GastkommentarDaniel Weder und Marc BaumgartnerSkyguide – der Kostendruck hat seinen PreisDie Schweizer Flugsicherung Skyguide muss den Airlines, den Passagieren, dem Militär und den hoheitlichen Dienstleistungen gerecht werden. Skyguide braucht zwar tiefgreifende Veränderungen, aber einfache Rezepte sind Teil des Problems.26.06.2026, 05.20 Uhr3 LeseminutenDie Flugsicherung soll durch die Digitalisierung operativ flexibler, effizienter und kostengünstiger werden.Karin Hofer / NZZDie Probleme von Skyguide lassen sich nicht auf zu hohe Kosten reduzieren. Diese Einäugigkeit ist symptomatisch für eine europäische Regulierung, die seit Jahren auf einseitige Anreize setzt. Der Artikel «Brüssel zwingt Skyguide zum Sparen» (NZZ 27. 5. 26) beleuchtet einen wichtigen Aspekt der Lage von Skyguide: den Druck aus Brüssel. Was er dabei ausblendet, ist der Kontext, durch welchen dieser Druck entstanden ist – und die Mitverantwortung jener, die ihn mitgestaltet haben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein kurzer Rückblick: Der einheitliche europäische Luftraum (Single European Sky, SES) wurde 2004 als Antwort auf die notorischen Verspätungen der 1980er Jahre ins Leben gerufen. Die Idee war richtig. Die Umsetzung der Leistungsregulierung – insbesondere ab dem Jahr 2020 – hat jedoch zu einem eklatanten Ungleichgewicht geführt. Der Kostendruck wurde zum zentralen Steuerungsmechanismus, während die Flugsicherungskapazität, die Sicherheit und vor allem die dringend notwendige Modernisierung der Infrastruktur in den Hintergrund gedrängt wurden.Die Folgen sind heute europaweit spürbar: Fluglotsenmangel, abgewürgte Investitionszyklen und eine Verwässerung des geforderten Sicherheitsniveaus durch wenig effektive Zielsetzungen. Die für Airlines und Passagiere so wichtigen Pünktlichkeitsziele wurden in allen bisherigen Referenzperioden krass verfehlt.Der daraus entstandene ökonomische Schaden von geschätzten 2 bis 3 Milliarden Euro pro Jahr übertrifft die Einsparungen der Flugsicherungen bei weitem und wird anhaltend sein. Dabei bleibt anzumerken, dass Skyguide im Gegensatz zu den grossen Nachbarn Deutschland und Frankreich bei der Pünktlichkeit im oberen Luftraum ein guter Leistungsausweis bescheinigt werden kann.Die Schweizer Flugsicherung ist in einer doppelt schwierigen Lage. Einerseits ist sie tatsächlich auch Opfer dieser fehlgeleiteten Regulierung. Die von Skyguide vorangetriebene Virtualisierung der Flugsicherungsinfrastruktur entspricht einem zentralen Ziel der europäischen Innovationsstrategie: die Flugsicherung durch Digitalisierung operativ flexibler, effizienter und langfristig kostengünstiger zu machen.Bei einem technologischen Vorhaben dieser Grössenordnung können Herausforderungen auftreten. Entscheidend ist, die Ursachen transparent und kritisch aufzuarbeiten und die richtigen Lehren daraus zu ziehen. Ebenso kritisch zu hinterfragen ist jedoch, warum die erwähnte Leistungsregulierung mit ihrem starken Fokus auf Kosteneffizienz jene Investitionen und Innovationsrisiken nicht unterstützt, die durch die europäische Innovationsstrategie vorgegeben werden.Andererseits hat Skyguide, wie bereits frühzeitig in verschiedenen Berichten der Eidgenössischen Finanzkontrolle beleuchtet, intern Fehler gemacht, die nicht auf Brüssel abgeschoben werden können. Innovation bedingt Anpassung und Transformation von Prozessen, Strukturen und Führungsverantwortung; Management und Verwaltungsrat haben diese Komplexität unterschätzt. Das Resultat: schwache Governance, fehlende strategische Kontinuität und eine Tendenz zur Ausweitung statt zur Fokussierung auf das Kerngeschäft mit hohen Kostenfolgen.Die im erwähnten NZZ-Beitrag gemachte Empfehlung, die beiden operativen Zentralen Dübendorf und Genf physisch zusammenzulegen, klingt einfach. Sie ist es nicht. Diese Option wurde vor zwölf Jahren eingehend geprüft und bewusst verworfen – zugunsten einer technischen und operativen Integration, die angesichts der seither erfolgten Digitalisierung der Branche richtiger ist denn je und – wie oben erwähnt – der europäischen Innovationsstrategie folgt. Eine physische Zusammenlegung wäre sicher teurer als dargestellt.Die Frage ist, welche Skyguide die Schweiz braucht, damit sie den Airlines, den Passagieren, dem Militär und den hoheitlichen Dienstleistungen im am dichtesten beflogenen europäischen Luftraum gerecht wird. Wir teilen die Einschätzung, dass Skyguide tiefgreifende Veränderungen braucht, aber einfache Rezepte, von aussen formuliert, sind keine Lösung – sie sind Teil des Problems.Daniel Weder war von 2007 bis 2017 CEO von Skyguide und u. a. Mitglied des Performance Review Body der EU-Kommission; Marc Baumgartner ist ehemaliger Präsident des Internationalen Dachverbands der Flugverkehrsleiterverbände (IFATCA) und war ebenfalls Mitglied des Performance Review Body der EU-Kommission sowie Fluglotse bei Skyguide.Passend zum Artikel
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