Die Bilanz als bisher torlose Offensive wird der flinken Spielweise Ecuadors nicht gerecht. Das ecuadorianische Team von Sebastián Beccacece bringt ähnliche Qualitäten wie die Elfenbeinküste mit, die der deutschen Nationalmannschaft über weite Strecken Probleme machte.Für die DFB-Auswahl kann es mit dem vorzeitigen Gruppensieg im Rücken nun gegen die vermutlich hoch pressenden Südamerikaner darum gehen, sich gegen ein solches Angriffspressing einzuspielen – eine Aufgabe, auf die es für den Weg in ein mögliches Finale ankommen wird (22.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei MagentaTV).Im Vergleich mit der Elfenbeinküste ist die Spielweise Ecuadors leicht defensiver ausgerichtet und insgesamt straffer organisiert, aber im Kern sehr ähnlich. Robustheit, Laufstärke im Mittelfeld und vor allem eine gute Strafraumverteidigung machen beide Teams aus. Gerade im Defensivzentrum konzentriert sich mit den Champions-League-Finalisten Willian Pacho und Piero Hincapié sowie Sechser Moisés Caicedo auch die individuelle Klasse bei Ecuador.Parallele zum Stil der ElfenbeinküsteEine weitere Parallele zum Stil der Elfenbeinküste liegt im schnellen Flügelspiel, das von Ecuadors dribbelstarken Außenstürmern getragen wird. Gerade Rechtsaußen John Yeboah ist ein wendiger Eins-gegen-Eins-Dribbler, wenn er mit seinem starken linken Fuß nach innen kurvt. Dafür setzt Ecuador auf enge Positionen der Aufbauspieler, meist in Form eines Dreieraufbaus, um das gegnerische Pressing innen zu binden und die Flügel zu öffnen. Ziel ist es, Eins-gegen-Eins-Situationen für Dribblings der Außenstürmer oder alternativ eines dynamisch aus der Mitte ausweichenden Spielers, etwa Dribbler Gonzalo Plata als zweite Spitze, zu forcieren.Gegen die Elfenbeinküste konnte es Deutschland nicht immer verhindern, dass der Gegner Eins-gegen-Eins-Situationen mit Nathaniel Brown und vor allem Joshua Kimmich provozierte. Dieselbe Problematik droht gegen Ecuador abermals. Dagegen haben Julian Nagelsmann und sein Team in der zweiten Halbzeit gegen die Elfenbeinküste aber einen Alternativplan zum Einsatz gebracht, der nun als dauerhafte Option bereitsteht – gerade auch für den weiteren Turnierverlauf und mögliche Topgegner.Statt klassisch mit zwei Außenspielern gegen zwei Außenspieler zu verteidigen, deckte Kimmich ins Mittelfeld hinein. Er musste nicht mehr das Duell mit Flügelstürmer Yan Diomandé führen, den stattdessen Antonio Rüdiger von der Position als rechter Innenverteidiger aufnahm, sodass die DFB-Auswahl ein klares Drei-gegen-drei-Verteidigen in letzter Linie einging.Abstimmung trainierenDa Ecuador nur mit einem Sieg gegen Deutschland noch Chancen auf das Weiterkommen hat, kann sich Trainer Beccacece gegen das deutsche Ballbesitzspiel kaum auf seine kompakte Vier-vier-zwei-Formation verlassen. Ecuador muss das DFB-Team früh anlaufen. Bisher haben das weder Curaçao noch – anders als erwartet – die Elfenbeinküste systematisch versucht. Angriffspressing mit einer Manndeckung über den ganzen Platz wäre für Deutschland eine neue Herausforderung in diesem Turnier und vor allem besonders anspruchsvoll, wie die Probleme im Testspiel gegen die USA andeuteten.Bisher setzte Nagelsmann gegen hohes Anlaufen darauf, mit flachen Aufbauspielern den Gegner auseinanderzuziehen und mit hoch startenden Offensivakteuren dynamisch das Mittelfeld zu besetzen, um dort Bälle in den Lauf zu erhalten. Dafür ist die richtige Abstimmung zwischen Gewichtung der Passschärfe und Timing der Freilaufbewegung der Schlüssel. Das vermeintlich unbedeutende letzte Gruppenspiel kann eine unverzichtbar wertvolle Gelegenheit sein, um genau diese Abstimmung zu trainieren.