PfadnavigationHomePolitikAuslandBruch mit dem PapstPiusbruderschaft hält verbotene Bischofsweihen ab – automatische ExkommunikationStand: 12:18 UhrLesedauer: 3 MinutenDie Priester werden in Ecône im Rahmen einer von der Priesterbruderschaft St. Pius X. organisierten Pontifikalmesse zum Bischof geweihtQuelle: Cyril Zingaro/KEYSTONE/dpaDie Piusbruderschaft hat trotz der Warnung des Papstes vier neue Bischöfe geweiht und damit einen offenen Bruch mit Rom vollzogen. In Écône feierten Tausende die Zeremonie.Trotz eindringlicher Warnungen des Vatikans hat die erzkonservative Piusbruderschaft eine von Papst Leo XIV. verbotene Bischofsweihe vollzogen. Bei einer auf Lateinisch abgehaltenen Messe in Écône in der Schweiz legte Bischof Alfonso de Galarreta am Mittwoch den vier neuen Bischöfen seine Hand auf und übertrug ihnen damit gemäß der christlichen Überlieferung den Heiligen Geist. Der Papst hatte am Dienstag an die Priesterbruderschaft St. Pius X., wie die Gruppe offiziell heißt, appelliert, die Zeremonie abzusagen. Denn diese stelle einen Bruch mit der katholischen Kirche dar und werde die sofortige Exkommunikation der beteiligten Bischöfe zur Folge haben.Lesen Sie auchDoch die Traditionalisten ließen sich nicht von ihren Plänen abbringen. Ein Mitglied der Bruderschaft bezeichnete die Bischofsweihe zum Auftakt der Messe am Mittwoch als notwendige Verteidigung des Glaubens und kritisierte, wie sehr die katholische Kirche heute von der Tradition abgewichen sei. „Daher betrachten wir es vor Gott als heilige Pflicht gegenüber der Heiligen Kirche und gegenüber den Seelen, mit der Weihe von Bischöfen fortzufahren, die ihrer heiligen Tradition und ihrem beständigen Lehramt vollkommen treu sind“, sagte der Priester. „Wir betrachten jede Strafe und jeden Tadel, die gegen diesen Schritt verhängt werden, als ungültig.“Tausende Menschen – gläubige Katholiken, die die traditionelle lateinische Messe den modernen Liturgien vorziehen – füllten in Écône eine Wiese, als sich eine Prozession der Priester unter einem wolkenverhangenen Himmel dem Altar näherte. Die Messe wurde live auf dem YouTube-Kanal der Bruderschaft übertragen. Feierstimmung trotz harscher KonsequenzenNach dem Kirchenrecht zieht die Weihe eines Bischofs ohne päpstliches Mandat die schwerste Strafe in der katholischen Kirche nach sich: die automatische Exkommunikation der neuen Bischöfe sowie des Bischofs, der den Ritus vollzogen hat. Zudem handelt es sich nach Auffassung des Vatikans um einen schismatischen Akt, also um einen vorsätzlichen Bruch der Einheit der katholischen Kirche.Lesen Sie auchDennoch wirkte die Zeremonie am Mittwoch beinahe wie ein Volksfest. Auf einer Website lief bereits seit Tagen eine Countdown-Uhr bis zur Bischofsweihe. Videoclips zeigten Seminaristen, die fröhlich Kisten ausluden. Die Teilnehmer erhielten eine Baseballkappe mit dem Logo „Econe2026“.Auf dem Feld posierten lächelnde Nonnen und Priester für Fotos, Pfadfinderinnen verteilten Wasserflaschen und Sicherheitskräfte hielten Journalisten auf Abstand. Morgennebel hüllte die nahegelegene Rhône ein, die sich durch das Alpental schlängelt, während die Gläubigen in Scharen herbeiströmten.Lesen Sie auchDie Piusbruderschaft ist überzeugt, dass sie allein die kirchliche Tradition und den katholischen Glauben bewahrt, und sieht deshalb auch die Gefahr der Exkommunikationen und eines Schismas nicht als relevant an. „Wir fürchten das nicht. Es schmerzt uns unermesslich, aber wir glauben, dass das Gute, das wir anstreben, größer ist als der Schmerz, der uns zugefügt wird“, sagte Marc-André Mabillard, ein Sprecher der Bruderschaft.In einer verspäteten Antwort auf das Warnschreiben des Papsts vom Dienstag forderte der Oberste der Piusbruderschaft, Pfarrer Davide Pagliarani, Leo auf, mit der Verhängung einer Strafe noch zu warten.Der französische Erzbischof Marcel Lefebvre hatte die ultratraditionalistische Piusbruderschaft 1970 als Gegenbewegung zu den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ins Leben gerufen, die die Kirchenliturgie zeitgemäßer machen sollten. AP/nw