Vor vielen tausend Teilnehmern haben die Piusbrüder am Mittwoch vier Priester ihrer Gemeinschaft in der Schweiz zu Bischöfen geweiht – gegen das ausdrückliche Verbot von Papst Leo XIV. Damit sind bisherige wie neue Bischöfe laut dem Kirchenrecht automatisch exkommuniziert, also aus der katholischen Kirchengemeinschaft ausgeschlossen.Der Vatikan und auch Leo XIV. hatten die Bruderschaft bis zuletzt gewarnt. Leo bat sie, „das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken“. Denn durch den schismatischen Akt der Weihe würden sie ihre Anhänger des „Empfangs der Sakramente berauben“. Der Papst würdigte aber ihre große Verbundenheit mit der Liturgie, ihr Engagement in der Priesterausbildung und ihren „Wunsch nach Treue zur Tradition“.Wer sind die Piusbrüder?Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. ist nach Papst Pius X. benannt, der während seines Pontifikats von 1903 bis 1914 als „konservativer Reformer“ die Weltkirche mittels Rückbesinnung auf ihre Traditionen gegen die Einflüsse der Moderne zu wappnen versuchte. 1954 wurde Pius X. von Papst Pius XII. heiliggesprochen. 1970 gründete der französische Erzbischof Marcel Lefebvre dann die „Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X“ (FSSPX), wie die Priesterbruderschaft auf Lateinisch heißt. Lefebvre und seine erzkonservativen Mitstreiter lehnten – und lehnen – wesentliche Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils, das von 1962 bis 1965 dauerte, ab. Sie halten sie für einen modernistischen Irrweg und eine quasi-protestantische Aufweichung der dogmatischen und liturgischen Grundlagen der Weltkirche.Warum stehen die Piusbrüder mit dem Vatikan im Konflikt?Die Piusbruderschaft betrachtet sich selbst als treuen Bestandteil der Weltkirche und in Einheit mit dem Papst. Sie lehnt aber unter anderem das Bekenntnis zur Religionsfreiheit, das mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil kam, ab. Ebenso weist sie die Bereitschaft zum ökumenischen Dialog mit anderen christlichen Konfessionen und Religionen sowie die neue Form der Liturgie unter maßgeblicher Verwendung der jeweiligen Landessprache zurück. Die Piusbrüder zelebrieren die Messe nach dem vorkonziliaren Messbuch von 1962 und ausschließlich in lateinischer Sprache. Der Priester bleibt stets dem Altar zugewandt und kehrt den Gläubigen den Rücken zu.Wie geht der Vatikan mit den Piusbrüdern um?Der Vatikan verfolgt gegenüber den Piusbrüdern eine Art Schaukelpolitik. Auf Phasen von Dialog und Versöhnungsangeboten folgen Strafmaßnahmen und konfrontatives Schweigen, für das sich beide Seiten gegenseitig verantwortlich machten. Seit 1975 hat die FSSPX keinen kanonischen Status in der Weltkirche mehr. Ihre Priesterseminare und pädagogischen Einrichtungen, ihre Priorate und Kapellen werden vom Vatikan aber geduldet und damit faktisch anerkannt.1988 kam es zum bisher tiefsten Bruch, nachdem Lefebvre im internationalen Priesterseminar im Schweizer Ort Écône ohne die Erlaubnis Roms vier Bischöfe geweiht hatte. Noch am selben Tag verkündete Papst Johannes Paul II. die Exkommunikation als Tatstrafe für Lefebvre und die vier Bischöfe.Papst Benedikt XVI. hob während einer Phase der Annäherung 2009 den Kirchenausschluss der vier Bischöfe wieder auf. Für Lefebvre erlosch die Strafe der Exkommunikation mit seinem Ableben im Jahre 1991. Das Gleiche gilt für die zwei 2024 und 2025 verstorbenen Bischöfe, die Lefebvre geweiht hatte. An diesem Morgen verfügte die Piusbruderschaft noch über zwei von Lefebvre unerlaubt geweihte Bischöfe, den Spanier Alfonso de Galarreta (Jahrgang 1957) und den Schweizer Bernard Fellay (Jahrgang 1958).Warum kommt es jetzt zu einer neuen Eskalation?Der seit 2018 amtierende FSSPX-Generalobere, der italienische Pater Davide Pagliarani, sowie weitere führende Vertreter der Priesterbruderschaft argumentieren, die Gemeinschaft brauche neue Bischöfe, um die wachsende Zahl der FSSPX-Priesteranwärter zu weihen und die weltweit 600.000 bis 800.000 Anhänger der Bruderschaft geistlich zu führen. Im Februar kündigte Pagliarani die Bischofsweihe für den heutigen Mittwoch an. Die Bischofskandidaten sind der 53 Jahre alte Schweizer Pascal Schreiber, der seit 2020 Regens des FSSPX-Priesterseminars in Zaitzkofen in der Oberpfalz ist, der 45 Jahre alte US-Amerikaner Michael Goldade, der seit 2023 das Priesterseminar der Gemeinschaft im US-Bundesstaat Virginia leitet, der 42 Jahre alte Franzose Michel Poinsinet de Sivry, der seit 2022 Distriktoberer der FSSPX für Benelux ist, sowie der gleichfalls aus Frankreich stammende Marc Hanappier (Jahrgang 1990), der an dem von Goldade geleiteten Seminar in Dillwyn (Virginia) Metaphysik und Dogmatik lehrt.Wer ist jetzt (wieder) exkommuniziert? Sowohl die vier frisch geweihten FSSPX-Bischöfe als auch den Konsekratoren de Galarreta und Fellay wurden angesichts des unmissverständlichen Verbots der Bischofsweihe durch das vatikanische Glaubensdikasterium und durch Papst Leo XIV. automatisch exkommuniziert – abermals im Falle der Bischöfe de Galarreta und Fellay. In einem Schreiben vom Dienstag hatte Papst Leo die Piusbruderschaft ein letztes Mal aufgerufen, „das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken“ und vom schismatischen Akt der unerlaubten Bischofsweihe abzusehen.Wie bedeutsam ist die Piusbruderschaft?Die FSSPX sieht sich selbst als Speerspitze für die geistliche Erneuerung der Weltkirche im Geiste von deren jahrtausendealter Tradition. Sie verweist darauf, dass sie in 77 Ländern der Welt vertreten ist, bis zur Weihe über zwei Bischöfe, 733 Priester, 264 Seminaristen und 145 Brüder, über 250 Nonnen und 88 Oblaten aus insgesamt 50 Nationen verfügt. Zudem betreibt sie in aller Welt fünf Priesterseminare, 94 Schulen und 184 Häuser und verfügt über 798 Kapellen und Einrichtungen zur Feier der Heiligen Messe.Innerhalb der Weltkirche mit ihren gut 1,4 Milliarden Gläubigen und rund 407.000 Priestern ist die FSSPX zahlenmäßig eine vernachlässigbare Größe. Sie wächst in Europa und Nordamerika aber überproportional und verfügt über eine effiziente Kommunikationsstrategie. Konservative Bischöfe und Kardinäle der Weltkirche unterstützen die FSSPX faktisch. Die Weihe von Priestern der FSSPX durch deren Bischöfe gilt aus Sicht des Vatikans zwar als unrechtmäßig, aber als gültig. Damit gelten auch die von FSSPX-Priestern gespendeten Sakramente als gültig.
Piusbrüder trotzen Papst Leo XIV. und weihen Bischöfe
Damit sind bisherige wie neue Bischöfe automatisch aus der katholischen Kirchengemeinschaft ausgeschlossen. Was Sie zu dem Ereignis wissen müssen.












