Hinter der HeadlineGemäss der monatlichen Befragung von Bank of America haben professionelle Anleger ihre Aktienquote zuletzt leicht reduziert, sie sind aber weiterhin guter Dinge. UK-Aktien werden verschmäht. Zinserhöhungen durch die US-Notenbank rücken in den Vordergrund.Der Wochenauftakt war ganz nach dem Gusto der Marktteilnehmer: Nach unzähligen Ankündigungen des US-Präsidenten, eine Verhandlungslösung mit Iran stehe kurz bevor, war es in der Nacht auf Montag endlich so weit. Die Kriegsparteien haben sich auf eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) geeinigt, die am Freitag in Genf unterzeichnet werden soll.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Märkte reagierten positiv auf die Ankündigung. Vor allem die Öffnung der Strasse von Hormuz, durch die vor dem Konflikt rund ein Fünftel des globalen Ölangebots und andere wichtige Produkte wie Düngemittel verschifft wurden, sorgt für Erleichterung.Auch die professionellen Anleger schauen unvermindert zuversichtlich in die Zukunft, wie die jüngste Umfrage von Bank of America (BofA) zeigt – und das, obwohl sie noch vor dem Deal zwischen den USA und Iran durchgeführt wurde. Die jüngste Befragung unter Fondsmanagern fand zwischen dem 5. und dem 11. Juni statt; rund 200 Experten, die zusammen rund 540 Mrd. $ verwalten, haben daran teilgenommen.An Aktien führt kein Weg vorbeiDer Optimismus spiegelt sich im BofA-Stimmungsindikator, der den Bargeldbestand, die Aktienquote sowie die globalen Wachstumserwartungen unter den befragten professionellen Investoren zusammenfasst. Nach dem kräftigen Anstieg im April ist er in den vergangenen Wochen leicht zurückgekommen und zwar von 6,6 auf derzeit 6 Zähler.Einen Einfluss hatte die Reduktion der Aktienquote: Nachdem im Mai netto 50% der Profis bei Aktien übergewichtet waren, sind es neu noch 38%. Damit notiert der Aktienanteil in den Portfolios immer noch 0,5 Standardabweichungen über seinem langfristigen Durchschnitt.Cash-Bestand über der VerkaufsschwelleZum allgemeinen Optimismus passt, dass die Anlageprofis weiterhin einen niedrigen Cash-Bestand halten – allerdings haben sie diesen zuletzt leicht aufgestockt. Nach 3,9% im Vormonat beläuft er sich derzeit auf 4,1%. Diese Entwicklung ist erfreulich, ist doch gemäss den BofA-Strategen eine Bargeldquote unter 4% ein Zeichen überbordender Euphorie und somit ein Verkaufssignal für Aktien.Hinsichtlich der Aussichten für die Weltwirtschaft zeigten sich die Experten unverändert optimistisch: Bloss 5% rechnen mit einer «harten Landung», sprich mit einer Rezession. 47% gehen derzeit von einer «sanften Landung» aus, und 40% sind der Ansicht, das Wachstum werde sich demnächst sogar beschleunigen («no landing»). Nach dem Deal zwischen den USA und Iran könnten die Optimisten durchaus Recht behalten.Das robuste Wirtschaftsumfeld und die gestiegenen Energiepreise erhöhen jedoch den Aufwärtsdruck auf die Inflation. Netto 45% prognostizieren einen weiteren Anstieg der Konsumentenpreise global. Netto 34% der Profis rechnen deshalb auch mit höheren kurzfristigen Zinsen – das entspricht dem höchsten Wert seit September 2022.Angst vor einer zweiten WelleAuf die Frage nach dem grössten «Tail Risk», also einem Ereignis mit kleiner Eintrittswahrscheinlichkeit, aber potenziell enormen Auswirkungen, nannten deshalb wenig überraschend 34% der Profis eine neuerliche Inflationswelle – nach 40% vor einem Monat.Angesichts der jüngsten Daten ist diese Angst nicht unbegründet. Im Mai ist die Inflation der Konsumentenpreise (Consumer Price Index, CPI) in den USA auf 4,2% geklettert, in der Eurozone erreichte sie 3,2%. Die EZB sah sich vergangene Woche gezwungen, die Leitzinsen