Wissenschaftler: Hitzewelle hängt eindeutig mit Klimawandel zusammenDie Intensität der derzeitigen Hitzewelle in Europa hängt nach Einschätzung einer Wissenschaftlergruppe mit dem Klimawandel zusammen. „Der Klimawandel ist eindeutig dafür verantwortlich“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie der internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA). Die natürliche Wärmephase durch das Wetterphänomen El Niño spiele hingegen „keine Rolle bei der Steigerung der Hitze“. Die derzeitigen extrem hohen Temperaturen am Tag und in der Nacht wären den Forschern zufolge zu diesem Zeitpunkt im Jahr vor 50 Jahren „praktisch unmöglich“ gewesen.Die Wissenschaftler verglichen die aktuelle Lage unter anderem mit der ebenfalls außergewöhnlichen Hitzewelle von 1976. Eine vergleichbare Hitzewelle wäre vor einem halben Jahrhundert im Juni tagsüber um 3,5 Grad und nachts um 2,4 Grad weniger heiß gewesen, berechneten sie.Besonders gefährlich für Menschen sei die Kombination aus hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.Fällt heute der Juni-Rekord?Erstmals an einem Juni-Tag könnte heute die 40-Grad-Marke in Deutschland geknackt werden. Laut den Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sind sogar Temperaturen bis zu 41 Grad möglich. Konkret deutet sich dies laut DWD-Angaben für den Oberrhein bis zum Rhein-Main-Gebiet an. Die bisher höchste gemessene Temperatur an einem Juni-Tag liegt bei 39,6 Grad und wurde am 30. Juni 2019 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) registriert. Nur knapp darunter lag der Wert, der am Donnerstag im baden-württembergischen Waghäusel-Kirrlach gemessen wurde: Dort war es mit 39 Grad so heiß wie nirgendwo sonst in der Republik, wie eine Sprecherin des DWD am Abend mitteilte. Zudem war es der höchste Juni-Wert, der in Baden-Württemberg seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen wurde. Es handelt sich allerdings um einen vorläufigen Wert. Ein erster bundesweiter Rekord war zudem in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag eingestellt worden: Nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fiel die Temperatur im rheinland-pfälzischen Bad Bergzabern nicht unter 26,2 Grad. Damit war es die wärmste Nacht in Deutschland seit Beginn der Messungen. Bisheriger Rekordhalter war der Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz, wo die Temperatur am 25. Juli 2019 ebenfalls nicht unter 26,2 Grad gesunken war. Ab einer Mindesttemperatur von 20 Grad spricht der Wetterdienst von einer Tropennacht.Die Meteorologen rechnen damit, dass es an mehreren Tagen hintereinander Spitzenwerte von mehr als 40 Grad geben wird. Besonders hitzeempfindliche Menschen müssen daher auf sich aufpassen. Zumal es nicht nur tagsüber rekordverdächtig heiß wird, sondern auch nachts kaum Abkühlung gibt.Unterdessen wurde mit 38 Grad in Basel in der Schweiz bereits am Donnerstag die höchste jemals im Monat Juni gemessene Temperatur verzeichnet. Damit sei der bisherige Juni-Rekord von 36,9 Grad aus dem Jahr 1947 gebrochen, teilte der Schweizer Wetterdienst Meteoschweiz mit. Auch vor fast acht Jahrzehnten war die höchste Juni-Temperatur in der Stadt Basel nahe der Grenze zu Deutschland und Frankreich gemessen worden.Strom in Rüsselsheim fällt aus – wohl wegen HitzeIn Rüsselsheim ist in der Nacht großflächig der Strom ausgefallen. Eine Sprecherin der Stadtwerke sagte, es werde ein technisches Problem vermutet, das mit der Hitze zusammenhängen könnte. Nach Mitternacht seien Störungsmeldungen aus verschiedenen Stadtteilen bei den Stadtwerken eingegangen. Zwischendurch sei es „ein fast flächendeckendes Ereignis“ gewesen. Am Freitagmorgen waren nach den Worten der Sprecherin fast alle Haushalte wieder mit Strom versorgt, außer im Stadtteil Haßloch. Dort werde die Störung