Kanzler Merz hat zugesagt, dass die Bundesregierung die Empfehlungen der Rentenkommission für eine Reform der Altersversorgung vollständig umsetzt: „Zwei Ziele: Die Rente bleibt sicher, die Lasten werden gerecht verteilt.“Bundeskanzler Merz betont, dass alle Elemente des Reformpakets umgesetzt werden müssen. Die SPD sieht hingegen Diskussionsbedarf. Kritik kommt unter anderem von Linkspartei und FDP. Alle News im Liveticker.Nach der Rentenkommission ist jetzt die Bundesregierung am Zug. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) beziehen Stellung zu den 33 Empfehlungen des Expertengremiums. Gegenwind kommt aus diversen Richtungen.Verfolgen Sie alle Entwicklungen zur Rentenreform im Liveticker:11:08 Uhr – Dienstag, 23. Juni„Böse Zungen könnten behaupten, der Kanzler lüge“, schreibt der FDP-General Laut FDP-Generalsekretär Martin Hagen werden die Rentenbeiträge trotz Reform in Zukunft steigen. „Es ist wichtig, dass wir jetzt auf eine ambitionierte Aktienrente setzen“, schreibt er auf X. „Aber zur Wahrheit gehört: Mit dem vorliegenden Vorschlag werden die Beiträge nicht sinken, sondern steigen (+2%). Böse Zungen könnten behaupten, der Kanzler lüge.“09:16 Uhr – Dienstag, 23. JuniMerz will Renten-Empfehlungen vollständig umsetzenMerz weiter: „Das Paket erfüllt zwei Ziele: Die Rente bleibt sicher und die Lasten werden gerecht verteilt. Wir wissen schon lange, dass sich das Zahlenverhältnis zwischen den Generationen verschiebt. Immer weniger Beitragszahler müssen die Renten für immer mehr Rentner aufbringen.“Diese Reform zeige: „Wir werden in Zukunft nicht mehr Jahr für Jahr um Beitragszahlen streiten.“ Die gesetzliche Rente bleibe die wichtigste Säule im System. „Es muss sich kein Bürger Sorgen machen. Der soziale Ausgleich bleibt bestehen.“ Er sagte zu, dass die Bundesregierung die Empfehlungen vollständig umsetzt. „Alle Elemente dieses Reformpakets, ich betone, alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden“, sagte er weiter. „Wir können es uns nicht erlauben, einzelne Maßnahmen herauszunehmen oder abzulehnen.“13:23 Uhr – Dienstag, 23. JuniKubicki sieht Selbständige als Verlierer der ReformFDP-Chef Wolfgang Kubicki kritisiert die Rentenreform von Schwarz-Rot: „Ich glaube, wenn man in der jetzigen Phase Arbeit teurer macht, indem man Arbeitnehmern und Arbeitgebern noch einmal die zwei Prozent für die kapitalgedeckte Rente obendrauf bürdet, führt das nicht zu mehr Beschäftigung, sondern zu weiterer Abwanderung“, sagt er bei WELT TV.Er bezieht sich auf den geplanten zusätzlichen Beitragssatz von zwei Prozent, der in Schritten von 0,5 Prozentpunkten über vier Jahre hinweg erhoben werden soll.Man mache „momentan Löhne teurer, Arbeitskosten teurer“. Welche Wachstumsimpulse hingegen freigesetzt werden, sei gar nicht geklärt worden.Selbstständige sieht er als Verlierer der Beschlüsse: Man solle dieser Gruppe ermöglichen, ihr Geld kapitalgedeckt anzulegen, statt sie in die gesetzliche Rentenversicherung zu packen, fordert der FDP-Chef. „Wir erschweren Selbstständigkeit (…) und das ist etwas, was mit Gerechtigkeit gar nichts zu tun hat.“FDP-Parteivorsitzender Wolfgang Kubicki bewertet die Rentenreform kritisch. Er lobt die Aktienrente, warnt aber vor Belastungen für Selbstständige: „Wir erschweren damit Selbständigkeit, das hat mit Gerechtigkeit nichts zu tun“, so Kubicki.11:34 Uhr – Dienstag, 23. JuniLinke befürchten AltersarmutDie Linken befürchten eine wachsende Altersarmut als Folge der geplanten Rentenreform. Die Pläne der Bundesregierung bedeuteten vor allem Rentenkürzungen, erklärt die Linksfraktion im Sächsischen Landtag. „Die Statistik der Lebenserwartung sagt nichts über die Erwerbsbiografien der Menschen aus. Viele können schon heute nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten – ihre Altersbezüge werden also gekürzt, wenn der Renteneintritt weiter verschoben wird.“ Selbst 45 Beitragsjahre genügten bald nicht mehr, um den wohlverdienten Ruhestand antreten zu können, so Fraktionschefin Susanne Schaper. „Die gesetzliche Rente kann und muss eine sichere Bank für alle sein. Die Zahl derjenigen, die sie im Alter nicht ausreichend absichert, wächst aber auch in Sachsen scheinbar unaufhaltsam.“10:18 Uhr – Dienstag, 23. JuniKapitalrente hilft vor allem GeringverdienernDer Ökonom Jörg Rocholl, Experte in der Kommission für die Kapitalrente, betont, der Vorschlag habe nichts mit individueller Börsenspekulation zu tun. „Wir wollen die Menschen für ihre gesetzliche Rente eben bewusst nicht individuell irgendwie am Kapitalmarkt hantieren lassen“, sagte er.Besonders wichtig sei der Ansatz aus seiner Sicht für Menschen mit geringeren Einkommen. „Ich halte die Kapitaldeckung für besonders wichtig als sozialpolitische Maßnahme“, sagte Rocholl. Wenn allen Menschen verpflichtend Zugang zu den Renditen breiter Kapitalmärkte verschafft werde, sei das „gerade kein Elitenprojekt“, sondern könne helfen, Altersarmut zu begrenzen und den Lebensstandard im Alter zu verbessern. 09:54 Uhr – Dienstag, 23. Juni„Ein zentrales Versprechen unseres Sozialstaates“Acht Wissenschaftler saßen der Rentenkommission bei, sagt der Vorsitzende der Rentenkommission, Frank-Jürgen Weise, im Anschluss. Sie hätten „einen guten Blick auf das Thema“ bewiesen. „Sie hatten mit der Deutschen Rentenversicherung einen verlässlichen, guten Partner am Tisch.“Constanze Janda, ebenfalls Vorsitzende der Rentenkommission, sagt: „Die gesetzliche Rentenversicherung ist ein zentrales Versprechen unseres Sozialstaates.“ Es trage seit vielen Jahrzehnten. „Die Rentenversicherung ist nicht am Ende.“ Man müsse es aber an geänderte Rahmenbedinugnen anpassen.Immer weniger Beitragszahler müssten das System finanzieren. „Wir müssen jetzt handeln, um die Rente dauerhaft zu stabilisieren. Die Reform wird langfristig wirken, hat die junge Generation im Blick, ohne die alte Generation abzuhängen.“ 09:32 Uhr – Dienstag, 23. Juni„Wir werden uns das ganz genau anschauen“, sagt BasJetzt spricht Bas von Verantwortung: „Wenn wir diese Reform machen, dann wird es für alle besser.“ Das sei ihre Botschaft. Die jüngere Generation werde später eine höhere Rente haben, als die Rentner heute. Auch das Thema Altersarmut sei berücksichtigt worden.Aber: „Die 33 Empfehlungen werden wir uns ganz genau anschauen“, sagte Bas und meinte damit auch Kanzler Merz. Sie schiebt hinterher: „Ich möchte deutlich sagen, ich möchte das Paket umsetzen. Wir müssen dafür sicherlich auch in den eigenen Reihen die Fraktionen mitnehmen.“ Bas sei zuversichtlich. Im Vergleich zum Status quo werde es für alle besser.09:29 Uhr – Dienstag, 23. JuniBas spricht von „Besonderheit“Jetzt kommt Bärbel Bas zu Wort: „Die Erwartungen an die Kommission waren enorm hoch.“ Sie habe in Rekordzeit „ein gutes Gesamtpaket“ abgeliefert. Es sei ein Ergebnis im Konsens, weil alles ineinandergreife. „Das ist eine Besonderheit.“Und weiter: „Wenn wir nichts tun, sind wir bei 46 Prozent Rentenniveau.“ Und das sei keine Option. 09:14 Uhr – Dienstag, 23. JuniMerz: „Sie kehren den Trend um“Merz wählt bei seiner Wortwahl viel Pathos: „Es geht um nicht weniger als um eine weitreichende Entscheidung. Denn Sie kehren den Trend um. Ohne die Reform würde unweigerlich das Rentenniveau sinken.“09:13 Uhr – Dienstag, 23. JuniJetzt geht es los – die Pressekonferenz startetKanzler Merz und SPD-Chefin Bärbel Bas treten vor die Presse. Zum Auftakt sagt der Kanzler: „Die Kommission hat ein ausgewogenes Paket mit insegsamt 33 Einzelmaßnahmen vorgeschlagen“09:07 Uhr – Dienstag, 23. JuniSPD glaubt nicht an 1:1-Umsetzung der RentenvorschlägeAuf den Rentenvorschlägen lässt sich nach Ansicht der SPD gut aufbauen. Der erwartete Gesamtentwurf der Kommission sei „eine sehr gute Grundlage“ für die Diskussion innerhalb der Koalition, sagte SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt im Deutschlandfunk. Sie glaube jedoch nicht, dass der Vorschlag keine Interpretationsspielräume haben werde und die bisher bekannt gewordenen Vorschläge so eins zu eins in der Gesetzesvorlage stehen würden. Dass man das große Ganze infrage stellen werde, glaube sie aber nicht.08:57 Uhr – Dienstag, 23. JuniSo erklärte Bas die neue Renten-SäuleZur Erinnerung: Bas erklärte am Wochenende die neue Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rente. „Politico“-Redakteur Rasmus Buchsteiner fasste den Tenor ihres Vortrags wie folgt zusammen: „Sie müssen sich um nichts kümmern, wenn Sie gesetztlich versichert sind.