Die Kirchenspaltung war im Livestream zu verfolgen: Die katholische Priesterbruderschaft St. Pius X. hat am Mittwoch im schweizerischen Écône vier Priester aus ihren Reihen zu Bischöfen geweiht und damit gegen ein unmissverständliches Verbot von Papst Leo XIV. verstoßen. Damit sind alle Bischöfe der erzkonservativen Priesterbruderschaft automatisch aus der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert.Erfüllt von christlicher Liebe bitte ich euch und ersuche euch von ganzem Herzen: Kehrt um!Papst Leo XIV. am Tag vor der BischofsweiheVon Weitem sieht die Veranstaltung aus wie ein Musikfestival: In den Hügeln des Wallis steht ein weißes Zelt und davor knien und sitzen, auf den Wiesen verteilt, Tausende Zuschauer und verfolgen das Geschehen auf großen Bildschirmen. In vier Sprachen wird das Ereignis im Livestream übertragen. Im Zelt selbst wohnen fast nur Priester der Weihe bei. Die vier Bischofskandidaten liegen in Spitzengewändern, violetten Strümpfen und weißen Schuhen vor dem Altar auf dem Boden, während die Gemeinschaft die Allerheiligen-Litanei singt.Gläubige verfolgen, wie die vier Priester der Piusbruderschaft am Mittwoch im schweizerischen Écône die Bischofsweihe empfangen. Cyril Zingaro/KEYSTONE/dpaNoch am Dienstag hatte Papst Leo XIV. die Piusbruderschaft eindringlich aufgerufen, die Bischofsweihe zu unterlassen. Aus Sicht Roms ist sie nicht rechtmäßig. An den Generaloberen der traditionalistischen Bruderschaft, Davide Pagliarani, schrieb der Pontifex: „In diesem Geist und erfüllt von christlicher Liebe bitte ich euch und ersuche euch von ganzem Herzen: Kehrt um!“, so Leo XIV. Eine Weihe wäre ein „schismatischer Akt“, also eine Abspaltung von der katholischen Kirche. Diese stelle eine „Sünde von äußerster Schwere“ dar. Zwar steht eine Reaktion des Papstes noch aus, aber kirchenrechtlich zieht die Weihe den sofortigen Ausschluss aus der Gemeinschaft nach sich.Seit vielen Jahrzehnten schwelt der Konflikt zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und dem Vatikan. Konkret geht es darum, dass die Piusbrüder zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ablehnen – darunter die Idee der Religionsfreiheit, die Ökumene und das moderne Kirchenverständnis, wonach die katholische Kirche eine „Gemeinschaft der Gläubigen“ von Priestern und Laien ist. Auch lehnen die Piusbrüder die Liturgiereformen ab: Seit dem Zweiten Vatikanum wird die Messe in der jeweiligen Landessprache gefeiert und nicht mehr auf Latein, und der Priester zelebriert auch nicht mehr mit dem Rücken zu den Gläubigen.Der Piusbrüder-Bischof Richard Williamson leugnete den Holocaust und die Existenz der GaskammernGegründet wurde die Bruderschaft im Jahr 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991), die Piusbrüder verstehen sich als Bewahrer der Tradition der „Heiligen Römischen Kirche“. Es ist nicht das erste Mal, dass die Piusbrüder exkommuniziert wurden. Schon 1988 schloss Rom Lefebvre und seine Mitstreiter wegen der unerlaubten Weihe von Priestern zu Bischöfen aus, bereits 1975 hatten sie ihm die kirchenrechtliche Zulassung entzogen.Eine Nonne im Auditorium hält ein Buch über Bischofsweihen in der Hand. FABRICE COFFRINI/AFPPapst Benedikt XVI. bemühte sich dann wieder um einen Annäherungskurs an die traditionalistische Bruderschaft. 2007 ließ er die alte lateinische Messe wieder zu und hob 2009 als Versöhnungsgeste die Exkommunikation der Bischöfe auf. Fast gleichzeitig wurde damals das Fernsehinterview eines Bischofs der Piusbrüder öffentlich. Der Brite Richard Williamson hatte darin die Verbrechen des Holocaust und die Existenz der Gaskammern geleugnet. Trotz der Aufforderung Roms zog Williamson seine Aussagen damals nicht zurück, Benedikts Ruf war beschädigt. 2012 schlossen die Piusbrüder Williamson aus ihren Reihen aus, er wurde später wegen Volksverhetzung verurteilt.Auch in Deutschland gibt es PiusbrüderKurz vor der Weihe am Mittwoch hatte der Generalobere Pagliarani dem Papst schriftlich geantwortet und ihm die kirchliche Autorität abgesprochen: Da Rom seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von einem Geist beseelt sei, der der „wahren Tradition der Kirche“ entgegenstehe, besäßen auch die Strafen keine Gültigkeit.Weltweit gehören heute rund 700 Priester der Piusbruderschaft an, die meisten davon in Frankreich und Nordamerika. Zu Bischöfen geweiht wurden jetzt ein Schweizer, ein US-Amerikaner und zwei Franzosen. Auch in Deutschland sind die Piusbrüder vertreten, in Zaitzkofen im Landkreis Regensburg betreiben sie ein Priesterseminar. Der Regens des Priesterseminars, der Schweizer Pascal Schreiber, gehört zu jenen jetzt geweihten Bischöfen.
Piusbrüder fliegen nach Warnung von Papst Leo XIV. aus der katholischen Kirche
Der Papst hatte ihnen die Bischofsweihe verboten, sie zogen es trotzdem durch. Was an den Brüdern problematisch ist.










