Genialer Jazz, tolle Literatur aus Israel, einen unerhörten Richard Wagner - und die Minions treffen auf Aliens: Die Kulturtipps der «NZZ am Sonntag»Was muss man gelesen, gesehen oder gehört haben - und was eher nicht?Anna Kardos, Daniel Haas, Manfred Papst, Peer Teuwsen28.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenWieder auf Tour: Ariana Grande bei ihrem Auftritt letzten Freitag im Moody Center in Austin, Texas.Screenshot @arianagrande / InstagramAriane Grande hat ein neues Album aufgenommen. Warum die Sängerin aus ganz anderen Gründen für Diskussionen sorgt, erklärt Anna Kardos in ihrem Porträt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.InhaltsverzeichnisJazz: Mit heiligem Ernst und FeuerFilm: Die Minions legen sich mit Aliens anLiteratur: Die Sache mit ihrem Hund«Tannhäuser» in der Oper Zürich: So haben wir Richard Wagner ja noch nie gehörtJazz: Mit heiligem Ernst und FeuerKombiniert Zwölftonmusik mit Gospel: der Saxofonist Lewis.Shervin LainezAmbitionierte, technisch versierte Saxofonisten gibt es in der Generation von James Brandon Lewis (*1983) viele. Was den Musiker aus Buffalo, New York, aus der Menge heraushebt, ist seine Verbindung von Brillanz und Inbrunst. Der Sohn eines Baptistenpredigers erdet seine Musik, die neben sechs- und siebentonigen Tonleitern auch das Zwölftonsystem verwendet, im Gospel. Sein neues Album «Omni» zeugt von der geballten Energie und dem heiligen Ernst, die John Coltranes «A Love Supreme» durchdringen. Lewis’ Quartett mit Aruán Ortiz am Klavier, Brad Jones am Bass und Chad Taylor am Schlagzeug spielt für das Zürcher Label Intakt mit spiritueller Kraft und Hingabe. Manfred Papst★★★★★ James Brandon Lewis Quartet: Omni. Intakt Records.Film: Die Minions legen sich mit Aliens anSind unschuldig, aber auch gemein: die Minions.Universal PicturesMinions sehen aus wie die Kreuzung aus Überraschungsei und Zyklop. Das passt, weil sie trotz ihrer niedlich-gelben Gestalt gefährlich sind. Schadenfroh zerstören sie alles: Infrastrukturen, Gemeinwesen und Biografien. Eigentlich sind sie devot und beflissen, aber ihre Dienstherren, meist Schurken und Bösewichter, haben immer das Nachsehen. Jetzt kommt der dritte Film mit den digital animierten Chaoten ins Kino. Sie sind diesmal im Filmgeschäft gelandet und lassen sich mit einem ausserirdischen Monster ein. Weil sie gleichzeitig unschuldig und gemein sind, kann man sie als Vertreter des Unbewussten lesen. Und unbewusst haben alle, auch Erwachsene, Spass an der Zerstörung. Daniel Haas★★★★✩ Minions & Monster. Illumination Entertainment, USA 2026, 120 Min. Im Kino.Literatur: Die Sache mit ihrem HundDiogenesNatürlich weiss die 23-jährige Kalifornierin um die Wirkung einer guten Dramaturgie, schliesslich hatte sie sich schon als Disney-Star in einer TV-Soap in Teenage-Angst geübt. Und so folgt auch ihr drittes Studioalbum einem erzählerischen Faden durch die Gefühlsmetamorphosen einer gefährlichen Hingabe. Die Lieder sind kontemplativer, kammermusikalischer, schön arrangiert, reifer als auf den Vorgängeralben, wo auch mal die Gitarren krachen durften. Damit rückt Rodrigo näher an den grossen klassischen Pop-Song heran. Das ist okay, wenn auch manchmal etwas beschaulich, und man wünschte sich, nebst abgeklärter Reife, noch etwas mehr vom alten Leichtsinn auf der Überholspur. Peer Teuwsen★★★★★ Dror Mishani: Nicht. Übersetzt von Markus Lemke. Diogenes 2026, 192 Seiten.«Tannhäuser» in der Oper Zürich: So haben wir Richard Wagner ja noch nie gehörtDie Liebe wählen? Oder doch die Ekstase? Szene aus «Tannhäuser».Herwig Prammer / Opernhaus ZürichEs ist das alte Dilemma: Hier winkt die holde Liebe, dort lockt die sinnliche Ekstase – und mittendrin der gequälte Minnesänger Tannhäuser. Der Protagonist von Richard Wagners gleichnamiger Oper ist hin- und hergerissen zwischen den beiden Welten. Das wäre an sich schwere Kost. Wenn nicht der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson sich dem Thema mit ungewöhnlich viel Augenzwinkern nähern würde. Und plötzlich bekommt Wagners Stück eine unverhoffte Leichtigkeit.Auch der russische Dirigent Tugan Sokhiev sorgt mit seiner Liebe zum Klang und zur steten Entwicklung dafür, dass die Musik ungemein warm und lebendig wirkt. Und da sind nicht zuletzt auch die schwedische Sopranistin Christina Nilsson als reine Fürstin Elisabeth sowie der jahrzehntelang am Liedgesang geschulte Bariton Christian Gerhaher als Wolfram, die mit viel Sensibilität und sogar einer Prise ironischer Distanz die Phrasen verwandeln. So hat man Richard Wagners Oper noch nie gehört – und gesehen. Anna Kardos★★★★★ Wagner: «Tannhäuser». Thorleifur Örn Arnarsson (Regie), Tugan Sokhiev (Dir.). Mit Christof Fischesser, Eric Cutler u. a. Opernhaus Zürich, noch bis am 11. Juli.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel