Am Ende der Henselstraße von Klagenfurt, in der Ingeborg Bachmann vor 100 Jahren aufwuchs und zu schreiben begann, liegt der Botanische Garten der Stadt. Dort befindet sich auch der Bunker, in den sich die junge Ingeborg bei Luftalarm im Zweiten Weltkrieg flüchten musste. Auf der Straße vor diesem Elternhaus steht jetzt ihr jüngerer Bruder, Heinz Bachmann, es ist der Abend des hundertsten Geburtstags seiner Schwester, Donnerstag, 25. Juni 2026, und er erzählt von ihr. Und die Leute, die sich hier zum Straßenfest vor der Nummer 26 versammelt haben, der Bürgermeister, die Presse, ganz normale Klagenfurterinnen und Klagenfurter, hören still zu.„Ich denke an den Frühling 1945“, sagt Heinz Bachmann, an die Tage, als seine Schwester sich schwor, nicht mehr in den Bunker zu gehen. Heinz Bachmann zitiert aus ihrem Tagebuch: „Die Tage sind so sonnig, ich habe einen Sessel in den Garten gestellt und lese . . . Ich habe mir fest vorgenommen weiterzulesen, wenn die Bomben kommen.“ Da steht er, elegant im weißen Sommeranzug, 87 Jahre alt, unverkennbar der Bruder seiner Schwester, und er erzählt von Ingeborg, von dem „Mädchen, das schon früh wusste: Die Welt lässt sich nicht hinnehmen, wie sie ist, sie muss erzählt, befragt und herausgefordert werden.“