voraussichtlich im Laufe des Vormittags behoben.Festival und Konzert mit Jan Delay wegen hohen Temperaturen abgesagtWegen der hohen Temperaturen im Ruhrgebiet sind das geplante Konzert von Sänger Jan Delay und das Sunset Beach Festival am Halterner Stausee kurzfristig abgesagt worden. Dies teilten die Veranstalter am Donnerstagabend auf Facebook mit. Man habe in den vergangenen Tagen mit Kommunen, Behörden und Sicherheitsorganisationen versucht, Lösungen zu finden, um beide Veranstaltungen trotz der außergewöhnlichen Wetterlage nicht absagen zu müssen, hieß es. Das sei jedoch nicht möglich gewesen. Laut WDR war mit insgesamt 24.000 Besucherinnen und Besuchern gerechnet worden. A2 auf zwei Abschnitten wegen Hitzeschäden gesperrtWegen Hitzeschäden ist die Autobahn 2 auf zwei Abschnitten gesperrt worden: in Brandenburg zwischen Ziesar und Wollin in Fahrtrichtung Berlin sowie in Sachsen-Anhalt bei Burg in Richtung Hannover. Nach Angaben der Autobahn GmbH dauern beide Sperrungen voraussichtlich bis zum Sonntagnachmittag. In beiden Fällen soll die beschädigte Betondecke bis dann durch Asphalt ersetzt werden.Ältere Betonfahrbahnen, die bereits Vorschäden aufwiesen oder an denen es schon häufiger Reparaturen gegeben habe, seien besonders anfällig für Hitzeschäden, erklärte eine Sprecherin der Autobahn GmbH. Es könnten sich bei großer Hitze sogenannte Blow-ups bilden. Dabei wölbt sich die Fahrbahn und kann aufbrechen. Neu gebaute Fahrbahnen hätten dieses Problem nicht. Asphaltfahrbahnen können sich dagegen verformen und Spurrinnen bilden. Nach Angaben der Autobahn GmbH ist dieses Risiko auf deutschen Autobahnen jedoch vergleichsweise gering, weil dort besonders widerstandsfähiger Asphalt verwendet wird.Nach der Sperrung bei Burg hieß es, wegen der anhaltenden Hitze verstärke die Autobahn GmbH ihre Kontrollen auf den Autobahnen in Sachsen-Anhalt. Die Strecken würden zwar ohnehin täglich überprüft, derzeit seien jedoch mehr Mitarbeiter unterwegs, um mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen, sagte die Sprecherin.Autofahrer sollten auf ungewöhnliche Fahrbahnschäden achten und diese der Polizei melden. So könnten die Informationen schnell an die Autobahnmeistereien weitergegeben werden, damit Gefahrenstellen zügig abgesichert oder repariert würden.Berliner Philharmoniker lockern KleiderordnungAngesichts der erwarteten Hitze wird die Kleiderordnung bei den Berliner Philharmonikern gelockert. Das Spitzenorchester spielt am Samstagabend sein berühmtes Saisonabschlusskonzert in der Waldbühne - in der Hauptstadt werden bis zu 41 Grad erwartet. Die Bühne liege abends glücklicherweise im Schatten, sagte eine Sprecherin des Orchesters.„Die Herren treten ohne Jackett auf, dafür mit einem schwarzen Hemd als Oberteil“, sagte die Sprecherin. Die Ärmel dürften auch hochgekrempelt werden. Das Oberteil der Damen müsse nur bis zum Ellenbogen reichen und nicht langärmelig sein. Backstage gebe es Getränke und Kühlpacks.„Wir sind es gewohnt, draußen zu spielen“, sagte die Sprecherin. Die Philharmoniker nutzen bei Konzerten im Freien in der Regel nicht ihre besten Instrumente, sondern hätten auch sehr gute Zweitinstrumente. Mit hohen Temperaturen hätten sie außerdem Erfahrung.So hätten sie etwa 2025 im japanischen Kawaguchiko im Freien gespielt, wo es auch sehr warum und dazu noch sehr feucht gewesen sei, was für die Instrumente problematischer sei.Das Berliner Konzert ist ausverkauft - rund 22.000 Menschen werden in der Waldbühne erwartet. Chefdirigent Kirill Petrenko steht am Pult und soll die Freiluftbühne etwa mit Werken von Ottorino Respighi und Giuseppe Verdi in ein Stück Italien verwandeln. Startenor Jonas Kaufmann soll singen.Besucherinnen und Besucher dürfen einen Liter alkoholfreies Getränk in Kunststoffflaschen oder -packs