Hausärzteverband: Politik muss endlich beim Hitzeschutz handelnDer Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vorgeworfen. „Die Bundesregierung lässt die Praxen beim Hitzeschutz im Stich“, sagte die Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. „Den jahrelangen Ankündigungen, man werde das Thema Hitzeschutz endlich priorisieren, sind keine Taten gefolgt." „Die Politik muss endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und beim Hitzeschutz handeln, statt sich darauf zu beschränken, immer wenn es heiß wird, eine Absichtserklärung nach der anderen zu veröffentlichen“, betonte Buhlinger-Göpfarth. Sie erinnerte daran, dass die damalige Bundesregierung bereits vor drei Jahren ein umfassendes Maßnahmenpaket zum Hitzeschutz angekündigt habe. Dazu habe auch gehört, die medizinische Aufklärung während Hitzewellen in Hausarztpraxen zu vergüten.„Bis heute ist de facto nichts passiert“, kritisierte die Verbandsvorsitzende. Sobald der Sommer vorbei gewesen sei, sei das Thema wieder von der politischen Agenda verschwunden. Angesichts der aktuellen Hitzewelle sieht der Verband insbesondere ältere Menschen und chronisch Kranke in Gefahr.Fabian DrahmouneNach Temperaturrekord: So heiß wird das WochenendeNach dem Temperaturrekord in Deutschland mit 41,3 Grad sind die nächsten Höchstwerte schon in Sicht. Für das Wochenende sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) den Höhepunkt der Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 42 Grad vorher, zudem drohen heftige Gewitter.Heute werden nachmittags und abends an der Nordseeküste sowie vom westlichen Mittelgebirgsraum bis in den Nordosten lokale kräftige Gewitter und Unwetter erwartet. Auch für Sonntag sind gebietsweise teils schwere Gewitter mit erhöhter Unwettergefahr angekündigt. Laut DWD drohen Sturmböen, heftiger Starkregen und großer Hagel. In der Nacht zum Montag werden erneut schwere Gewitter mit Starkregen erwartet. Die Temperaturen liegen heute zwischen 36 und 41 Grad und können lokal auch auf 42 Grad klettern. Für den Sonntag sagt der DWD Höchstwerte im Osten und Südosten von 39 bis 41 Grad voraus, in der Lausitz bis 42 Grad. In den übrigen Teilen Deutschlands werden 32 bis 38 Grad erwartet. Damit könnte der gerade erst aufgestellte Allzeit-Temperaturrekord von 41,3 Grad schon wieder gebrochen werden.Philipp von ReinersdorffTemperaturrekorde in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-PfalzIn mehreren deutschen Bundesländern sind nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Freitag neue Höchsttemperaturen gemessen worden. In der hessischen Metropole Frankfurt wurden demnach 40,3 Grad erreicht. Damit wurde der bisherige Rekord an einer DWD-Wetterstation in Hessen von 40,2 Grad aus dem Juli 2019 in Frankfurt übertroffen.In Bayern hat der DWD nach vorläufigen Angaben mit 40,8 Grad im unterfränkischen Kitzingen die höchste Temperatur registriert, die jemals in Bayern gemessen wurde.Auch Baden-Württemberg erreicht den Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnung der Wetterdaten: In Waghäusel-Kirrlach im Landkreis Karlsruhe sind am Freitag 40,6 Grad gemessen worden, wie der DWD mitteilte. Der bisherige Temperaturrekord lag bei 40,3 Grad am 20. Juli 2022 in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis).Rheinland-Pfalz hat nach Daten des DWD ebenfalls