Wegen wiederholter Pannen: Swiss will gegen Flugsicherung Skyguide vorgehenDieses Jahr musste Skyguide wegen Softwareproblemen drei Mal den Flugverkehr einschränken. Nun prüft die Swiss eine Forderung nach Schadenersatz – gestützt auf ein Gerichtsurteil der EU.08.07.2026, 11.46 Uhr4 LeseminutenEin Mitarbeiter von Skyguide überwacht am Flughafen Zürich das Rollfeld, auf dem eine Maschine der Swiss bereitsteht.GAETAN BALLY / KEYSTONEDie Schweizer Flugsicherung Skyguide hat im laufenden Jahr mit einer beispiellosen Pannenserie für Schlagzeilen gesorgt. Im Januar führten Softwareprobleme in Genf zu Einschränkungen, im Mai folgten Kapazitätsdrosselungen in Zürich. Den letzten Totalausfall gab es am 21. Juni, während der Konferenz zwischen den USA und dem Iran auf dem Bürgenstock. Ein kurzfristiges Update blockierte Radarbilder, worauf Skyguide eine sofortige Startsperre für den zivilen Verkehr verhängte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Störungen treffen eine Fluggesellschaft besonders hart: die Swiss. Zürich ist ihr Drehkreuz, hier landen und starten jeden Tag Dutzende Maschinen mit dem Schweizerkreuz am Heck. Nun ist der Fluggesellschaft der Kragen geplatzt. Sie prüft Schadenersatzforderungen gegenüber der Flugsicherung, wie Skyguide-Chef Peter Merz kürzlich in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» einräumen musste. Eine Sprecherin der Swiss bestätigt dies gegenüber der NZZ.Neues Urteil aus der EUHintergrund der möglichen Forderungen von Swiss an Skyguide ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Februar 2026. Die Luxemburger Richter entschieden: Die europäischen Gesetze schützen auch die wirtschaftlichen Interessen der Fluggesellschaften, wenn es bei den Flugsicherungen zu Ausfällen kommt.Über das bilaterale Luftverkehrsabkommen mit der EU ist diese Regelung auch für die Schweiz relevant. «Uns ist das Urteil bekannt», bestätigt die Swiss-Sprecherin. «Aktuell analysieren wir, ob und inwieweit Ereignisse wie der jüngste IT-Ausfall darunter fallen».Der Ärger der Swiss ist verständlich. Selbst kurze Unterbrüche des Flugbetriebs bringen ihren eng getakteten Flugplan aus dem Gleichgewicht. Im Durchschnitt startet fast alle dreieinhalb Minuten irgendwo auf der Welt ein Swiss-Flugzeug. Beim Vorfall vom 21. Juni musste die Fluggesellschaft am Drehkreuz Zürich 14 Flüge annullieren. 1750 Passagiere waren direkt betroffen. Hinzu kamen zahlreiche Flugverspätungen.«Die Sperrung des Luftraums hat unseren Flugbetrieb spürbar beeinträchtigt und den operativen Ablauf deutlich unter Druck gesetzt», bestätigt die Swiss-Sprecherin. Für die Passagiere bedeutete die Störung verpasste Anschlüsse, längere Reisezeiten und die kurzfristige Umplanung ihrer Reisen. Spezialisierte Teams müssen unter hohem Zeitdruck Flugzeuge und Crews neu disponieren, Flugpläne anpassen und alternative Reisemöglichkeiten organisieren.Mehrkosten für die SwissNeben diesem logistischen Koordinationsaufwand entstehen der Fluggesellschaft auch Mehrkosten für die Betreuung und Umbuchung von Passagieren. Wie hoch diese sind und welche Schadenersatzforderung an Skyguide genau gestellt werden könnte, will die Swiss-Sprecherin nicht offenlegen.Eine Sprecherin von Skyguide sagt, man nehme zur Kenntnis, dass die Swiss diese Frage prüfe. Das Verdikt des EuGH stelle allerdings keinen Präzedenzfall im engeren Sinne dar und schaffe kein automatisches Recht auf Schadenersatz. Nun müssten nationale Gerichte klären, wofür die nationalen Flugsicherungsgesellschaften bei Ausfällen konkret haften. Andere Fluggesellschaften haben bisher keine Forderungen an Skyguide gestellt, wie die Sprecherin weiter sagt.Klar ist aber: Das Verdikt des europäischen Gerichtshof hat weitreichende Folgen. «Es wirft für uns wichtige Fragen auf», sagt die Skyguide-Sprecherin. Bisher sah die Gesetzgebung nämlich keine Regressforderungen von Airlines gegen Flugsicherungen vor. Diese Grundregel sorgte dafür, dass die Sicherheit jederzeit über finanzielle Aspekte gestellt wird. «Entscheide über die Reduktion von Kapazitäten müssen sich immer nach der Sicherheit richten und dürfen nicht von der Angst vor möglichen finanziellen Forderungen geprägt sein», erklärt die Skyguide-Sprecherin.Diese Praxis hat sich nun geändert. Die Folgen für Skyguide könnten einschneidend sein, weil das Unternehmen nicht nur beim jüngsten, sondern auch bei weiteren Ausfällen zur Kasse gebeten werden könnte. Die juristische Prüfung bei der Swiss ist zwar noch nicht abgeschlossen. «Vor dem Hintergrund des jüngsten EuGH-Urteils können Schadenersatzansprüche künftig aber ein Thema werden», bestätigt die Swiss-Sprecherin.Teuerste Flugsicherung EuropasDie Swiss kritisiert aber nicht nur die Pannenserie bei Skyguide. Bei der Schweizer Flugsicherung bestehe generell deutliches Potenzial für mehr Effizienz und Flexibilität, sagt die Swiss-Sprecherin. Die Swiss erwarte, «dass die Qualität und die Leistungen der Flugsicherung in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten stehen».Damit spricht sie den Umstand an, dass Skyguide zwar die teuerste Flugsicherung Europas ist, zuletzt aber vor allem durch technische Instabilität auffiel. Auch die EU fordert von Skyguide seit Jahren eine deutliche Senkung ihrer Flugsicherungsgebühren.Die Skyguide-Sprecherin wirbt um Verständnis. Skyguide überwache einen der komplexesten Lufträume Europas. «Das prägt auch die Kosten». Gleichzeitig sehe die Skyguide-Führung aber klar, dass das Unternehmen effizienter werden müsse. Skyguide habe in den vergangenen Jahren stark in Innovation investiert. Nun zeige sich, «dass wir die Balance zwischen Innovation und der Stabilität unserer bestehenden Systeme neu justieren müssen.»Bei der Lösung dieser Aufgabe soll ein bereits angestossenes Effizienzprogramm helfen. Mit ihm will sich die Schweizer Flugsicherung auf ihre Kernaufgabe fokussieren und Strukturen vereinfachen. Um die Kosten zu senken, hat das Management den Abbau von 220 Stellen angekündigt.Passend zum Artikel
Nach Pannenserie: Swiss prüft Schadenersatz-Forderung gegen Skyguide
Dieses Jahr musste Skyguide wegen Softwareproblemen drei Mal den Flugverkehr einschränken. Nun prüft die Swiss eine Forderung nach Schadenersatz – gestützt auf ein Gerichtsurteil der EU.






