Die seltsamste Airline der Schweiz: Der Chef sitzt nicht mehr in Haft, aber die Schulden sind noch höher als gedachtDie schweizerisch-kosovarische Airline GP Aviation fliegt weiter, als wäre nichts gewesen. Doch nun zeigt sich: Sie ignoriert systematisch Entschädigungen für Passagiere.05.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenSteuert die Schweiz mehrmals täglich an: GP Aviation, die stark in der Schweiz verwurzelt ist.Andreas Haas / ImagoVor kurzem war er noch in einem deutschen Untersuchungsgefängnis, nun sitzt er wieder im Cockpit und strahlt. Der Schweizer Pilot, der 2019 die Luftfahrtgesellschaft GP Aviation gegründet und ihr mit seinen Initialen gleich noch den Namen gegeben hat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seine Verhaftung wegen angeblichen Steuerbetrugs seiner Airline im April machte ihn landesweit bekannt. Der Pilot mit den Initialen GP wurde von Bulgarien, wo er festgenommen wurde, an Deutschland ausgeliefert und sass mehrere Wochen ab. GP Aviation soll in Deutschland 9 Millionen Euro Steuerschulden haben.Wie Bilder in den sozialen Netzwerken zeigen, ist GP nicht nur wieder auf freiem Fuss, sondern auch am Arbeiten. Äussern will er sich nicht. Gemäss Handelsregistereintrag ist er auch nicht mehr Besitzer von GP Aviation. Im Mai wurde die Airline an seinen Geschäftspartner Edvin Rramanaj übertragen, einen Deutschen mit kosovarischen Wurzeln Mitte 20.Auch dieser antwortet auf mehrmalige Anfragen nicht. Dabei gäbe es einiges zu erklären, was auch für Schweizer Flugpassagiere relevant ist. Zum Beispiel, wie sich GP Aviation trotz Schulden in Millionenhöhe immer noch in der Luft hält. Dem Vernehmen nach arbeitet GP Aviation an einem Rückzahlungsplan mit den deutschen Behörden.Doch woher kommt das Geld? Denn die Schulden gegenüber dem deutschen Staat sind nicht die einzigen offenen Forderungen, welche die Airline hat. Recherchen zeigen: GP Aviation ignoriert Zahlungen an Passagiere wegen Verspätungen oder Annullationen systematisch.Das Schweizer Fluggastrechte-Portal Cancelled hat im Auftrag von Betroffenen GP Aviation eingeklagt. Nicht in der Schweiz, sondern in Bulgarien. Dort hat die Airline ihren juristischen Sitz. Zwar fliegt sie das Land nicht an, aber es verschafft ihr den Status einer EU-Airline. Damit kann sie auf dem ganzen Kontinent Flughäfen ansteuern.Weitere Pfändungen«Wir haben das Verfahren gewonnen. Trotz rechtskräftigem Urteil hat GP Aviation die geschuldete Zahlung verweigert. Aus diesem Grund mussten wir einen Gerichtsvollzieher mit der Zwangsvollstreckung beauftragen», sagt Simon Sommer, Mitgründer des Portals Cancelled.Ein Auszug der bulgarischen Nationalbank von Bankkonti der Airline, welcher der «NZZ am Sonntag» vorliegt, offenbart zahlreiche weitere Pfändungen. Diese stammen offenbar von verschiedenen Gläubigern, die Vollstreckungsverfahren gegen GP Aviation veranlasst haben.Das ist aber noch nicht alles. Ulpian Leka, Chef des Fluggastrechte-Portals Flyhelp, sagt: «GP Aviation ist seit mehreren Jahren eine problematische Fluggesellschaft, sowohl hinsichtlich ihrer Organisationsstruktur als auch in Bezug auf die regelmässige Durchführung von Flügen und die Zahlung von Entschädigungen.»Mit anderen Worten: Bei GP Aviation kommt es immer wieder zu Flugannullationen oder Verspätungen. Passagiere haben in solchen Fällen Anspruch auf Entschädigung. Bei Flügen in die EU werden ab einer Verspätung von mehr als drei Stunden mindestens 250 Euro fällig. GP Aviation zahlt diese aber nur ganz selten aus.Derzeit habe Flyhelp offene Forderungen gegenüber GP Aviation in sechsstelliger Höhe. «Nur ein Bruchteil davon konnte im Rahmen von Zwangsvollstreckungsmassnahmen eingetrieben werden», sagt der Jurist Ulpian Leka.Betroffen sein dürften viele Passagiere aus der Schweiz. Denn sie ist einer der wichtigsten Märkte für die Airline. Die Zielgruppe von GP Aviation sind Menschen mit kosovarischem Hintergrund, welche regelmässig ihre