Die Gruta de Escoural östlich von Lissabon wurde bereits von Neandertalern bewohnt und diente in der Jungsteinzeit als Bestattungsstätte. Noch in prähistorischer Zeit aber geriet sie Vergessenheit. Erst 1963 wurde die Kaverne wiederentdeckt und dabei auch die altsteinzeitlichen Höhlenmalereien darin. Es sind keine spektakulären Tierbilder, sondern sie bestehen vornehmlich aus roten und schwarzen Strichen. Aber eines der Gemälde ist das erste, in dem DNA prähistorischer Menschen entdeckt wurde.Den Fund haben Forscher um Matthias Meyer und Alba Bossoms Mesa vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (EVA) in Leipzig nun in Nature Communications veröffentlicht. Die Daten für ihre Untersuchung gewannen sie im Rahmen des Projektes „First Art“. Es hat zum Ziel, die frühe Höhlenkunst auf der iberischen Halbinsel zu dokumentieren, zu datieren und die verwendeten Pigmente chemisch zu analysieren.Höhlenwand in der Grota der Escoural, an der menschliche DNA gefunden wurde.Kevin NotaUm herauszufinden, ob sich dort auch vorzeitliche DNA-Reste erhalten hat, wurden am EVA Proben aus insgesamt 24 bemalten Flächen in Höhlen der Region untersucht, darunter auch aus der mit berühmten Malereien versehenen Höhle von Altamira im Norden Spaniens. Doch nur in Escoural und in der spanischen Covarón-Höhle gab es tatsächlich Spuren alter DNA, und nur in der portugiesischen Höhle fanden sie sich in Farbpigmenten auf Kalksinter, der die Höhlenwand bedeckt.Dabei handelt es sich um sogenannte mitochondriale und um Zellkern-DNA von anatomisch modernen Menschen – ohne Spuren von Erbmaterial anderer Säugetiere. Das weise daraufhin, dass diese DNA durch direkten Kontakt dorthin gelangte, „etwa durch Berührung, Reiben oder das Aufbringen von Körperflüssigkeiten“, schreiben die Forscher. Im Unterschied dazu waren in drei der zu Kontrollzwecken entnommenen Proben von unbemalten Höhlenwänden – eine aus Escoural und zwei aus Covarón – zwar auch menschliche DNA gefunden worden, aber nur zusammen mit solcher von Tieren. Hier durfte es sich um indirekte Deponierung der Erbsubstanz handeln, etwa durch Verfrachtung von Sediment.Unklar bleibt allerdings, ob es sich um die DNA der Schöpfer der Malerei handelt. Sofern moderne Kontaminationen ausgeschlossen werden kann, lebten die Menschen, von denen die gefundenen Erbmoleküle stammen, vor mindestens zweitausend Jahren. Die DNA könnte sogar noch viel älter sein und tatsächlich zu den Menschen der Kulturstufen des Gravettiens oder Magdaléniens gehören, die vor 25.000 bis 15.000 Jahren jene Gemälde hinterließen. Nur sicher sagen oder gar beweisen könne man das nicht. Die Entdeckung zeige aber, so schreiben die Forscher, dass Erbmoleküle an Höhlenwänden Jahrtausende überdauern können.Allerdings räumen die Autoren ein, dass die Chancen auf Erbsubstanz in altsteinzeitlicher Wandfarbe generell wohl nicht besonders hoch sind. Trotz der vergleichsweise günstigen Erhaltungsbedingungen, die in den Höhlen herrschten, sei man schließlich nur in einer von 24 bemalten Wandflächen fündig geworden. Selbst in Altamira blieb der Nachweis aus, obgleich einige der Malereien dort in einer Art Airbrush-Verfahren aufgebracht wurden: Pigmentpulver wurde dabei durch hohle Knochen auf die Höhlenwand geblasen. Ein solcher Knochen mit Farbresten ist erhalten und wurde in der aktuellen Arbeit ebenfalls auf DNA-Reste des Künstlers untersucht, der damals zusammen mit dem Farbpulver auch etwas Speichel und damit seine DNA durch den Knochen gepustet haben musste. Aber selbst hier wurde nichts davon gefunden.
Menschliche DNA in altsteinzeitlicher Höhlenmalerei
Wo Menschen sind, hinterlassen sie oft Spuren ihres Erbmaterials. Jetzt wurden welche im Pigment einer altsteinzeitlichen Höhlenmalerei gefunden.