mitnehmen. Auch Taschenschirme als Sonnenschutz sind erlaubt, aber keine Stockschirme. Die Sprecherin der Philharmoniker rät außerdem noch zu Sonnenhut und Mückenspray. Das Konzert wird auch im Fernsehen und Radio übertragen.Kein Alkohol mehr in ParisAngesichts der extremen Hitzewelle hat die Pariser Polizeipräfektur vorübergehend ein weitreichendes Alkoholverbot in der französischen Hauptstadt erlassen. Von Freitag bis zum Sonntagmorgen ist der Verkauf von Alkohol verboten und der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum untersagt, wie die Präfektur mitteilte. Von dem Verbot ausgenommen sind allerdings Restaurants und Gaststätten.Die Kliniken im Großraum Paris seien wegen der Hitzewelle bereits voll ausgelastet, und ständig würden neue Patienten eingeliefert, begründete Polizeipräfekt Patrice Faure die Einschränkungen. Es gehe darum, Kliniken und Rettungsdienste von zusätzlichen alkoholbedingten Einsätzen zu entlasten. Für die Kliniken in Frankreich wurde bereits der höchste Krisenmodus ausgerufen.Angesichts der Hitze von bis zu 41 Grad in der Hauptstadt rieten Ärzte ohnehin von jeglichem Alkoholkonsum ab, der die Gefahr eines Hitzschlages erhöhe, sagte der Polizeichef. Bereits während der Fête de la Musique am vergangenen Sonntag habe ein Alkoholverbot in Paris geholfen, Ausschreitungen und Notfälle stark einzudämmen.Nach etlichen Tagen mit sehr hohen Temperaturen ist es in den Straßen der französischen Hauptstadt glutheiß. Auch nachts kühlt es in den Wohnungen inzwischen kaum noch ab. Robert DikomeitJuni-Hitzerekord im Saarland: 38,8 GradDie extreme Hitze hat für einen Juni-Temperaturrekord im Saarland gesorgt. Am Donnerstag wurden nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Perl-Nennig 38,8 Grad Celsius gemessen – so viel wie noch nie zuvor in einem Juni an einer DWD-Wetterstation in dem Bundesland.Robert DikomeitTemperaturrekord für Juni im Südwesten geknacktIn Waghäusel-Kirrlach im Kreis Karlsruhe ist es am Donnerstag so heiß gewesen wie nie zuvor in Baden-Württemberg im Monat Juni. Dort wurden 39,0 Grad gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst auf Grundlage vorläufiger Daten mitteilte. Der bisherige Juni-Temperaturrekord seit Beginn der Aufzeichnung von Wetterdaten im Südwesten lag bei 38,9 Grad - gemessen am 30. Juni 2019 in Mannheim.Glaskuppel des Bundestages bleibt am Wochenende zu Wegen der extremen Hitze wird die Glaskuppel des Reichstagsgebäudes und die Dachterrasse am Wochenende für Besucher gesperrt. Das teilte der Deutsche Bundestag auf seiner Internetseite mit. Zuvor berichtete der „Tagesspiegel“. Aufgrund der Hitzebelastung können Terrasse und Kuppel am Samstag und Sonntag ganztägig nicht besucht werden, wie es hieß. Bereits bestätigte Besuche seien storniert worden. „Generell kann es aus Sicherheitsgründen bei anhaltend hohen Temperaturen zu Sperrungen der Kuppel und in Ausnahmefällen auch der Dachterrasse des Reichstagsgebäudes kommen."Von der begehbaren Glaskuppel des Reichstagsgebäudes aus können Besucher normalerweise in den Plenarsaal des Deutschen Bundestages blicken. Die Kuppel bietet auch einen weiten Blick auf Berlin. Schweiz bricht Temperaturrekord Mit 38 Grad in Basel hat die Schweiz am Donnerstag die höchste jemals im Monat Juni gemessene Temperatur verzeichnet. Damit sei der bisherige Juni-Rekord von 36,9 Grad aus dem Jahr 1947 gebrochen, teilte der Schweizer Wetterdienst Meteoschweiz mit. Auch vor fast acht Jahrzehnten war die höchste Juni-Temperatur in der Stadt Basel nahe der Grenze zu Deutschland und Frankreich gemessen worden.Wegen der Hitzewelle in Westeuropa gilt auch in weiten Teilen der Schweiz die höchste Hitze-Warnstufe. Am höchsten sind die Temperaturen im Norden der Schweiz, wo außer in Basel in mindestens fünf Wetterstationen das Thermometer über 