Hinter der Headline
Gemäss der monatlichen Befragung von Bank of America haben professionelle Anleger ihre Aktienquote kräftig aufgestockt. Die Rezessionsgefahr stufen sie als gering ein, die Strasse von Hormuz dürfte bald geöffnet werden und die Unternehmensgewinne auch künftig sprudeln. Die Bären kapitulieren. Obschon der Krieg im Nahen Osten weiter schwelt und die für die weltweite Energieversorgung kritische Strasse von Hormuz nach wie vor gesperrt bleibt, sind die Marktteilnehmer in Festlaune. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts, die durch den derzeitigen Waffenstillstand genährt wird, und vor allem die Berichtssaison für das erste Quartal sorgten für neuen Schub an den Börsen. Im Fokus standen Konzerne aus dem Technologiesektor, die mit glänzenden Resultaten überzeugten.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Negative Faktoren wie geoploitische Turbulenzen, zunehmender Inflationsdruck und dadurch steigende Anleihenrenditen rund um den Globus sowie die Tatsache, dass die freien Cashflows der Tech-Titanen wegen ihren gigantischen Investitionen dahinschmelzen, werden ignoriert.Aktien: All-inAuch professionelle Marktteilnehmer wurden von der Zuversicht erfasst, wie die jüngste Befragung von Bank of America (BofA) unter Fondsmanagern belegt. Sie fand vom 8. bis zum 14. Mai statt; an der Fund Manager Survey haben 200 Experten teilgenommen, die zusammen rund 520 Mrd. $ verwalten.Der Optimismus spiegelt sich im BofA-Stimmungsindikator, der den Bargeldbestand, die Aktienquote sowie die globalen Wachstumserwartungen unter den befragten professionellen Investoren zusammenfasst. Er ist von 3,7 auf derzeit 6,6 Zähler geklettert. Massgeblich beeinflusst wurde der Anstieg durch die rekordhohe Erhöhung der Aktienquote durch die Fondsmanager. Nachdem im April netto 13% der Profis bei Aktien übergewichtet waren, sind es neu 50%. Damit notiert der Aktienanteil in den Portfolios 0,9 Standardabweichungen über seinem langfristigen Durchschnitt. Genährt wird die Börsenhausse zu einem guten Teil durch die Erwartung kräftigen Gewinnwachstums. Im Mai verzeichnete die Fondsmanager-Umfrage den sechststärksten monatlichen Anstieg der Gewinnerwartungen. Neu rechnen netto 17% der Befragten mit einem weiteren Anstieg der globalen Unternehmensgewinne. Noch vor einem Monat befürchteten netto 14%, die Gewinne würden schrumpfen. Cash-Bestand sendet wieder VerkaufssignalZum allgemeinen Optimismus passt, dass die Anlageprofis ihren Cash-Bestand, den sie in den Monaten zuvor aufgestockt hatten, im Mai wieder abgebaut haben. Nach 4,3% im Vormonat beläuft er sich derzeit auf ungewöhnlich niedrige 3,9% – der Rückgang ist der stärkste seit mehr als zwei Jahren. Gemäss den BofA-Strategen ist eine Bargeldquote von weniger als 4% ein Verkaufssignal für Aktien.In der Vergangenheit war der Kursverlauf an den Börsen in solchen Phasen im Durchschnitt nämlich negativ: Der mittlere Verlust bei globalen Aktien über einen Zeitraum von vier Wochen nach den bisher 24 Verkaufssignalen seit 2011 beträgt 1% (der grösste nach einem Verkaufssignal verzeichnete Verlust beläuft sich auf 29%, der grösste Gewinn auf 4%). Auch hinsichtlich der Aussichten für die Weltwirtschaft zeigten sich die Experten weniger pessimistisch: Bloss 4% rechnen mit einer «harten Landung», sprich mit einer Rezession. 