Christian Lindner geht Bundeskanzler Friedrich Merz für seine Aussagen zur neuen Kapitalrente scharf an. „Man fragt sich, was hat Friedrich Merz früher beruflich gemacht“, sagte der ehemalige Bundesfinanzminister und FDP-Vorsitzende im Interview mit dem Tagesspiegel.Merz hatte am Dienstag die Beitragserhöhung um zwei Prozentpunkte durch die Kapitalrente damit gerechtfertigt, dass dem deutschen Kapitalmarkt mindestens 30 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stünden. „Das Argument überrascht wirklich“, sagte Lindner. Der frühere FDP-Politiker verwies zudem darauf, dass das angesparte Geld für den Kapitalstock überwiegend nicht in Deutschland angelegt werden dürfe. „Das muss weltweit diversifiziert werden, um eine im Risiko gestreute, sichere und profitable Anlage zu haben.“Dass die SPD offen ist, die Rente mit 63 abzuschaffen oder die Lebensarbeitszeit zu verlängern, hat er nicht erwartet. „Diese Elemente der Rentenpolitik waren rote Heiligtümer“, sagte Lindner: „Das wäre ein Gewinn für das Land, aber auch der erste große Sieg der Union über den Koalitionspartner.“ Er vermutet, dass Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) mit ihrem parteiinternen Widerstand nicht allein bleiben wird. „In jedem Fall könnten nach den Landtagswahlen ganz neue Führungsfragen bei der SPD aufgeworfen werden.“Lindners Vorschlag einer Aktienrente wurde in den Ampel-Koalitionsverhandlungen deutlich abgeschwächt. „Nach meiner Erinnerung war eine Einigung mit der SPD leichter möglich als mit den Grünen", sagt der frühere FDP-Chef heute. Nur die Grünen hätten noch mehr Skepsis in Kapitalmarktfragen gehabt. „Übrigens kam noch schärfere Kritik aus der Opposition vom heutigen Bundeskanzler.“Anders als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hält Lindner das Rentenpaket daher auch nicht für ein „Gesamtkunstwerk“. „Ich würde nicht von einem Kunstwerk sprechen“, sagte er. Es gebe einige problematische Punkte, die aus wirtschafts- und finanzpolitischer Sicht dringend geprüft und möglichst verworfen werden sollten. Es bleibe aber „ein gutes Werkstück für die politische Debatte“.Hinweis: Das vollständige Interview mit dem ehemaligen Bundesfinanzminister lesen Sie ab Freitagabend im E-Paper sowie ab Samstagmorgen auf Tagesspiegel.de
Ex-FDP-Chef Lindner kritisiert Kanzler für Kapitalrente: „Man fragt sich, was hat Friedrich Merz früher beruflich gemacht“
Durch die Kapitalrente würden Firmen und Beschäftigte höhere Beiträge zahlen. Eine Begründung des Bundeskanzlers hält Christian Lindner für vorgeschoben. In der SPD erwartet er ein hartes Ringen um die Rente.














