Nach Temperaturrekord: So heiß wird das WochenendeNach dem Temperaturrekord in Deutschland mit 41,3 Grad sind die nächsten Höchstwerte schon in Sicht. Für das Wochenende sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) den Höhepunkt der Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 42 Grad vorher, zudem drohen heftige Gewitter.Heute werden nachmittags und abends an der Nordseeküste sowie vom westlichen Mittelgebirgsraum bis in den Nordosten lokale kräftige Gewitter und Unwetter erwartet. Auch für Sonntag sind gebietsweise teils schwere Gewitter mit erhöhter Unwettergefahr angekündigt. Laut DWD drohen Sturmböen, heftiger Starkregen und großer Hagel. In der Nacht zum Montag werden erneut schwere Gewitter mit Starkregen erwartet. Die Temperaturen liegen heute zwischen 36 und 41 Grad und können lokal auch auf 42 Grad klettern. Für den Sonntag sagt der DWD Höchstwerte im Osten und Südosten von 39 bis 41 Grad voraus, in der Lausitz bis 42 Grad. In den übrigen Teilen Deutschlands werden 32 bis 38 Grad erwartet. Damit könnte der gerade erst aufgestellte Allzeit-Temperaturrekord von 41,3 Grad schon wieder gebrochen werden.Deutsche Bahn fordert dazu auf, „nicht dringend notwendige Reisen" zu vermeidenDie Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen haben ihre Fahrgäste wegen der Hitze aufgerufen, zu Hause zu bleiben. „Bitte vermeiden Sie heute und morgen alle nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr“, erklärten die Bahn und der Bundesverband Schienennachverkehr (BSN) am Samstag. Gebuchte Tickets können kostenlos storniert werden.„Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist an diesem Wochenende stark von der Rekord-Hitze betroffen“, erklärten DB und BSN. „Auch der Schienenverkehr leidet unter den Extrem-Temperaturen. Zusätzlich warnt der Deutsche Wetterdienst vor Gewittern mit Starkregen.“ Im Bahnverkehr komme es daher zu Verzögerungen und Zugausfällen.Die Bahn hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, wegen der aktuellen Hitzewelle Störungen im Zugbetrieb zu erwarten, und eine Sonderkulanz eingerichtet. Fahrgäste, die bis 23. Juni ein Ticket für eine Reise im DB Fernverkehr bis einschließlich 30. Juni gebucht haben, können ihren Fahrschein kostenfrei stornieren.Wegen der hohen Temperaturen hat die Bahn nun nach eigenen Angaben an allen großen Bahnhöfen zusätzliche Servicekräfte im Einsatz. „In den Bahnhöfen können Fahrgäste an der DB Information außerdem Getränkegutscheine erhalten und diese in vielen Bahnhofsgeschäften mit Getränkeangebot sofort einlösen“, erklärte das Unternehmen. 23-Jähriger ist im Starnberger See ertrunkenEin 23-Jähriger ist beim Baden im Starnberger See ertrunken. Der junge Mann sei am Freitag von einem Boot in den See gesprungen und dann kurze Zeit später untergegangen, wie die Polizei mitteilte. Auch ein 26-Jähriger sprang demnach von dem Boot. Er habe laut einem Polizeisprecher noch zu einem anderen Boot schwimmen können.Mehrere Zeugen versuchten den jungen Mann noch aus dem Wasser zu retten, jedoch ohne Erfolg. Taucher fanden später den 23-Jährigen in etwa acht Metern Tiefe.