37 Grad anzeigte. Die Hitzewelle werde voraussichtlich bis Montag anhalten, erklärte Meteoschweiz. Erfurt: Städtische Museen mit freiem Eintritt ab 30 GradBei Temperaturen ab 30 Grad ist der Eintritt in die städtischen Museen in Erfurt kostenlos. Die Aktion gelte ab sofort für alle Besucher, eine Anmeldung im Vorfeld sei nicht nötig. Das teilte die Stadt am Donnerstag mit. Grundlage sind demnach die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes für die Tageshöchsttemperatur in Erfurt. In dieser Woche gelte der kostenlose Eintritt mindestens bis Sonntag.Museen seien mehr als Orte der Kunst, Geschichte oder Naturkunde, so die Stadt. An heißen Tagen dienten sie als klimatisierte Rückzugsräume, die Schutz vor gefährlicher Hitze böten. Ihre Bausubstanz halte hohe Außentemperaturen ab.Zu den städtischen Museen in Erfurt gehören unter anderem das Stadtmuseum, das Naturkundemuseum, das Angermuseum und die Alte Synagoge.Krankenkasse schaltet Hitze-HotlineAngesichts der derzeitigen Hitzewelle schaltet die Barmer Krankenkasse eine medizinische Hotline für alle Interessenten. Die Ärzte am Telefon beantworteten Fragen zu Sonnenschutz, Trinkmenge, Medikamenteneinnahme und Sonnenbrand, teilte die Barmer am Donnerstag mit. Auch Fragen zur Abkühlung oder zum Hitzeschutz in Einrichtungen wie Kitas könnten geklärt werden. Erreichbar ist die Hotline des BARMER-Teledoktors täglich von 6 bis 24 Uhr unter der Rufnummer 089/480 595 84. Die Hotline ist kostenfrei und steht allen Interessenten offen.Hitze setzt Autobahnen zu – Mehr Kontrollen im LandWegen der anhaltenden Hitze verstärkt die Autobahn GmbH ihre Kontrollen auf den Autobahnen in Sachsen-Anhalt. Die Strecken würden zwar ohnehin täglich überprüft, derzeit seien jedoch mehr Mitarbeiter unterwegs, um mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen, sagte eine Sprecherin der Autobahn GmbH.Autofahrer sollten auf ungewöhnliche Fahrbahnschäden achten und diese der Polizei melden. So könnten die Informationen schnell an die Autobahnmeistereien weitergegeben werden, damit Gefahrenstellen zügig abgesichert oder repariert werden. Hohe Ozonwerte – Warnung für empfindliche GruppenIn Nordrhein-Westfalen steigt durch das aktuell extrem sommerliche Wetter auch die Ozonbelastung. An mehreren Messstellen wurde die sogenannte Informationsschwelle von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten, wie das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) mitteilte. Ozon kann Symptome wie Schleimhautreizungen, Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen und eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit verursachen. An den Messstellen in Bottrop-Welheim, Duisburg-Walsum und Mülheim-Styrum wurde zudem die Alarmschwelle von 240 Mikrogramm pro Quadratmeter überschritten. Richtiges Verhalten bei OzonbelastungBei Ozonwerten über der Informationsschwelle wird besonders empfindlichen Personen empfohlen, körperliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden. Auch Menschen mit Arbeitsplätzen im Freien, Sportler, Säuglinge und Kleinkinder sind gefährdet. Tückisch ist dabei die nicht direkt spürbare UV-Strahlung. Am Donnerstag werden die bislang höchsten Indexwerte des Jahres erwartet, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mitteilte. In Norddeutschland werde ein UV-Index bis 8 erwartet, in Mitteldeutschland bis 9, in Süddeutschland seien stellenweise 10 möglich, im Hochgebirge gar 11 («extrem»). Der UV-Index-Wert gibt an, welche Tagesspitzenwerte der sonnenbrandwirksamen Strahlung am Boden erwartet werden.Sportliche Aktivitäten sollten möglichst auf die frühen Vormittags- oder die Abendstunden verlegt werden, hieß es vom Lanuk. Wer sich im Freien aufhalte, solle zudem an ausreichenden Sonnenschutz denken. Mehr ladenTickarooLive Blog Software