“08:53 Uhr – Dienstag, 23. JuniBabyboomer in Rente hinterlassen Riesen-Lücke im ArbeitsmarktMit dem Ausscheiden der Babyboomer verliert der deutsche Arbeitsmarkt bis 2040 rund 30,0 Prozent der heutigen Erwerbspersonen. Laut Statistischem Bundesamt werden innerhalb von 15 Jahren die zahlenmäßig stärksten Jahrgänge in den Ruhestand gegangen sein. Bis 2040 werden demnach rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren überschritten haben. Das entspricht 30,0 Prozent aller Erwerbspersonen, die dem Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr zur Verfügung standen.08:16 Uhr – Dienstag, 23. Juni770 Euro mehr dank KapitalrenteDie Rentenkommission erhofft sich von ihrem Vorschlag einer Kapitalrente langfristig ein deutliches Rentenplus für die Versicherten. „Laut unseren Vorausberechnungen könnte der sogenannte Eckrentner im Mittel nach 20 Jahren Ansparzeitraum in der Kapitalrente auf 150 Euro mehr Rente monatlich kommen, nach 45 Jahren sogar auf über 770 Euro mehr“, sagte Kommissionsmitglied Tabea Bucher-Koenen dem „Spiegel“. Sie ist Leiterin des Forschungsbereichs Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte an der Universität Mannheim. Bei den Werten handelt es sich dem Bericht zufolge um sogenannte Realwerte, bezogen auf das Preisniveau des Jahres 2026. Der sogenannte Eckrentner ist eine Bezugsgröße in Rentendebatten: Darunter wird ein fiktiver Rentner verstanden, der 45 Jahre gearbeitet und immer genau das Durchschnittseinkommen verdient hat. Seine Bruttorente liegt nach der im Juli wirksamen Rentenerhöhung bei 1.913,40 Euro. 07:55 Uhr – Dienstag, 23. JuniGrimm für Abschaffung der MinijobsWirtschaftsweise Veronika Grimm begrüßt den Vorschlag, Minijobs weitgehend abzuschaffen. „Dies würde vor allem die Arbeitsanreize für Geringverdiener massiv erhöhen“, sagte sie der „Rheinischen Post“.Weiter meinte Grimm, es sei richtig, „die Beamten nicht in die gesetzliche Rentenversicherung zu integrieren. Es würde, wie die Kommission richtigerweise anmerkt, nichts bringen – außer einen enormen Aufwand.“Veronika GrimmQuelle: picture alliance/ABBfoto/-07:52 Uhr – Dienstag, 23. Juni6000 Euro dank neuer ZusatzrenteDie Zusatzrente aus Kapitalanlagen ist laut Versicherungslobby GDV ein wichtiger Baustein, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. „Ein heute 30-jähriger Versicherter mit durchschnittlichem Einkommen, der ab 2027 entsprechend den Kommissionsvorschlägen kapitalgedeckt in der gesetzlichen Rente vorsorgt, könnte bis zum Renteneintritt rund 181.000 Euro Versorgungskapital aufbauen“, sagte der stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführer Moritz Schumann. „Sein erster Jahresbeitrag im Jahr 2027 läge bei knapp 1050 Euro. Daraus könnten bei vorsichtiger Rechnung etwa 6050 Euro Jahresrente brutto entstehen.“07:47 Uhr – Dienstag, 23. JuniMerz und Bas sind jetzt am Renten-ZugHeute ist Tag der Rente: Die Kommission der Bundesregierung übergibt um 9 Uhr ihre Vorschläge für eine Reform der Alterssicherung an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Danach wird es um 9.15 Uhr eine Pressekonferenz geben.Vorab waren schon einige Vorschläge bekannt geworden – unter anderem die Abschaffung der „Rente mit 63“, eine Koppelung des Rentenalters an die Lebenserwartung und eine verpflichtende, kapitalgedeckte Zusatzrente.lay mit dpa/AFP/Reuters/AP