„Offene Gewässer sind keine Schwimmbäder“, mahnt Thomas Huber, der Landesvorsitzende der Wasserwacht Bayern. Entfernung, Kälte, Erschöpfung oder ein kurzer Moment der Unsicherheit könnten schnell lebensgefährlich werden. In diesem Jahr sind bereits mehr als ein Dutzend Menschen in Bayern beim Baden gestorben. Umweltbundesamt fordert mehr Hitzeschutz von den KommunenDie Städte in Deutschland können laut Umweltbundesamt (UBA) einiges tun gegen Hitze. „Hitzeschutz in Städten muss zur Daueraufgabe werden. Wir brauchen Hitzeaktionspläne, die Zuständigkeiten und den Schutz besonders gefährdeter Gruppen regeln“, sagte UBA-Präsident Dirk Messner der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Mit mehr Stadtbäumen, zusätzlicher Verschattung und der Entsiegelung von Flächen können wir die Temperaturen in den Städten aktiv senken und die Bildung von Hitzeinseln reduzieren.“Vieles lasse sich sofort umsetzen, betonte Messner. „Kommunen können Trinkwasser bereitstellen, kühle Orte aktiv ausweisen und Bibliotheken oder Kultureinrichtungen als Rückzugsorte öffnen.“ Besonders wirksam seien Maßnahmen, die helfen, Regenwasser zurückzuhalten und es langsam wieder abzugeben, also zum Beispiel Dach- und Fassadenbegrünung, entsiegelte Flächen, künstliche Gewässer und Zisternen. Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheim wurden wegen Hitze medizinisch versorgtIn Dormagen sind wegen gefährlicher Hitzeentwicklung zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner eines Seniorenheims aus dem Gebäude gebracht und medizinisch versorgt worden. In der Nacht sei ein Bewohner gestorben, ob die Hitze ursächlich war, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher der Stadt im Rhein-Neuss-Kreis auf dpa-Anfrage. Man habe sich am Morgen zu umfassenden vorsorglichen Maßnahmen entschieden.Seit 7.00 Uhr waren Kräfte in dem überhitzten Gebäude im Einsatz, in dem rund 160 Seniorinnen und Senioren leben, wie es aus dem Umfeld des Feuerwehr-Einsatzes hieß. Der Stadt-Sprecher schilderte nach einer Krisensitzung, es sei zu Temperaturen bis 35 Grad gekommen. Mehrere Krankenwagen standen vor der Einrichtung bereit, wie ein dpa-Reporter schilderte.Derzeit wird laut Stadtsprecher weiter geprüft, wer außerhalb des Gebäudes betreut werden muss. Bisher handele es sich um zehn Personen. „Wer medizinisch versorgt werden muss, den holen wir raus.“ Bei anderen Bewohnern könne es ausreichen, von oberen Etagen in die unteren, kühleren Bereiche zu wechseln. In einer Cafeteria habe man externe Klimageräte aufgebaut. Laut Homepage verfügt die Seniorenresidenz über 172 Pflegeplätze.Achtjähriger Junge tot aus Badesee geborgenEin acht Jahre alter Junge ist nach etwa zweistündiger Suche tot aus einem Badesee in Isernhagen bei Hannover geborgen worden. Das Kind habe sich den ersten Hinweisen zufolge im Wasser aufgehalten und sei dann nicht mehr zu sehen gewesen, teilte die Polizei am Nachmittag mit. Am Freitagabend bestätigte die Polizei den Tod des Jungen.Rund 60 Einsatzkräfte waren nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Isernhagen an der Suche beteiligt, unter anderem mit einem Polizeihubschrauber und einem Sonarboot, um den Grund des Sees zu erkunden. Freiwillige Helfer und Einsatzkräfte bildeten eine Menschenkette, um das Wasser systematisch abzusuchen. Doch erst nach etwa zwei Stunden wurde der Junge von Tauchern gefunden. Er sei dem Rettungsdienst übergeben und unter Reanimation in ein Krankenhaus gebracht worden.Die Polizei war nach eigenen Angaben am Freitag kurz nach 15 Uhr alarmiert worden. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtete, das Kind sei mit einem etwa gleichaltrigen Freund und einem erwachsenen Mann an dem See gewesen und beim Baden untergegangen. Zum Unglückszeitpunkt waren dem Bericht zufolge etwa 500 Menschen auf dem Gelände.Auch Tiere können an diesem Wochenende eine Erfrischung gebrauchen. Zoos lassen sich dafür einiges einfallen:Im Zoo in Rostock erhalten Robben eine sogenannte Eisbombe: Futter, das in Eisblöcken eingefroren ist, etwa Fisch. Die Eisbomben werden auch ins Wasser geworfen, damit die Tiere spielerisch an ihr Futter kommen und sich dabei abkühlen.Auch die Rostocker Eisbären werden mit Eisbomben versorgt. Zudem verfügen sie laut Zoo über große, kühle, beschattete Boxen aus Beton, die auch bei extremen Außentemperaturen eine angenehme Rückzugsmöglichkeit bieten. „Da die Tiere in Europa geboren wurden, sind sie bis zu einem gewissen Grad an die hiesigen Temperaturen gewöhnt“, erklärt eine Sprecherin. Ihre großen Wasserbecken stünden ebenfalls zur Abkühlung bereit. „An besonders heißen Tagen sorgen die Tierpflegerinnen und Tierpfleger für eine direkte, erfrischende Dusche.“In Schwerin werden die Ameisenbären im Zoo abgeduscht. „Es geht einfach darum, dass die auch relativ dichtes Fell haben, dass die immer mal wieder eine Erfrischung haben", sagt Sprecherin Anne Schilling der Nachrichtenagentur dpa. Grundsätzlich könnten sie die Temperaturen aber gut vertragen. Kessel Festival in Stuttgart wegen Hitze abgesagtDas Kessel Festival in Stuttgart ist wegen der außergewöhnlichen Hitze abgesagt worden. Der Gesundheitsschutz der Gäste, von Mitarbeitenden und Künstlerinnen und Künstlern stehe an erster Stelle, teilte der Veranstalter mit. Das Festival habe am Freitag mit einem erweiterten Schutzkonzept stattgefunden, die Sicherheit des zweiten Veranstaltungstags könne bei den erwarteten noch höheren Temperaturen jedoch nicht gewährleistet werden.Fabian DrahmouneHausärzteverband: Politik muss endlich beim Hitzeschutz handelnDer Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vorgeworfen. „Die Bundesregierung lässt die Praxen beim Hitzeschutz im Stich“, sagte die Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. „Den jahrelangen Ankündigungen, man werde das Thema Hitzeschutz endlich priorisieren, sind keine Taten gefolgt." „Die Politik muss endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und beim Hitzeschutz handeln, statt sich darauf zu beschränken, immer wenn es heiß wird, eine Absichtserklärung nach der anderen zu veröffentlichen“, betonte Buhlinger-Göpfarth. Sie erinnerte daran, dass die damalige Bundesregierung bereits vor drei Jahren ein umfassendes Maßnahmenpaket zum Hitzeschutz angekündigt habe. Dazu habe auch gehört, die medizinische Aufklärung während Hitzewellen in Hausarztpraxen zu vergüten.„Bis heute ist de facto nichts passiert“, kritisierte die Verbandsvorsitzende. Sobald der Sommer vorbei gewesen sei, sei das Thema wieder von der politischen Agenda verschwunden. Angesichts der aktuellen Hitzewelle sieht der Verband insbesondere ältere Menschen und chronisch Kranke in Gefahr.Philipp von ReinersdorffTemperaturrekorde in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-PfalzIn mehreren deutschen Bundesländern sind nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Freitag neue Höchsttemperaturen gemessen worden. In der hessischen Metropole Frankfurt wurden demnach 40,3 Grad erreicht. Damit wurde der bisherige Rekord an einer DWD-Wetterstation in Hessen von 40,2 Grad aus dem Juli 2019 in Frankfurt übertroffen.In Bayern hat der DWD nach vorläufigen Angaben mit 40,8 Grad im unterfränkischen Kitzingen die höchste Temperatur registriert, die jemals in Bayern gemessen