um 25 Basispunkte (Bp) anzuheben, die Bank of Japan erhöhte den Referenzsatz heute Dienstag ebenfalls um 25 Bp.Ein deutlicher Anstieg lässt sich bei der Einschätzung des Risikos der künstlichen Intelligenz erkennen: Für 28% der Umfrageteilnehmer stellt die «AI bubble» das grösste Tail-Risiko dar – vor zwei Monaten lag der Anteil noch bei vernachlässigbaren 5%. Interessant ist auch, dass der Risikofaktor «Geopolitischer Konflikt» inzwischen auf den vierten Platz gerutscht ist. Und das, obwohl die Umfrage noch vor dem Abkommen zwischen den USA und Iran durchgeführt wurde. Lediglich 12% der Fondsmanager sorgen sich derzeit um die Geopolitik.Angesichts des steigenden Inflationsdrucks rechnen immer mehr Anlageexperten mit einer restriktiveren Geldpolitik. Nachdem die Hoffnung auf Zinssenkungen schon vor einiger Zeit begraben worden war, rücken nun Zinserhöhungen in den Vordergrund.Zwar geht die grösste Gruppe der Befragten (28%) immer noch davon aus, dass das Fed den Leitzins unverändert belässt. Das Lager derjenigen, die in den kommenden zwölf Monaten eine Zinserhöhung erwarten, ist aber auf 26% nach oben geschossen. Insgesamt 40% der Fondsmanager rechnen in den nächsten zwölf Monaten mit mindestens einer Zinserhöhung durch das Fed, im Mai waren es noch 16%. Der Anteil der Profis, die mindestens eine Zinssenkung erwarten, ist von 50 auf 28% geschrumpft.Laut 80% der Fondsmanager ist der klar beliebteste Trade der Anleger derzeit die Wette auf Halbleiteraktien, gefolgt von den «glorreichen Sieben» mit 12%. Implizit sagen sie damit, dass sie diese Segmente als überdurchschnittlich riskant einstufen. Positionen in Öl wurden nur in 4% der Fälle genannt.Geringere AktienquoteTrotz optimistischer Grundstimmung haben die Fondsmanager ihr Aktienengagement im Monatsvergleich zugunsten von Cash und Anleihen leicht reduziert.Innerhalb der Aktienquote standen Grundstoff- (Materials) und Bankaktien sowie japanische Valoren hoch in der Anlegergunst. Die defensiveren Sektoren Basiskonsum (Staples), Versicherer (Insurance) und Gesundheit (Health Care) waren ebenfalls gesucht.Abgebaut wurden wie schon im Vormonat Aktien aus der Eurozone, aber auch Valoren aus den Schwellenländern. Bei den Branchen wurden vor allem Positionen in Technologie, zyklischem Konsum und in kotierten Immobilienfonds (REITs) reduziert. Bei den Währungen wurden Euro-Positionen verringert.Beliebte SchwellenländeraktienNach wie vor sind die Profianleger bei Aktien – insbesondere bei solchen aus Schwellenländern – klar übergewichtet, Anleihen (Bonds) fristen im Gegenzug derzeit ein Mauerblümchendasein in den Portfolios. Bei den Aktiensektoren sind Banken, Technologie und Telecom besonders populär.Pessimistisch eingestellt sind die Fondsmanager gegenüber Valoren aus den beiden Konsumbranchen (Discretionary und Staples) sowie gegenüber Immobilienwerten (REITs). Aus regionaler Sicht werden UK-Aktien und Valoren aus der Eurozone verschmäht, bei den Währungen wird das Pfund am stärksten untergewichtet.Contrarians würden Bonds und UK-Aktien kaufenWer allzu populäre und damit potenziell überbewertete Segmente meiden möchte, verringert auf Basis der Umfrage seine Aktienquote. Insbesondere Schwellenländeraktien sowie Bank- und Technologietitel stehen hoch in der Anlegergunst, was für eine Reduktion spricht. Ebenso müssten Contrarians derzeit ihre Rohstoffpositionen trimmen.Im Gegenzug müssten sie entsprechende Long-Positionen in Anleihen, in Valoren aus dem Vereinigten Königreich sowie in Konsumgüteraktien (Staples und Discretionary) eingehen. Die von den Fondsmanagern verschmähten Immobilien wären ebenfalls ein Kauf, der dem allgemeinen Trend zuwiderläuft.