Von wegen Stadt/Land und Rösti: Der grösste Grabenkampf der Schweiz entfacht sich an der HitzeManche mögen’s heiss im Sommer – und sehr, sehr viele nicht. Gedanken zu einem schwitzenden Land.27.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDie Hitzewelle in der Schweiz prägt den Alltag. Szene vom Rheinufer in Basel.Georgios Kefalas / KeystoneUff, die Hitze. Niemand entkommt ihr.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Büro schwitzen alle, auf der Baustelle sowieso, der Pendlerzug ist genauso heiss wie der Autositz. Die Hitze dominiert den Smalltalk im Lift, an der Ladenkasse, auf der Liegewiese. Sie macht uns sommertrunkenfröhlich. Oder wahnsinnig.Ein Dazwischen gibt es nicht.Glückshormone und StresssymptomeDie Schweiz leidet unter einem Hitzegraben. Da sind diejenigen Menschen, die freudig in alle Gewässer hüpfen und die Social-Media-Feeds mit Sommerfotos fluten. Ihre Körper reagieren auf die Hitze nicht mit Stress, sondern mit Serotonin: Glückshormon.Sie, die sich im Herzen immer als Italiener oder Spanierin fühlten, bejubeln die Mediterranisierung der Städte und erklären die kollektive Fröhlichkeit zur Pflicht. Und denken: Endlich hat die Schweiz einen Sommer, der diesen Namen verdient.Und da sind die anderen. Die mit der Hitze kämpfen, oder vielmehr: gegen sie. Sie klagen über schlaflose Nächte, schlappe Glieder, träge Gedanken. Und obwohl sie sich nach all den Empfehlungen richten («Suchen Sie Schatten auf», «vermeiden Sie Sport am Mittag», «trinken Sie ausreichend, aber um Himmels willen keinen Alkohol»), schleppen sich Körper und Geist nur mühevoll durch den Alltag.Man feiert die hochsommerlichen Temperaturen oder verflucht sie. Szene beim Flussbad Unterer Letten.Andreas Becker / KeystoneManche von ihnen spüren in dieser ausserordentlich langen Abfolge von Hitzetag und Tropennacht und Hitzetag und Tropennacht und Hitzetag und Tropennacht ein grosses Bedürfnis, ständig über den Klimawandel zu reden. Mit Leichtigkeit, so viel ist für sie klar, hat diese Hitze nichts zu tun.Klimaanlagen und HitzeresistenzWie bei allen Sorgen, die das Volk beschäftigen, will bald die Politik helfen. In Bundesbern, wo die Aare so warm ist wie noch nie im Juni und nun sogar das AKW Beznau vom Netz genommen werden muss, macht man sich mehr oder minder hitzige Gedanken über geeignete Massnahmen. Die politische Debatte dreht sich in diesen Tagen nicht mehr darum, ob die Schweiz mehr als zehn Millionen Einwohner verträgt. Sondern, ob es ein Grundrecht auf 20 Grad Raumtemperatur gibt.Einig ist man sich, dass die hohen Temperaturen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko darstellen, vor allem für ältere Menschen.Besonders ausgeprägt zeigt sich der Hitzegraben beim Kulturkampf um die Klimaanlage. Frankreich streitet seit längerem darüber, ob die Klimaanlage rechts ist. Angesichts der Hitzewelle kommt die Frage nach Sinn und Unsinn der Kühlung auch hierzulande auf. Die Detailhändler freut’s: Die Nachfrage steigt, erste Modelle der Kühlgeräte sind ausverkauft.Die Schulen streiten derweil mit den Behörden und Eltern, ob sie hitzefreie Nachmittage anordnen dürfen, obwohl in vielen Familien Mutter und Vater erwerbstätig sind. Die Baumeister wollen ihre Büezer am Morgen noch früher auf die Baustelle schicken, Lärmschutz hin oder her. Und ein Zürcher Gemeinderat sagt: Die Schweizer müssen jetzt Hitzeresistenz aufbauen. Als ob es so einfach wäre.Wann dürfen Bauarbeiter mit ihrer Arbeit beginnen? Szene von einer Dachsanierung in Mels.Gaëtan Bally / KeystoneFesthalten lässt sich: Der Hitzestress nimmt zu, und er hält im Sommer länger an. Die Klimaszenarien des Bundes rechnen bis Mitte Jahrhundert je nach Lage mit drei bis siebzehn zusätzlichen Hitzetagen.Ob Klimaanlage oder Entsiegelung, Siesta oder hitzefreie Tage: Die Schweiz wird einen Umgang mit der Hitze finden müssen. Und das dürfte anstrengender werden als die Suche nach einem freien Platz in der Badi.Passend zum Artikel
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Manche mögen’s heiss im Sommer – und sehr, sehr viele nicht. Gedanken zu einem schwitzenden Land.
