seinen Temperaturrekord geknackt. Am Freitag sind in Bad Kreuznach 40,7 Grad gemessen worden. Damit wurde der bisherige Rekord von 40,6 Grad aus dem Jahr 2019 in Trier übertroffen.Neuer Hitzerekord in der Schweiz – Kernkraftwerk Beznau heruntergefahren Auch in der Schweiz ist am Freitag mit 38,8 Grad ein neuer Hitzerekord für den Monat Juni verzeichnet worden. „Die Hitze geht unvermindert weiter“, erklärte der Wetterdienst Meteoschweiz im Onlinedienst X. Demnach war es an der Wetterstation Basel/Binningen sogar „mit 38,8 Grad so heiß wie noch nie seit Messbeginn im Jahr 1897“. Erst am Donnerstag hatte die Schweiz den bisherigen Juni-Rekord von 36,9 Grad aus dem Jahr 1947 gebrochen. Wegen der starken Hitze wurden am Freitagnachmittag die beiden Reaktoren des Schweizer Kernkraftwerkes Beznau in der Nähe zur deutschen Grenze heruntergefahren. Damit solle ein weiterer Temperaturanstieg der Aare, mit deren Wasser die Reaktoren gekühlt werden, verhindert werden, teilte der Energiekonzern Axpo mit. Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag habe die Wassertempreatur 25 Grad betragen. „Eine ausreichende Abkühlung ist nicht in Sicht." In der Schweiz sind noch vier alte Atomreaktoren in Betrieb. Zwei von ihnen, die Anlagen Beznau 1 und Beznau 2, sollen in den Jahren 2033 beziehungsweise 2032 abgeschaltet werden. Das Akw Beznau liegt nahe der deutschen Grenze. Der dortige Reaktor 1 ist seit 1969 in Betrieb und damit der älteste noch laufende Atomreaktor der Welt. 41,3 Grad Celsius gemessen – neuer Temperaturhöchstwert in DeutschlandMit 41,3 Grad ist am Freitag die bislang höchste Temperatur in Deutschland überhaupt registriert worden. Der Rekordwert wurde gegen 17.00 Uhr in Saarbrücken gemessen, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der Nachrichtenagentur AFP sagte. Bisher lag die Höchstmarke bei 41,2 Grad – gemessen 2019 in den nordrhein-westfälischen Gemeinden Tönisvorst und Duisburg-Baerl.Extreme Hitze in Großbritannien hält an – drei Mal in Folge ein neuer TemperaturhöchstwertGroßbritannien hat am Freitag den dritten Tag in Folge einen neuen Temperaturhöchstwert für den Monat Juni verzeichnet. In Wattisham in der Grafschaft Suffolk im Südosten Englands wurden 36,9 Grad gemessen, wie die Wetterbehörde Met Office mitteilte. „Und die Temperaturen steigen weiter“, erklärte sie im Onlinedienst X. Am Vortag war das Thermometer in Merryfield in der Grafschaft Somerset im Südwesten Englands auf 36,7 Grad gestiegen.Seit Mittwoch gilt wegen „extremer Hitze“ die Alarmstufe Rot. Sie wurde am Freitag bis Sonntagmorgen 9.00 Uhr (Ortszeit, 10.00 Uhr MESZ) für den Südwesten und Südosten Englands einschließlich der Hauptstadt London verlängert. Das Wetter wird deshalb selbst in den – nun ehemals – gemäßigten Breiten immer maßloser. Die Menschheit hat sich ihr eigenes Treibhaus geschaffen, schreibt Lukas Fuhr in seinem Kommentar – und fordert, dass Kommunen darauf reagieren.Kinder lieben an heißen Tagen das Chaos im Freibad. Viele Erwachsene versetzt es in Stress. Lässt sich das ändern? Mit dieser Frage beschäftigt sich Sebastian Eder in seinem Text.Bund Naturschutz: „Es droht ein Massensterben“Durch die aktuelle Hitze trocknen in Bayern derzeit Moore, Quellen und Tümpel aus. Der Bund Naturschutz warnt deshalb mit deutlichen Worten: „Unsere Feuchtgebiete in Bayern sind in größter Not“, teilte BN-Chef Martin Geilhufe mit. „Wo Moore austrocknen und Quellen und Tümpel versiegen, sterben ganze Lebensgemeinschaften. Amphibien, Wasserinsekten wie Libellen, Wasserkäfer und viele weitere Arten sind in akuter Gefahr – es droht ein Massensterben.