Wenn man in Winston-Salem morgens vor die Tür tritt, etwa um Laufen zu gehen, kann es passieren, dass einen schon die stechende Sonne niederdrückt. Es kann aber auch sein, dass die Sonne gar nicht da ist, aber dafür eine Schwüle, die einen sofort an das denken lässt, worüber bei der Weltmeisterschaft so viel geschimpft wird: Trinkpause – jetzt!Aber ganz unabhängig davon, dass es in Deutschland gerade vielerorts noch extremer ist: Um die Fußball-Nationalmannschaft, die bei diesen Bedingungen trainieren muss, braucht sich zu Hause niemand Sorgen zu machen. Vermutlich ist es sogar so, dass ihr die Hitze einen Vorteil verschafft hat. Weil sie, wenn es ernst wurde, plötzlich im Wohlfühlklima kicken konnte, sowohl in der überdachten und runtergekühlten Arena von Houston wie auch im angenehmen Lüftchen von Toronto, wo das Team von Julian Nagelsmann gegen die Elfenbeinküste spät noch eine zweite Luft bekam.Erster Auftritt im Final-StadionDas ist zwar noch kein Coolness-Faktor, der einen zum Weltmeister macht. Aber willkommen war dieser insgesamt sanfte Einstieg in das Turnier, zu dem auch der Eröffnungsgegner Curaçao gehörte, schon. Das kennt man ja noch ganz anders: Zuletzt war zweimal das zweite Spiel schon das erste Finale. 2018 in Russland wirkten die bräsigen Deutschen, denen es vor dem Auftakt gegen Mexiko schon der Mühe zu viel war, zum Abschlusstraining ins Moskauer Luschniki-Stadion zu fahren, von der plötzlichen Wucht der WM überwältigt.Die Dramaturgie des aktuellen Turniers hingegen folgt bislang einem Drehbuch, das aus der Feder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stammen könnte. In Toronto gegen die Elfenbeinküste erlebte die Mannschaft die WM-Wucht auf eine positive Weise, so elektrisierend war das Flair schon ewig bei keinem Turnierspiel im Ausland mehr. Was könnte es Besseres geben, als jetzt als Nächstes im Finalstadion bei New York aufzutreten, und das in einem Spiel, in dem nichts auf dem Spiel steht?Man kann sich die Szenen später in DFB- oder anderen Dokumentationen jetzt schon vorstellen, wie Nagelsmann seine Spieler darauf einschwört, noch einmal zurückkehren zu wollen an diesen Ort: am 19. Juli zum Finale. Bis dahin sind es allerdings noch einige Schritte, und der erste wäre, auch diesem Spiel gegen Ecuador an diesem Donnerstag (22.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, in der ARD und bei MagentaTV) eine Überschrift zu geben.Zwar wirkt die deutsche Mannschaft so gefestigt, dass auch eine Niederlage sie nicht aus der Bahn werfen würde, zumal man – danke, Dramaturgie! – im Sechzehntelfinale noch keinem Schwergewicht begegnen würde. Aber besser wäre etwas anderes: das Spiel für etwas zu nutzen, was bei diesem Turnier noch sehr wichtig werden dürfte.Schon jetzt ist zu erkennen, dass die Physis eine große Rolle spielt. Zu einer der körperlich wuchtigsten Mannschaften wird die deutsche nicht mehr werden, umso wichtiger wäre es, dass sie in Sachen Athletik eine Marke setzt – auch in Sachen Selbstwirksamkeit.Die Erfahrung, die Gegner im Zweifel auf den letzten Metern physisch plattzumachen, kann eine ganz eigene Kraft entfalten. Der Bundestrainer kann das befördern, indem er einerseits die Belastungen verteilt, andererseits aber seinen Spielern deutlich macht, dass das dritte Spiel nicht schon die erste Pause ist. In New York geht das Thermometer Richtung 30 Grad Celsius. Die WM-Temperatur steigt.
Fußball-WM 2026: Deutschlands Spielraum für Wertvolles gegen Ecuador
In der scheinbar unbedeutenden Partie gegen Ecuador könnte die deutsche Nationalmannschaft Nützliches lernen für den WM-Verlauf. Und Eindruck schinden.














