KommentarAufgehobene Sperre nach Trump-Anruf: Politische Interventionen sind für den Fussball brandgefährlichNach Druck aus Washington schwächte die Fifa die Sanktion gegen einen US-Stürmer ab. Das hätte sie nicht tun sollen: Das Spiel lebt davon, dass für alle Mannschaften dieselben Regeln gelten.06.07.2026, 16.59 Uhr3 LeseminutenPräsident Donald Trump mit Gianni Infantino im Jahr 2018 im Oval Office. Damals lachten sie noch über eine rote Karte.Evan Vucci / APDer beliebteste Sport der Welt hält einiges aus. Die Zuschauer nehmen es hin, dass immerzu neue, belanglose Wettbewerbe entstehen. Sie zahlen irrwitzige Preise für Tickets und Pay-TV. Sie akzeptieren europäische Pokalfinals in Katar oder Saudiarabien und ignorieren den Verdacht, die beiden Länder würden bei der Vergabe von Turnieren oder der Zuteilung von Gegnern in Qualifikationsgruppen gezielt begünstigt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nichts von alldem konnte dem Fussball bisher ernsthaft schaden. Im Gegenteil: Die laufende WM in den USA, Kanada und Mexiko, die grösser und kommerzieller daherkommt als alles bisher Dagewesene, war in den ersten drei Turnierwochen ein voller Erfolg. Prominente und Journalisten, die dem Anlass vorab ein Scheitern prophezeiten und sich dieses aus Aversion gegen US-Präsident Donald Trump womöglich herbeiwünschten, schienen falschgelegen zu haben.Umso schlechter passt ins Bild, was jetzt passiert ist. Folarin Balogun, der beste Stürmer des Gastgebers USA, hatte im Sechzehntelfinal eine rote Karte erhalten, was gemäss geltenden Fifa-Statuten automatisch eine Sperre nach sich zieht. Doch der Weltfussballverband hob die bereits verhängte Sanktion am Sonntag wieder auf und wandelte sie in eine Bewährungsstrafe um.Trump hatte Fifa-Präsident Gianni Infantino telefonisch gedrängt, Balogun im Achtelfinal spielen zu lassen. Der US-Präsident selbst bestätigte den Kontakt. Das «Wall Street Journal» berichtet zudem, das Weisse Haus habe gemeinsam mit hochrangigen Anwälten eruiert, wie der Entscheid der Fifa juristisch angefochten werden könnte. Als die Sperre in ihrem Sinne angepasst war, schrieb Trump auf Truth Social: «Vielen Dank an die Fifa, dass sie das Richtige getan und eine grosse Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat.»Der Eindruck, Regelauslegungen könnten an einer WM von der Regierung des Gastgeberlandes beeinflusst werden, ist für den Fussball brandgefährlich. Das Spiel basiert auf der Annahme, dass für sämtliche Mannschaften dieselben Regeln gelten. Es lebt von der Illusion, dass Entscheide über Foul und Abseits, als so ungerecht sie empfunden werden mögen, in den Stadien fallen. Oder – schon das ist für Puristen ein schmerzhaftes Zugeständnis – in den Kellerräumen der Videoschiedsrichter. Aber sicher nicht im Weissen Haus.Der Fussball bezieht seine Popularität aus dem Umstand, dass der berühmte Satz der Ruhrpott-Legende Alfred Preissler über sämtliche Jahrzehnte hinweg seine Gültigkeit behalten hat: «Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz.» Dass im Oval Office entscheidend gewesen sein könnte, erschüttert vermeintliche Gewissheiten. «Das stellt alles infrage», sagte am Montag der sonst tiefenentspannte Trainer Jürgen Klopp. Er sprach aus, was viele Fans gedacht haben dürften: Was mögen Trump und Infantino, wenn sie unverfroren die Sperre eines Spielers untereinander aushandeln, an ihren zahlreichen Treffen noch alles besprochen haben?Bisher hat Trump, allen Unkenrufen, die eine politische Inszenierung monierten, zum Trotz, an der WM noch kein Spiel besucht. Doch jetzt droht das Turnier von einer Affäre überschattet zu werden, die vermeidbar gewesen wäre. Eigentlich weiss die Fifa genau, was bei Interventionen von aussen auf dem Spiel steht. In aller Regel schreiten die Regelhüter des Fussballs in derartigen Fällen rigoros ein. Vor wenigen Tagen sperrten sie den nationalen Verband Nepals wegen «Einmischungen durch Dritte». Im Februar traf es jenen von Kongo-Brazzaville, Grund war «ein besonders schwerwiegender Fall unzulässiger Einflussnahme Dritter».Der Korruptionsskandal von 2015 stürzte den Weltfussballverband in eine tiefe Krise. Bisher schien es, als hätten die Funktionäre auf dem Zürichberg daraus die richtigen Schlüsse gezogen: Sie sind bemüht, den Eindruck der Bestechlichkeit zu vermeiden. Die USA in einem Sanktionsentscheid derart plump zu bevorzugen, stellt die erzielten Fortschritte infrage.63 KommentareWolfgang Freundorfer 07.07.2026Die richtige Reaktion wäre ein Streik der Referees.Vincent Kraeutler 07.07.2026Fussball fusioniert mit "Magic, the Gathering".Passend zum Artikel
Anruf von Donald Trump bei Gianni Infantino: Politische Interventionen sind für den Fussball brandgefährlich
Nach Druck aus Washington schwächte die Fifa die Sanktion gegen einen US-Stürmer ab. Das hätte sie nicht tun sollen: Das Spiel lebt davon, dass für alle Mannschaften dieselben Regeln gelten.










