40,9 Grad Celsius in Deutschland gemessen – neuer TemperaturhöchstwertIn Deutschland sind erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in einem Juni mehr als 40 Grad Celsius gemessen worden. An einer Wetterstation in Saarbrücken wurden nach den vorläufigen Messungen am Freitag 40,9 Grad gemessen, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der bisherige Juni-Rekordwert lag bei 39,6 Grad.Wissenschaftler: Hitzewelle hängt eindeutig mit Klimawandel zusammenDie Intensität der derzeitigen Hitzewelle in Europa hängt nach Einschätzung einer Wissenschaftlergruppe mit dem Klimawandel zusammen. „Der Klimawandel ist eindeutig dafür verantwortlich“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie der internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA). Die natürliche Wärmephase durch das Wetterphänomen El Niño spiele hingegen „keine Rolle bei der Steigerung der Hitze“. Die derzeitigen extrem hohen Temperaturen am Tag und in der Nacht wären den Forschern zufolge zu diesem Zeitpunkt im Jahr vor 50 Jahren „praktisch unmöglich“ gewesen.Die Wissenschaftler verglichen die aktuelle Lage unter anderem mit der ebenfalls außergewöhnlichen Hitzewelle von 1976. Eine vergleichbare Hitzewelle wäre vor einem halben Jahrhundert im Juni tagsüber um 3,5 Grad und nachts um 2,4 Grad weniger heiß gewesen, berechneten sie.Besonders gefährlich für Menschen sei die Kombination aus hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.Kinder lieben an heißen Tagen das Chaos im Freibad. Viele Erwachsene versetzt es in Stress. Lässt sich das ändern? Mit dieser Frage beschäftigt sich Sebastian Eder in seinem Text.Bund Naturschutz: „Es droht ein Massensterben“Durch die aktuelle Hitze trocknen in Bayern derzeit Moore, Quellen und Tümpel aus. Der Bund Naturschutz warnt deshalb mit deutlichen Worten: „Unsere Feuchtgebiete in Bayern sind in größter Not“, teilte BN-Chef Martin Geilhufe mit. „Wo Moore austrocknen und Quellen und Tümpel versiegen, sterben ganze Lebensgemeinschaften. Amphibien, Wasserinsekten wie Libellen, Wasserkäfer und viele weitere Arten sind in akuter Gefahr – es droht ein Massensterben.“ Französisches Gesundheitsministerium: „Besorgt über Todesfälle zu Hause"Nach einer Woche mit Extremtemperaturen rechnet die französische Regierung damit, dass zahlreiche Menschen wegen der Hitze in ihren eigenen vier Wänden ums Leben gekommen sind. „Wir sind besorgt über landesweite Todesfälle zu Hause“, erklärte das Gesundheitsministerium am Freitag. Die jüngste Hitzewelle hat in ihrer Ausdehnung und Intensität bereits eine Hitzewelle von 2003 übertroffen, die in Frankreich zu 15.000 Todesfällen geführt hatte.„Viele Menschen sterben, bevor sie es ins Krankenhaus schaffen“, sagte Philippe Juvin, Chef einer Pariser Notaufnahme. In seinem Krankenhaus sei die Lage „sehr ernst“. Der Zustrom von Patienten reiße nicht ab.Paris: Supermärkte liefern Eiswürfel an RettungskräfteAngesichts der extremen Hitzewelle stellen mehrere französische Supermarktketten den Rettungskräften in Paris Eiswürfel und Kühlräume zur Verfügung, um Hitzepatienten versorgen zu können. Etwa 20 Tonnen Eiswürfel lagerten derzeit in einer Eissportarena, teilte die Pariser Feuerwehr am Freitag mit. Die Supermarktkette Carrefour ließ – von einer Polizeieskorte begleitet – vier Tonnen Eis aus einem Lager im Umland von Paris in die Hauptstadt bringen, wie Carrefour-Chef Alexandre Bompard mitteilte. Die auf Tiefkühlprodukte spezialisierte Kette Picard stellte den Pariser Rettungskräften Kühlräume zur Verfügung. Das Eis wird benötigt, um Patienten zu versorgen, die einen Hitzschlag erlitten haben. In Paris herrschten am Donnerstag Temperaturen von bis zu 42 Grad, die Krankenhäuser waren überlastet. Bahn warnt vor WeichenschädenDie Bahn bietet an, gebuchte Fernverkehrsfahrten für die Tage bis zum 30. Juni kostenfrei zu stornieren – eine sogenannte erstmalige Hitze-Sonderkulanz. „Allen, die in dieser extremen Wetterlage auf ihre Fahrt verzichten können, legen wir die Sonderregelung zur Stornierung nahe“, hieß es von der Bahn. Weichen sowie Leit- und Sicherheitstechnik können bei den hohen Temperaturen und stundenlanger direkter Sonneneinstrahlung Schaden nehmen. Das kann zu weiteren Problemen auf dem ohnehin stark störanfälligen Netz der Bahn führen. Bodensee auf historisch niedrigstem Juni-Stand Das Wasser im Bodensee steht so niedrig wie noch nie im Monat Juni. Laut dem Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung betrug der Wasserstand am Pegel Konstanz zuletzt 3,30 Meter. Es werde angesichts der Hitze der letzten Tage mehr Trinkwasser nachgefragt und die Wasserabgabe steige deutlich, wie eine Sprecherin sagte. Die Versorgung im Verbandsgebiet sei aber nicht gefährdet. In 60 Meter Tiefe, wo das Wasser gefördert werde, sei ausreichend Wasser vorhanden. Laut