wurde.Auch Baden-Württemberg erreicht den Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnung der Wetterdaten: In Waghäusel-Kirrlach im Landkreis Karlsruhe sind am Freitag 40,6 Grad gemessen worden, wie der DWD mitteilte. Der bisherige Temperaturrekord lag bei 40,3 Grad am 20. Juli 2022 in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis).Rheinland-Pfalz hat nach Daten des DWD ebenfalls seinen Temperaturrekord geknackt. Am Freitag sind in Bad Kreuznach 40,7 Grad gemessen worden. Damit wurde der bisherige Rekord von 40,6 Grad aus dem Jahr 2019 in Trier übertroffen.Neuer Hitzerekord in der Schweiz – Kernkraftwerk Beznau heruntergefahren Auch in der Schweiz ist am Freitag mit 38,8 Grad ein neuer Hitzerekord für den Monat Juni verzeichnet worden. „Die Hitze geht unvermindert weiter“, erklärte der Wetterdienst Meteoschweiz im Onlinedienst X. Demnach war es an der Wetterstation Basel/Binningen sogar „mit 38,8 Grad so heiß wie noch nie seit Messbeginn im Jahr 1897“. Erst am Donnerstag hatte die Schweiz den bisherigen Juni-Rekord von 36,9 Grad aus dem Jahr 1947 gebrochen. Wegen der starken Hitze wurden am Freitagnachmittag die beiden Reaktoren des Schweizer Kernkraftwerkes Beznau in der Nähe zur deutschen Grenze heruntergefahren. Damit solle ein weiterer Temperaturanstieg der Aare, mit deren Wasser die Reaktoren gekühlt werden, verhindert werden, teilte der Energiekonzern Axpo mit. Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag habe die Wassertempreatur 25 Grad betragen. „Eine ausreichende Abkühlung ist nicht in Sicht." In der Schweiz sind noch vier alte Atomreaktoren in Betrieb. Zwei von ihnen, die Anlagen Beznau 1 und Beznau 2, sollen in den Jahren 2033 beziehungsweise 2032 abgeschaltet werden. Das Akw Beznau liegt nahe der deutschen Grenze. Der dortige Reaktor 1 ist seit 1969 in Betrieb und damit der älteste noch laufende Atomreaktor der Welt. 41,3 Grad Celsius gemessen – neuer Temperaturhöchstwert in DeutschlandMit 41,3 Grad ist am Freitag die bislang höchste Temperatur in Deutschland überhaupt registriert worden. Der Rekordwert wurde gegen 17.00 Uhr in Saarbrücken gemessen, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der Nachrichtenagentur AFP sagte. Bisher lag die Höchstmarke bei 41,2 Grad – gemessen 2019 in den nordrhein-westfälischen Gemeinden Tönisvorst und Duisburg-Baerl.Extreme Hitze in Großbritannien hält an – drei Mal in Folge ein neuer TemperaturhöchstwertGroßbritannien hat am Freitag den dritten Tag in Folge einen neuen Temperaturhöchstwert für den Monat Juni verzeichnet. In Wattisham in der Grafschaft Suffolk im Südosten Englands wurden 36,9 Grad gemessen, wie die Wetterbehörde Met Office mitteilte. „Und die Temperaturen steigen weiter“, erklärte sie im Onlinedienst X. Am Vortag war das Thermometer in Merryfield in der Grafschaft Somerset im Südwesten Englands auf 36,7 Grad gestiegen.Seit Mittwoch gilt wegen „extremer Hitze“ die Alarmstufe Rot. Sie wurde am Freitag bis Sonntagmorgen 9.00 Uhr (Ortszeit, 10.00 Uhr MESZ) für den Südwesten und Südosten Englands einschließlich der Hauptstadt London verlängert. Mehr ladenTickarooLive Blog Software
Hitze-Liveblog: Deutsche Bahn bittet um Vermeidung von Reisen | FAZ
Umweltbundesamt fordert mehr Hitzeschutz von den Kommunen +++ Hausärzte werfen Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor +++ 41,3 Grad Celsius – neuer Temperaturhöchstwert in Deutschland gemessen +++ alle Entwicklungen im Liveblog