46% gehen derzeit von einer «sanften Landung» aus, und 39% sind der Ansicht, das Wachstum werde sich demnächst sogar wieder beschleunigen («no landing»). Angst vor einer zweiten WelleAuf die Frage nach dem grössten «Tail Risk», also einem Ereignis mit kleiner Eintrittswahrscheinlichkeit, aber potenziell enormen Auswirkungen, nannten 40% der Profis eine neuerliche Inflationswelle – nach 26% vor einem Monat. Angesichts der jüngsten Daten – in den USA sind die Konsumentenpreise im April im Jahresvergleich um 3,8% gestiegen, in Deutschland um 2,9% – ist diese Angst nicht unbegründet.Für 20% der Umfrageteilnehmer (nach 44% im April) stellen «geopolitische Konflikte» das grösste Tail-Risiko dar. Auf dem Vormarsch ist die Furcht vor einem ungeordneten Anstieg der Anleihenrenditen (18%). Der Handelskrieg, der im vergangenen Sommer die Schlagzeilen dominierte, ist derweil kein Thema mehr. Trotz des steigenden Inflationsdrucks machen sich die Anlageexperten keine allzu grossen Sorgen über Leitzinserhöhungen. Ziemlich genau die Hälfte der Befragten rechnet weiterhin damit, dass die US-Notenbank Fed die Geldpolitik in den kommenden zwölf Monaten lockern wird. Weitere 29% erwarten zumindest keine Zinsänderung, während nur 16% davon ausgehen, dass das Fed die Zinsen anheben wird. Die Fondsmanager wurden zudem gefragt, wann sie mit einer Wiederöffnung der Strasse von Hormuz rechnen. Das Gros erwartet, dass die Meerenge bereits im Juni wieder geöffnet wird (44%). Rund jeder fünfte (22%) geht davon aus, dass sie im dritten Quartal passierbar ist. Nur gerade 5% glauben, dass die Strasse von Hormuz bis ins kommende Jahr geschlossen bleibt. In der Folge dürfte es auch zu einer Entspannung am Rohölmarkt kommen. So erwarten die Fondsmanager, dass der Preis für ein Fass der Sorte Brent bis Ende 2026 (im Schnitt) bei 85 $ liegen wird. Zum Jahresbeginn waren es noch rund 60 $.26% der Profis glauben nicht, dass der Druck bald nachlassen wird. Sie befürchten, dass Öl bis zum Jahresende bei mindestens 90 $ pro Barrel gehandelt wird, wobei aber nur 7% Öl über 100 $ sehen. Kaum jemand geht davon aus, dass Öl in diesem Jahr unter 60 $ fallen wird. Laut 73% der Fondsmanager ist der klar beliebteste Trade der Anleger derzeit die Wette auf Halbleiteraktien, gefolgt von den «glorreichen Sieben» mit 14%. Implizit sagen sie damit, dass sie diese Segmente als überdurchschnittlich riskant einstufen. Positionen in Öl wurden nur in 6% der Fälle genannt. Höhere AktienquoteDie positive Grundstimmung schlägt sich in deutlich aggressiveren Portfolios nieder. Wie eingangs erwähnt, haben die Fondsmanager ihr Aktienengagement im Monatsvergleich substanziell aufgestockt – und zwar zulasten von Cash und Bonds. Innerhalb der Aktienquote standen US-Aktien und Technologiewerte hoch in der Anlegergunst. Die Sektoren Finanz und Rohstoffe waren ebenfalls gesucht.Abgebaut wurden neben Cash und Bonds vor allem Aktien aus dem Vereinigten Königreich sowie aus Europa, also just die Märkte, in denen Technologiewerte ein geringes Gewicht aufweisen. Defensive Sektoren wie Gesundheit und Basiskonsum wurden ebenfalls getrimmt. Bei den Währungen wurden interessanterweise Euro-Positionen aufgestockt.Aktien > BondsIn der Summe sind die Profianleger bei Aktien – insbesondere bei solchen aus Schwellenländern – weiterhin klar übergewichtet, Anleihen (Bonds) haben sie kräftig untergewichtet. Bei den Sektoren stehen Technologie, Banken und Telecomwerte hoch in der Gunst. Weniger gefragt sind Valoren aus den Branchen Basiskonsum, zyklischer Konsum (Discretionary) sowie Immobilien («REIT»). Aus regionaler Sicht werden UK-Aktien und japanische Valoren verschmäht.Contrarians würden Tech- und EM-Aktien verkaufenAuf Basis der Umfrage müssten Contrarians heute Long-Positionen in Anleihen, in Konsumgüteraktien sowie in Valoren aus dem Vereinigten Königreich eingehen. Bei den Währungen herrscht bei Dollar und Pfund grosser Pessimismus.Im Gegenzug müssten Contrarians die Aktienquote deutlich reduzieren (oder Aktien leerverkaufen) und vor allem gegen die Technologiebranche sowie Valoren aus den USA und aus Schwellenländern wetten. Dasselbe gilt für Rohstoffe, Bank- und Telecomwerte.