früheren Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) steigt der Wasserstand im größten deutschen See in normalen Jahren ab Anfang April langsam und stetig. Zuletzt hatte er aber sogar Wasser verloren. Der aktuelle Wert liege mittlerweile rund einen Meter unter dem langjährigen Mittelwert von 4,32 Metern, hatte die LUBW diese Woche mitgeteilt.In der Mosel droht ein FischsterbenDie hohen Wassertemperaturen in der Mosel haben den Sauerstoffgehalt vor allem am Oberlauf des Flusses so sinken lassen, dass dort ein Fischsterben droht. Das teilte das Umweltministerium in Mainz mit. Im Bereich von Palzem im Landkreis Trier-Saarburg liegt die Sauerstoffkonzentration im Wasser demnach mit 2,6 Milligramm pro Liter unter der für Fische kritischen Marke von 3 Milligramm. „An der Obermosel können wir ein Fischsterben nicht ausschließen“, erklärte Landwirtschafts- und Umweltministerin Christine Schneider (CDU). Die höchsten Wassertemperaturen erreichten sowohl Mosel als auch Rhein laut der Informationsplattform Undine der Bundesanstalt für Gewässerkunde am Freitag um 7.00 Uhr mit 28 Grad in Koblenz, wo beide Flüsse zusammenfließen.Marburger Bund: Krankenhäuser nicht auf Hitze vorbereitetDeutschlands Krankenhäuser sind nach Einschätzung des Marburger Bundes schlecht auf Hitzewellen vorbereitet. Nur ein Drittel der Häuser verfüge über klimatisierte Patientenzimmer, sagte die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft, Susanne Johna, am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Operationssäle und Radiologie seien aus technischen Gründen gekühlt, erläuterte sie. Und auch die meisten Intensivstationen seien mittlerweile klimatisiert. „Aber dann hört es auch schon fast auf.“ Teilweise würden Angehörige aufgefordert, Kühl-Akkus mitzubringen, um den Patienten Erleichterung zu verschaffen. Ventilatoren seien aus hygienischen Gründen in vielen Krankenhausbereichen problematisch.Johna forderte Politik, Architekten und auch Klinikketten dazu auf, Hitzewellen stärker bei der Planung von Gebäuden zu berücksichtigen. Die Bundesländer kämen ihrer Pflicht zur vollständigen Finanzierung der Investitionskosten seit Jahrzehnten nicht nach, sagte sie. „Wir bräuchten natürlich im Wesentlichen Raumlufttechnik und dort, wo Patientinnen und Patienten sind, doch mindestens eine Außenbeschattung der Fenster“, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende weiter. Selbst bei Neubauten werde das oft nicht mitbedacht. „Scheinbar zählt da manchmal mehr die Repräsentativität als die Vernunft.“ Nachstellung der Schlacht von Waterloo abgesagt Die Schlacht von Waterloo fällt in diesem Jahr aus: Die belgischen Organisatoren haben die Nachstellung der Niederlage des französischen Kaisers Napoleon wegen der hohen Temperaturen abgesagt. Sicherheit gehe vor, erklärten sie am Donnerstagabend. Bei der alljährlich stattfindenden Veranstaltung treffen sich hunderte Teilnehmer in historischen Kostümen, um die berühmte Schlacht des Jahres 1815 am Ort des Geschehens nachzustellen. Das Spektakel zieht jedes Jahr tausende Schaulustige an.Großbrand auf ehemaligem Panzerschießplatz flammt wieder aufNachdem der Großbrand auf einem ehemaligen sowjetischen Panzerschießplatz bei Neustrelitz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) in der Nacht an einigen Stellen gestoppt werden konnte, ist das Feuer jetzt erneut aufgeflammt. „130 Hektar haben wir aktuell in Brand“, sagte ein Sprecher des Landkreises der Deutschen Presse-Agentur. Es handele sich um viele kleine Brandherde, die nur schwer zu überblicken seien. 160 Personen sind derzeit im Einsatz. Entlang einer ICE-Strecke, die im Norden liegt, werde jetzt eine Schutzbarriere errichtet. Wie arbeitet ein Arzt, der keine Klimaanlage in seiner Praxis hat? Unser Kolumnist Thomas Assmann beschreibt in seinem Text, wie er mit der Hitze zurechtkommt – und wie viele seiner Patientinnen und Patienten darunter leiden.„ Wissenschaftler wie ich klingen langsam wie eine kaputte Schallplatte. Ja, das ist der Klimawandel, ja, wir sind dafür verantwortlich, nein, es liegt nicht an El Niño, ja, wir haben die Lösungen, nein, wir setzen sie nicht schnell genug um.“Klimatologin Friederike Otto vom Imperial College LondonBevölkerungsschutztag in Freiburg abgesagtDer für diesen Samstag geplante Bevölkerungsschutztag mit zentraler Veranstaltung in Freiburg wurde abgesagt. „Gerade jetzt, wenn das Thermometer immer weiter klettert, möchten wir unsere Bevölkerungsschützer maximal entlasten und ausschließlich dort einsetzen und in Bereitschaft halten, wo sie jetzt am drängendsten gebraucht werden – vor Ort“, sagte Innenminister Manuel Hagel (CDU).Mehr ladenTickarooLive Blog Software
Liveticker: Neuer Temperaturhöchstwert in Deutschland gemessen | FAZ
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