Guten Abend, liegen Sie bequem auf einer schwitzresistenten Unterlage? Haben Sie Kühlpacks und Eis griffbereit? Als wäre die Hitze nicht schlimm genug, kommt nun auch noch dieses Spiel um die Ecke. Für Deutschland bedeutungslos, für den Gegner geht es um alles. Nicht nur die Fachfrau weiß: Hier gibt es aus deutscher Sicht wenig zu gewinnen und viel zu verlieren. Ecuador also. Im Fußballjargon würde man das Adjektiv unangenehm wählen, weitere Trivia: etwas größer als Großbritannien, bekannt für Höhenmeter, die Galapagos-Inseln und zähe Unentschieden. Zehn der vergangenen fünfzehn Partien endeten Remis, und weil darunter auch das überraschende 0:0 gegen Curaçao bei dieser WM war, muss Ecuador gewinnen, um unter die acht besten Gruppendritten zu rutschen. Und das Team hat etwas, das Deutschland ab sofort fehlt: einen Linksfuß in der Innenverteidigung. Willian Pacho (Paris St. Germain) wurde im Champions League-Halbfinale gegen Bayern zum besten Spieler des Spiels gekürt. Die robuste Abwehr Ecuadors zu überwinden, das wird heute das Ziel von Julian Nagelsmann werden. Er hat alle Wohlfahrts-Aufrufe (Oliver Baumann) und torbezogenen Forderungen (Deniz Undav) ignoriert und wird seine Startelf nur dort verändern, wo es wehtat. David Raum wird den angeschlagenen Nathaniel Brown ersetzen. Und Antonio Rüdiger kommt für Nico Schlotterbeck, für den das Turnier nach einem Bänderriss beendet ist. Ein sanftes Onboarding, schreibt Oliver Fritsch vor dem Spiel, Rüdiger hat alle Qualitäten, Schlotterbeck zu ersetzen. Wenn Sie auch das Aber lesen wollen, bitte schön. Waren die ersten sechzig Minuten im Spiel gegen die Elfenbeinküste ein Warnsignal und die letzten dreißig ein Moment des Aufbruchs für das deutsche Team? Bald sind wir schlauer. Freuen dürfen wir uns außerdem auf Ecuadors Trainer Sebastián Beccacece, der sich selbst das Ultimatum gab, nur bei einem Sieg seinen Job behalten zu dürfen. Und auf ein Stadion, das auf den Rängen an ein Rapsfeld erinnern wird. Denn die große ecuadorianische Expat-Community wird sehr sicht- und hörbar vertreten sein und vielleicht auch daran erinnern: Schon einmal ist ein Deutscher an ihnen gescheitert. Alexander Humboldt wollte 1802 ihren höchsten Berg, den Chimborazo, erklimmen, musste aber wegen eines Sturms umkehren. Falls Filmfreunde anwesend sind: Rainer Simon hat diese Expedition verfilmt, Jan Josef Liefers gab sein Kinodebüt.Wenn Sie bis hierhin gekommen sind, ohne zu schwitzen, freut mich das für Sie. Im Berliner ZEIT-Büro muss man sich zwischen dem Klimaanlagensetting Schneesturm und der Fenster auf Hitzehölle entscheiden. Sie werden an unseren Postings merken, wie die Sache ausging. Hier sitzen neben mir Laura Jung, Daniel Gerhardt und Lenz Jacobsen, um über den »Egalico« am Spieltag 3 zu berichten. Jakob Weber freut sich als BVB-Fan über die vornehmlich gelbe Bebilderung dieses Blogs. Christian Spiller wird in L.A. das German Wirtshaus aufsuchen und von dort berichten. Uns interessiert vor allem, wie die Pretzel schmeckt. Und Oliver Fritsch hat etwa eine New Yorker Monatsmiete für die Metrofahrt zum Stadion gezahlt. Kann ab jetzt also nur noch einfacher werden. Wir melden uns ab 21:15 Uhr, bis gleich.
Deutschland – Ecuador: Als wäre die Hitze nicht schon schlimm genug
Folgt jetzt noch das Gruppenspiel gegen Ecuador, in dem es nur um die B-Note geht. Zumindest für das deutsche Team. Beim Gegner bangt der Trainer um den Job. Das Liveblog