“ Französisches Gesundheitsministerium: „Besorgt über Todesfälle zu Hause“Nach einer Woche mit Extremtemperaturen rechnet die französische Regierung damit, dass zahlreiche Menschen wegen der Hitze in ihren eigenen vier Wänden ums Leben gekommen sind. „Wir sind besorgt über landesweite Todesfälle zu Hause“, erklärte das Gesundheitsministerium am Freitag. Die jüngste Hitzewelle hat in ihrer Ausdehnung und Intensität bereits eine Hitzewelle von 2003 übertroffen, die in Frankreich zu 15.000 Todesfällen geführt hatte.„Viele Menschen sterben, bevor sie es ins Krankenhaus schaffen“, sagte Philippe Juvin, Chef einer Pariser Notaufnahme. In seinem Krankenhaus sei die Lage „sehr ernst“. Der Zustrom von Patienten reiße nicht ab.Paris: Supermärkte liefern Eiswürfel an RettungskräfteAngesichts der extremen Hitzewelle stellen mehrere französische Supermarktketten den Rettungskräften in Paris Eiswürfel und Kühlräume zur Verfügung, um Hitzepatienten versorgen zu können. Etwa 20 Tonnen Eiswürfel lagerten derzeit in einer Eissportarena, teilte die Pariser Feuerwehr am Freitag mit. Die Supermarktkette Carrefour ließ – von einer Polizeieskorte begleitet – vier Tonnen Eis aus einem Lager im Umland von Paris in die Hauptstadt bringen, wie Carrefour-Chef Alexandre Bompard mitteilte. Die auf Tiefkühlprodukte spezialisierte Kette Picard stellte den Pariser Rettungskräften Kühlräume zur Verfügung. Das Eis wird benötigt, um Patienten zu versorgen, die einen Hitzschlag erlitten haben. In Paris herrschten am Donnerstag Temperaturen von bis zu 42 Grad, die Krankenhäuser waren überlastet. Bahn warnt vor WeichenschädenDie Bahn bietet an, gebuchte Fernverkehrsfahrten für die Tage bis zum 30. Juni kostenfrei zu stornieren – eine sogenannte erstmalige Hitze-Sonderkulanz. „Allen, die in dieser extremen Wetterlage auf ihre Fahrt verzichten können, legen wir die Sonderregelung zur Stornierung nahe“, hieß es von der Bahn. Weichen sowie Leit- und Sicherheitstechnik können bei den hohen Temperaturen und stundenlanger direkter Sonneneinstrahlung Schaden nehmen. Das kann zu weiteren Problemen auf dem ohnehin stark störanfälligen Netz der Bahn führen. Bodensee auf historisch niedrigstem Juni-Stand Das Wasser im Bodensee steht so niedrig wie noch nie im Monat Juni. Laut dem Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung betrug der Wasserstand am Pegel Konstanz zuletzt 3,30 Meter. Es werde angesichts der Hitze der letzten Tage mehr Trinkwasser nachgefragt und die Wasserabgabe steige deutlich, wie eine Sprecherin sagte. Die Versorgung im Verbandsgebiet sei aber nicht gefährdet. In 60 Meter Tiefe, wo das Wasser gefördert werde, sei ausreichend Wasser vorhanden. Laut früheren Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) steigt der Wasserstand im größten deutschen See in normalen Jahren ab Anfang April langsam und stetig. Zuletzt hatte er aber sogar Wasser verloren. Der aktuelle Wert liege mittlerweile rund einen Meter unter dem langjährigen Mittelwert von 4,32 Metern, hatte die LUBW diese Woche mitgeteilt.Mehr ladenTickarooLive Blog Software