Heimat besuchen. Mit Zürich, Genf und Basel fliegt die Airline alle drei grossen Flughäfen täglich an. Während der Hauptsaison im Sommer teilweise auch mehrmals pro Tag.GP Aviation wurde hierzulande gegründet. Ein grosser Teil des Managements scheint über die Schweiz zu laufen. Ihre operationelle Basis hat die Airline aber in Kosovo. Am Flughafen Pristina ist sie in nur wenigen Jahren zur Marktführerin aufgestiegen.Die kosovarische Regierung machte GP Aviation vor zwei Jahren sogar zur inoffiziellen National-Airline. Denn sie beauftragte GP Aviation damit, den Balkanstaat mit der Schweiz zu verbinden. Das verlief aber nicht reibungslos. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bewilligte den beantragten Sommerflugplan 2024 nicht im ersten Anlauf. Der Grund: Die Airline besass nicht genügend eigene Jets, um alle Verbindungen zu stemmen, die sie anbieten wollte.Im zweiten AnlaufErst als GP Aviation einen überarbeiteten Flugplan einreichte, gab die Bundesbehörde grünes Licht. Allerdings ist es GP Aviation bis heute nicht erlaubt, mit geleasten – sprich: gemieteten – Flugzeugen in die Schweiz zu fliegen.Für die Schweizer Aviatikszene ist die Airline ein grosses Rätsel. Undurchsichtigkeit scheint Teil des Konzepts der schweizerisch-kosovarischen Airline mit bulgarischem Sitz zu sein. Die Kommunikation mit der Öffentlichkeit ist – bis auf ein einziges Statement gegenüber dem «Blick» – weitgehend inexistent.So ist zum Beispiel unklar, wie das Unternehmen seine Schulden zurückzahlen will. Die Margen auf den von GP Aviation operierten Strecken sind klein, und die Airline gilt als einer der günstigsten Anbieter. Im Preis von oft weniger als 100 Franken pro Strecke ist auch immer das Gepäck inbegriffen.Doch diesen Sommer gab es finanzielle Unterstützung von der kosovarischen Regierung. Im Mai, kurz nachdem der Gründer von GP Aviation festgenommen worden war, sprach sie finanzielle Hilfen für Airlines, welche die kosovarische Diaspora transportieren.Offiziell soll das Steuergeld den Airlines dabei helfen, die hohen Kerosinkosten abzufedern. Anspruch darauf haben alle Fluggesellschaften, welche Routen nach Pristina anbieten. Da GP Aviation dort Marktführerin ist, dürfte sie den grössten Teil der gesprochenen 2 Millionen Euro einstreichen. Das schreibt jedenfalls das regierungskritische Portal «Vox Kosova». Im Volk ist die Massnahme jedoch populär, da sie die Sommerferien verbilligt.Belege für politische Verstrickungen gibt es nicht. Aber die angeblich enge Verbindung des Unternehmens zur Regierung des kosovarischen Ministerpräsidenten Albin Kurti ist im Balkanstaat Tuschelthema. So soll zum Beispiel das Catering-Unternehmen, welches GP Aviation mit Lebensmitteln versorgt, einem Verwandten von Kurtis früherem Stabschef gehören.Auch eine neue Direktverbindung von Pristina in die norwegische Hauptstadt Oslo sorgte diesen Sommer für Aufsehen. GP Aviation fliegt sonst nur Orte an, in denen viele Menschen mit einem kosovarischen Hintergrund leben. Norwegen gehört nicht dazu. Und doch gibt es eine auffällige Verbindung vom Balkanstaat ins skandinavische Land: Die Ehefrau von Albin Kurti ist Norwegerin. Die Pressestelle des Ministerpräsidenten reagiert nicht auf Anfragen zu seiner Verbindung zu GP Aviation.Immerhin scheint die Airline in der Schweiz – anders als in Deutschland – ihre Rechnungen zuverlässig zu bezahlen. Der Flughafen Zürich schreibt, dass die Geschäftsbeziehung zu GP Aviation intakt sei. «Der Flugbetrieb läuft regulär, und GP Aviation kommt ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Flughafen Zürich AG nach.»So oder so steht fest: GP Aviation ist die seltsamste Airline in der Schweiz.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
GP Aviation: Die seltsamste Airline der Schweiz
Die schweizerisch-kosovarische Airline GP Aviation fliegt weiter, als wäre nichts gewesen. Doch nun zeigt sich: Sie ignoriert systematisch Entschädigungen für Passagiere.








