.
Martin Gerth 06.07.2026 - 16:46 Uhr Viele Kommunen wollen ihre Gasnetze abbauen, weil sie künftig mit weniger Nachfrage rechnen. Foto: dpaDie Bundesregierung plant, neue Gasheizungen auch künftig zuzulassen. Allerdings dürften dafür langfristig die Netzkapazitäten in den Kommunen fehlen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts Fraunhofer IFAM. So ließen sich bei sinkender Gasnachfrage die Netze nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Je mehr Anschlüsse ein Gasnetz hat, desto geringer sind die verbrauchsunabhängigen Kosten pro Haushalt.Nach dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz sollen neue Gasheizungen mit einem steigenden Anteil an Biogas betrieben werden. Von 2029 an müssen die Hauseigentümer einen Vertrag ihres Energieversorgers nachweisen, der ihnen den jeweils erforderlichen Biogasanteil zusichert. Die Biogasquote liegt 2029 bei zehn Prozent. Ab 2035 wären dann mindestens 30 Prozent erforderlich.Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass der gesetzlich vorgeschriebene, sukzessive Umstieg auf Biogas (Biotreppe) die Gasnetze nicht retten wird. Denn die meisten Hauseigentümer würden auf Wärmepumpen und Fernwärme umsteigen. Das hat in der Regel wirtschaftliche Gründe.Heizungsgesetz Viele Städte könnten Reiches neue Biogastreppe sabotieren Das neue Heizungsgesetz erlaubt neue Gasheizungen mit steigendem Bioanteil – doch Kommunen und Stadtwerke können die Grüngasnetze ablehnen. Was dann? von Clara Thier und Stefan HajekDenn Biogas ist derzeit spürbar teurer als konventionelles Gas. Die Vergleichsplattform Verivox hat die Preisdifferenzen zwischen Tarifen mit und ohne Biogas ermittelt. Das Ergebnis: Bei Tarifen mit 60 Prozent Biogas liegt der Aufschlag bei 24 Prozent. Garantiert der Tarif 100 Prozent Biogasanteil, liegen die Mehrkosten sogar bei 40 Prozent.Technologieoffenheit wird scheiternDie Studie wurde vom Münchner Umweltinstitut und der Initiative GasWende in Auftrag gegeben. GasWende setzt sich für eine gasfreie Energieversorgung ein. Es ist nicht überraschend, dass beide Auftraggeber Kritik an dem Gesetzentwurf üben, der weiterhin neue Gasheizungen ermöglicht. Allerdings haben auch andere Experten die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung bemängelt. Und der Bundesrat hat eine Reihe von Änderungen beim Gesetzentwurf angemahnt.„Die Studie zeigt, dass die Kombination aus teurem Biogas und immer höheren Netzentgelten für die meisten Menschen nicht bezahlbar sein wird“, sagt Till Irmisch, Referent für Energiepolitik am Umweltinstitut. Aufgrund der höheren Netzentgelte pro Haushalt wären die Gaspreise gegenüber anderen Heizungsalternativen wie Fernwärme oder Wärmepumpe nicht mehr wettbewerbsfähig. Es sei daher wahrscheinlich, so die Studie, dass die Kommunen bis spätestens 2045 ihre Gasnetze schließen werden.Die politisch angestrebte Technologieoffenheit im Heizungskeller stößt also an praktische Grenzen. Dies gilt umso mehr, als in Berlin die nächste Änderung am Gebäudemodernisierungsgesetz angekündigt wurde. Anders als bisher geplant, sollen Gasheizungen von 2045 an doch zu 100 Prozent mit erneuerbarem Brennstoff, also mit Biogas, betrieben werden. Genau dies sieht das derzeit noch geltende Gebäudeenergiegesetz vor, das noch von der Ampelkoalition beschlossen wurde.Heizung modernisieren Bundestags-Beschluss zum Heizgesetz könnte verschoben werden Versorgung mit Biogas ist fraglichDiese Änderung wird damit begründet, dass nur so das Klimaziel erreichbar wäre, Gebäude in Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen. In dem bisherigen Gesetzentwurf wäre 2045 nur ein Biogasanteil von 60 Prozent vorgeschrieben gewesen. Aktuell wären es dagegen 100 Prozent. Das heißt, der Bedarf an Biogas wäre damit wieder größer.Zwar gibt es auf dem Markt bereits Gastarife mit 100 Prozent Biogasanteil. Allerdings ist noch völlig unklar, ob Biogas künftig in ausreichender Menge bereitgestellt werden kann. Wenn dann auch noch die Kommunen ihre Gasnetze bereits vor 2045 schließen, wäre Heizen mit Biogas keine nachhaltige Option mehr.„Die Bundesregierung kann bis heute nicht erklären, wie sie die Menschen mit Biogas versorgen möchte“, sagt Energieexperte Irmisch. Wer heute eine neue Gasheizung einbaue, dürfte auf einer teuren Investitionsruine sitzenbleiben. Das Heizungsgesetz werde damit früher oder später unweigerlich scheitern, sagt Irmisch. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick











