InterviewSchweizer Small und Mid Caps könnten nach Jahren des Gegenwinds vor einer starken Wachstumsphase stehen. Thomas Funk, Fondsmanager bei GAM Investments, ist optimistisch für die Gesundheitswerte Galderma und Bachem sowie die Halbleiterunternehmen VAT und Comet. Auch bei ausgewählten Industrietiteln sieht er Überraschungspotenzial.Ein starker Franken, eine schwache Industriekonjunktur und immer wieder nach unten revidierte Gewinnschätzungen haben viele Schweiz Small und Mid Caps an der Börse unter Druck gesetzt. Zudem prägten quantitative Anlagestrategien die Kursentwicklungen, wie Thomas Funk, der den GAM-Fonds Swiss Sustainable Small & Mid Cap Equity leitet, im Gespräch mit The Market ausführt. Doch bald könnte dieser Negativzyklus seinem Ende entgegengehen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Fondsmanager sieht zahlreiche Unternehmen an einem Wendepunkt: Während sich Anleger vor allem auf Währungseffekte und die schwache Konjunktur konzentrierten, hätten viele Gesellschaften die Schwächephase genutzt, um ihre Profitabilität zu verbessern. Viele hätten Marktanteile gewonnen und ihre Wettbewerbsposition ausgebaut. Das werde sich nun auszahlen.Sollte sich die Industrie weiter erholen und die Gewinnrevisionen erstmals wieder nach oben drehen, könnte dies sogar eine starke Aufholphase für Schweizer Small und Mid Caps einläuten. Besonders überzeugt ist Funk von den Gesundheitsspezialisten Straumann, Galderma und Bachem sowie den Halbleiterunternehmen VAT und Comet. Auch Industriefirmen wie Bossard oder Georg Fischer traut er zu, die Anleger positiv zu überraschen.Thomas Funk ist Fondsmanager des GAM Swiss Sustainable Small & Mid Cap Equity.Quelle: GAMHerr Funk, das Marktumfeld wirkt derzeit ausgesprochen undankbar. US-Zölle, geopolitische Konflikte, der Wechsel an der Fed-Spitze und die Dominanz der grossen US-Technologiewerte bestimmen die Schlagzeilen. Können Schweizer Small und Mid Caps in einem solchen Umfeld überhaupt ihre Stärken ausspielen?Auf jeden Fall. Aktuell sind die Kursentwicklungen allerdings stark von quantitativen Anlagestrategien geprägt. Viele dieser Modelle folgen ähnlichen Signalen wie Momentum oder Trendstärke und erzeugen dadurch über längere Zeiträume vergleichbare Handelsmuster. Das kann dazu führen, dass Aktienkurse von Unternehmen mit sehr unterschiedlichen operativen Perspektiven im Gleichschritt steigen oder fallen. Die vergangenen drei bis vier Jahre haben gezeigt, dass sich die Börsenentwicklung einzelner Unternehmen zeitweise deutlich von deren fundamentaler Geschäftsentwicklung entkoppeln kann.Können Sie ein Beispiel nennen?Nehmen wir das Medtech-Unternehmen Medacta, das auf Hüft-, Schulter- und Knieimplantate spezialisiert ist. Das sind attraktive Nischen. Medacta profitiert von langfristigen Trends wie der alternden Bevölkerung und dem weltweit steigenden Bedarf an orthopädischen Eingriffen, die von den Krankenkassen erstattet werden. Die Nachfrage ist weitgehend unabhängig vom Konjunkturzyklus. Trotzdem zeigen die Aktien teilweise ein Kursverhalten, das eher an eine zyklische Industrieaktie erinnert. Hier sehen wir einen Hinweis darauf, dass quantitative Strategien den Markt prägen.Und abgesehen von den quantitative Strategien, was treibt Schweizer Small und Mid Caps?Natürlich die Fundamentaldaten. Nach Jahren mit Währungsdruck, schwacher Industrie und sinkenden Gewinnerwartungen sind viele Qualitätsunternehmen heute günstig bewertet. Gleichzeitig haben sie die schwierige Zeit genutzt, um effizienter, innovativer und wettbewerbsfähiger zu werden. Solche Phasen sind oft Vorboten einer neuen Entwicklung. Drehen die Gewinne wieder nach oben, könnten die Märkte das Potenzial dieser Unternehmen neu entdecken. Die Voraussetzungen für eine solche Aufholphase sind so gut wie lange nicht mehr.Auf welche Unternehmen trifft dies zu?Bei Industrieunternehmen wie Bossard wird oft unterschätzt, was in einer schwachen Marktphase passiert. Gute Unternehmen schlafen nicht, sondern gewinnen Marktanteile, akquirieren und bauen ihre Marktposition systematisch aus. Wenn die Nachfrage zurückkehrt, zeigt sich plötzlich, dass die Firma auf einer deutlich grösseren Basis steht und der Gewinn überproportional wachsen kann.Gibt es weitere Beispiele?Georg Fischer etwa hat in den vergangenen Jahren unter der schwachen Industriekonjunktur und den rückläufigen Einkaufsmanagerindizes gelitten und wurde deshalb vom Markt mit Bewertungsabschlägen versehen. Bei einer konjunkturellen Erholung könnte das Unternehmen überdurchschnittlich von steigenden Gewinnen und einer Neubewertung an der Börse profitieren.Viele Anleger bleiben trotzdem vorsichtig angesichts der geopolitischen Unsicherheiten. Ist jetzt wirklich ein guter Zeitpunkt, investiert zu sein?Ja. Investiert sein und investiert bleiben ist entscheidend. In den Schlagzeilen dominiert gegenwärtig viel Pessimismus. Genau dann entstehen oft attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Bewertungen fallen nicht, wenn die Sonne scheint. Sie fallen, wenn die Unsicherheit gross ist. Gut geführte Unternehmen entwickeln sich als erste positiv, wenn das Umfeld wieder besser wird.Welche Rolle spielt in Ihrem Szenario der starke Franken?Für Schweizer Unternehmen reicht es nicht, in lokalen Währungen zu wachsen. Entscheidend ist, dass die Gewinne auch in Franken steigen. Wenn der Franken aufwertet, kann ein Unternehmen in den lokalen Märkten zwar hervorragend wachsen, für den Schweizer Investor kommt davon aber oft wenig an. Deshalb braucht es differenzierte Produkte, Innovationskraft und eine konsequente Preisstrategie. Wenn ich eine Kritik anbringen darf – es braucht bei den Schweizer Firmen mehr Fokus, den Gewinn in Franken zu steigern, die Marktkapitalisierung ist ja auch in Franken. Sonst kommen deren Aktien nicht vom Fleck.Ein Bereich, der aktuell viel Aufmerksamkeit erhält und Investorengeld anzieht, ist das Thema künstliche Intelligenz (KI). Stehen wir erst am Anfang des Aufstiegs oder schon am Ende einer Übertreibung?Wir stehen am Anfang. Die Diskussion über neuronale Netze gibt es zwar seit Jahrzehnten. Neu ist die breite Anwendung in den Unternehmen. Heute beobachten wir, wie Agentensysteme und KI-Anwendungen in Geschäftsprozesse integriert werden. Unternehmen beginnen erstmals ernsthaft zu diskutieren, welche Budgets dafür bereitgestellt werden und welche Produktivitätsgewinne sich erzielen lassen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Es geht nicht mehr um Visionen, sondern um konkrete Umsetzung. Die Adaption beginnt gerade erst.Davon profitieren in der Schweiz die Halbleiterwerte wie VAT oder Comet. Beide gehören seit langem zu den grössten Positionen in Ihrem Fonds. Gerade VAT ist zuletzt sehr gut gelaufen. Ist da nicht schon viel Zukunft eingepreist?Nein. Beide Titel sind lange hinter den grossen US-Halbleiterwerten zurückgeblieben. Erst als sichtbar wurde, dass die Nachfrage im Zuge des KI-Booms auch bei den Ausrüstern und Zulieferern anzieht, haben die Aktien kräftig aufgeholt. Wir glauben aber nicht, dass das bereits das Ende der Bewegung ist. VAT und Comet stehen exemplarisch für die nächste Investitionswelle rund um KI und Halbleiter. Der aktuelle Aufschwung markiert aus unserer Sicht den Beginn eines langfristigen strukturellen Wachstumszyklus.Die anderen beiden starken Mid Caps, die auch vom KI-Trend profitieren, die Klimaspezialistin Belimo und der Turbohersteller Accelleron, sind dagegen nicht im Fonds vertreten. Warum?Wir können nicht alle KI-Profiteure gleichzeitig im Portfolio halten. Wenn zu viele Positionen vom selben Thema abhängen, steigen die Korrelationen und damit das Risiko. Belimo und Accelleron sind gute Unternehmen, aber am Ende geht es nicht nur um die Auswahl einzelner Titel, sondern auch um eine ausgewogene Portfoliokonstruktion.Dagegen setzen Sie mit Galderma, Sandoz, Straumann und Bachem aber stark auf den Gesundheitssektor.Straumann ist ein Beispiel dafür, wie sich operative Stärke und Börsenwahrnehmung derzeit auseinanderentwickeln. Während der Markt vor allem auf Währungseffekte und Gewinnrevisionen blickt, verbessert das Unternehmen seine Profitabilität deutlich, wie die jüngste positive Gewinnwarnung unterstrichen hat. Sollte der Gegenwind durch den Franken nachlassen, könnten sich diese Fortschritte künftig noch stärker in Gewinn und damit auch im Aktienkurs niederschlagen.Was überzeugt Sie an Galderma?Galderma wächst aus eigener Kraft sehr dynamisch und verfügt über eine aussergewöhnlich starke globale Vertriebsplattform. Das Unternehmen hat über Jahre ein leistungsfähiges Netzwerk im Bereich Dermatologie aufgebaut. Wenn ein Unternehmen einen solchen Vertriebskanal hat, kann es neue Produkte sehr effizient und rasch in den Markt bringen. Das ist ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil.Auch die kleinere Bachem zählt zu Ihren starken Positionen. Viele Anleger verbinden das Unternehmen vor allem mit dem GLP-1-Markt. Lauert hier ein Klumpenrisiko?Nein. Denn Peptide werden künftig in vielen therapeutischen Bereichen eine wichtige Rolle spielen. Der Bedarf an Bachems Peptidwirkstoffen, aus denen die Abnehmmedikamente hergestellt werden, steigt zudem erheblich, wenn orale Anwendungen stärker an Bedeutung gewinnen. Für eine Tablettentherapie sind deutlich grössere Wirkstoffmengen nötig als für Injektionen. Wir sehen die Kapazitätsauslastung bei Bachem daher grundsätzlich positiv. Die zentrale Herausforderung lautet derzeit eher, ob das Unternehmen die allgemein hohe Nachfrage vollständig bedienen kann.Welche Risiken sollten Anleger derzeit besonders im Auge behalten?Im Moment läuft in den USA eine grössere handelspolitische Untersuchung zu möglichen Zöllen auf Ländern, die Zwangsarbeit einsetzen. Dazu zählt gemäss US-Regierung auch die Schweiz. Diese Verfahren gehen jetzt in eine entscheidende Phase. Die Kommentierungsfrist endet um den 6./7. Juli. Danach veröffentlicht der US-Handelsbeauftragte einen Bericht, der die Grundlage für mögliche Massnahmen wie selektive Zölle auf einzelne Länder oder Sektoren bilden kann. Das kann erneute handelspolitische Unsicherheit auslösen.Wie lautet Ihr langfristiger Ausblick für Schweizer Small und Mid Caps?Die Ausgangslage ist besser, als es die Stimmung vermuten lässt. Viele Unternehmen haben mehrere schwierige Jahre hinter sich. Gleichzeitig haben sie ihre Geschäftsmodelle geschärft, Marktanteile gewonnen und die Profitabilität verbessert. Wenn die Währungsbelastung nachlässt und die Gewinnschätzungen erstmals wieder nach oben statt nach unten revidiert werden, könnte das den Startschuss für eine starke Aufholphase bei Schweizer Small und Mid Caps geben. Anleger müssen bis dahin allerdings noch etwas geduldig sein.Zur PersonThomas Funk ist seit 2005 bei GAM, wo er den Swiss Sustainable Small & Mid Cap Equity Funds leitet. Bevor Funk zu GAM stiess, betreute er vier Jahre den Swiss Small Stocks Fund der Bank Hofmann, einer Tochter der Credit Suisse. Zuvor arbeitete er für die Bank für Handel und Effekten. Funk hat an der Universität Bern Wirtschaftswissenschaften studiert (lic.rer.pol) und ist CFA Charterholder.
«Bossard wird oft unterschätzt»
Thomas Funk: Schweizer Small und Mid Caps könnten vor einer starken Wachstumsphase stehen. Optimistisch ist der GAM-Fondsmanager für Galderma, Bachem und VAT.








