Hinter der HeadlineDer Optimismus der Fondsmanager limitiert das Aufwärtspotenzial an den BörsenGemäss der monatlichen Befragung von Bank of America rechnen professionelle Anleger mit der besten aller Welten. Das macht die Märkte anfällig für Enttäuschungen.Die Börsen leben in der besten aller Welten. Das zumindest ist der Eindruck, den die monatliche Fondsmanagerbefragung von Bank of America (BofA) derzeit abgibt. Die Kombination aus starker Wirtschaft, sich stabilisierender Inflation und aufgeschobener Leitzinserhöhungen hat die Stimmung der professionellen Anleger merklich angehoben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.So rechnen inzwischen 54% der Teilnehmer mit einem Durchstarten der Weltwirtschaft. Noch vor einem Monat gingen lediglich 40% von diesem «No landing»-Szenario aus. Mit einer weichen Landung rechnen 39% der Experten, während nur noch 2% und damit so wenige wie nie seit dem ersten Datenpunkt im Mai 2023 eine Rezession fürchten.Trotz der Erwartung einer expandierenden Wirtschaft ist auch die Angst vor einer anziehenden Inflation verflogen. Netto rechnen nur noch 4% der Fondsmanager mit höherer Inflation, nachdem es im Vormonat noch 45% waren (dunkelblaue Linie).Haupttreiber dieses Rückgangs ist die Entspannung beim Ölpreis. 80% der Teilnehmer gehen davon aus, dass ein Fass der US-Rohölsorte WTI Ende Jahr zwischen 60 und 80 $ kosten wird. Allerdings wurde die Umfrage zwischen dem 2. und dem 9. Juli und damit vor dem Wiederaufflammen des Irankonflikts durchgeführt, der den Ölpreis erneut in die Höhe getrieben hat.Mit den Inflationserwartungen hat sich auch die Furcht vor höheren Zinsen verflüchtigt. Rechneten im Vormonat noch netto 34% der Teilnehmer mit höheren kurzfristigen Zinsen, ist es jetzt gerade noch 1% (vgl. hellblaue Linie auf der vorletzten Grafik). Dieser Rückgang spiegelt sich auch in den Erwartungen an die Geldpolitik. 83% glauben nicht, dass das Fed die Zinsen vor den US-Zwischenwahlen im November anheben wird, und für nächstes Jahr gehen nur 36% von mindestens einem Zinsschritt aus.Obwohl fast die Hälfte der Teilnehmer überzeugt ist, dass sich um das Thema künstliche Intelligenz noch keine Blase gebildet hat, stufen 45% eine solche als grösstes Extremrisiko («tail risk») für die Börsen ein (vgl. Grafik). Sie hat damit die Furcht vor einer zweiten Inflationswelle abgelöst, die noch im Juni zuoberst auf der Sorgenliste stand. Zudem bezeichnen 82% der Profis Halbleiteraktien als «most crowded trade», also als beliebteste Wette, was diese anfällig für Kursrückschläge macht.Angesichts der Ausgangslage – wachsende Wirtschaft, moderate Inflation, keine Leitzinserhöhung und keine KI-Blase – erstaunt es nicht, dass die Umfrageteilnehmer optimistischer geworden sind. Das spiegelt sich im Rückgang der Cashquote, die von 4,1 auf 3,6% gesunken ist. Damit hat sie die kritische Schwelle bei 4% unterschritten, was von den BofA-Strategen als Verkaufssignal gewertet wird.Die gute Stimmung dürfte auch der Grund sein, wieso Aktien die Anlageklasse sind, die von den meisten Profis übergewichtet wird, während sich Bonds am anderen Ende der Beliebtheitsskala befinden. Das mag erklären, warum die Fondsmanager neben Gesundheitstiteln und Aktien der Eurozone im Juni auch Anleihen aufgestockt haben (vgl. Grafik).Geld abgezogen haben sie laut eigener Aussage aus Energiewerten, Rohstoffen und dem britischen Aktienmarkt, der so stark untergewichtet wird wie nie seit August 2020. Basiskonsumwerte, die an der britischen Börse prominent vertreten sind, sind sogar so unbeliebt wie seit Februar 2014 nicht mehr.Der Ausverkauf bei den Rohstoffen hat auch den Goldpreis erfasst, der nach dem Höchst Ende Januar bei nicht ganz 5600 $ je Unze inzwischen mit der Unterstützung bei 4000 $ kämpft. Gemäss den Profis ist das Edelmetall damit zum ersten Mal seit März 2023 unterbewertet.Die BofA-Strategen um Michael Hartnett befürchten, dass der in der Umfrage geäusserte Optimismus das Potenzial über die Sommermonate limitiert. Ihr «Bull & Bear»-Indikator sendet denn auch ein Verkaufssignal für Aktien und andere riskante Vermögenswerte. Als grösste Überraschung für Anleger machen sie aufgrund der Positionierung eine restriktive US-Notenbank und ein Ende des Wirtschaftsaufschwungs aus, was Basiskonsumwerte, Gold, Aktien mit hoher Dividende (wozu auch britische Valoren zählen) und Anleihen beflügeln würde, während Halbleiter-, Industrie- und Bankaktien unter Druck kommen würden.
Fondsmanager sind optimistisch wie lange nicht, das macht die Börse anfälliger
Gemäss der monatlichen Befragung von Bank of America rechnen professionelle Anleger mit der besten aller Welten.






