PfadnavigationHomeSportFußballWMLetzter Gruppengegner„Es ist noch nicht vorbei“ – wie Ecuadors Trainer das deutsche Team einschätztVon Torsten RumpfStand: 15:23 UhrLesedauer: 5 MinutenCuraçao schreibt bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 Geschichte. Der WM-Neuling erkämpft gegen Ecuador ein überraschendes 0:0 und holt den ersten WM-Punkt der Verbandsgeschichte. Überragender Mann auf dem Platz ist Torhüter Eloy Room.Ecuadors Elf steht vor dem Duell gegen die deutsche Nationalmannschaft mit dem Rücken zur Wand. Dem ambitionierten Team droht das WM‑Aus. Trainer Beccacece aber verbreitet im Interview unverdrossen Hoffnung.Fußball-Zwerg Curaçao hatte Deutschland bei der WM vorzeitig zum Gruppensieger gemacht. Das Team trotzte Ecuador in Kansas City ein beachtliches 0:0 ab und sorgte mit dem Überraschungscoup dafür, dass die DFB-Elf in der Gruppe E nicht mehr von Platz eins zu verdrängen ist. Für Ecuador geht es nun am Donnerstag (22.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT und bei MagentaTV sowie der ARD) gegen Ecuador vor den Toren New Yorks um alles oder nichts. Für die Südamerikaner gibt es drei Optionen, um weiter bei der WM bleiben zu können.bei einem Sieg gegen Deutschland, wenn Curaçao gegen die Elfenbeinküste gewinnt und nicht die schlechtere Tordifferenz aufholt.bei einem Sieg gegen Deutschland, wenn die Elfenbeinküste mindestens Remis gegen Curaçao spielt und Ecuador über die acht besten Dritten weiterkommt.bei einem Remis gegen Deutschland, wenn Curaçao nicht gegen die Elfenbeinküste gewinnt und Ecuador über die acht besten Dritten weiterkommt.Sebastián Beccacece ist seit Sommer 2024 Trainer von Ecuador. Der 45-Jährige steht im Kreuzfeuer der Kritik. Unter anderem schoss Ex-Nationalspieler Jefferson Montero nach dem Curaçao-Spiel gegen ihn. „Hör auf, heiße Luft zu verkaufen, und tritt bei La Tri zurück! Hab ein bisschen Würde, du hast unserem Fußball mit einer Generation, die die beste der Geschichte sein sollte, großen Schaden zugefügt“, schrieb Montero bei X.Frage: Herr Beccacece, nach der 0:0-Blamage gegen WM-Neuling Curaçao und dem drohenden WM-Aus sind Sie der Prügelknabe in Ecuador. Wie gehen Sie mit der Kritik um?Sebastián Beccacece: Ich habe nicht das Gefühl, das Herz der Fans erreicht zu haben. Ich habe das Herz meiner Spieler und der Menschen, die mich täglich begleiteten, erreicht. Diese Menschen kennen mich wirklich. Aber mit dem Fan, der mich nicht kennt, habe ich keine Verbindung aufbauen können. Offenbar gibt es etwas an mir, das ihm nicht gefällt.Lesen Sie auchFrage: Was macht das mit Ihnen?Lesen Sie auchBeccacece: Mir tut es selbst weh, dass die Fans enttäuscht sind und leiden müssen. Fußball ist in Ecuador die populärste Sportart. All die Probleme, die es dort gibt, werden eine Zeit lang beiseitegeschafft. Die ganze Nation hat sich unglaublich auf das Turnier gefreut.Frage: Weil von der „Goldenen Generation“ gesprochen wird mit Spielern wie Willian Pacho von PSG, Piero Hincapié von Arsenal und Moisés Caicedo von Chelsea, die zusammen einen Marktwert von 230 Millionen Euro haben?Beccacece: Ja. Dass die Tabellensituation so ist, wie sie ist, dafür bin ich verantwortlich. Ich bin bis jetzt nicht im Herzen des ecuadorianischen Volkes angekommen. Aber ich werde alles dafür tun, dass es klappt. Das Leben hat mir immer gezeigt: Solange es noch eine Chance gibt, muss man daran glauben. Es ist noch nicht vorbei. Wir dürfen nicht an uns zweifeln, sondern müssen unseren Traum, in dem Turnier weit kommen zu können, aufrechterhalten.Frage: Und wenn es nicht klappt?Beccacece: Ich habe keine Angst zu scheitern. Wenn es nicht gelingt, bin ich verantwortlich, dann werde ich einen Ort verlassen müssen, den ich sehr schätze, an dem ich mich sehr wohl und sehr zu Hause fühle.Frage: Bereits 2006 gab es bei der WM das Vorrunden-Duell Ecuador gegen Deutschland. Damals siegte die DFB-Auswahl souverän 3:0.Beccacece: Wir müssen den Spieß umdrehen, um in die nächste Runde kommen zu können. Deutschland steht als Gruppensieger fest, ist der Favorit und mit seiner unglaublichen WM-Historie und starken Mannschaft eine Weltmacht. Aber warum soll uns ein Sieg nicht gelingen?Frage: Was macht Ihnen Hoffnung?Beccacece: Wir haben Argumente: Meine Mannschaft bringt sehr viel Leidenschaft mit. Sie besteht aus guten Fußballern, die eine unglaubliche Gier haben. Wir schlossen die WM-Qualifikation als Zweiter ab und ließen Brasilien hinter uns. Wir hatten vor der WM gute Ergebnisse. Aber hier in den USA läuft es bislang wie verhext. Das ist schwer zu akzeptieren. Aber mein Team hat einen starken Charakter. Ich kann ihm keinen großen Vorwurf machen.Frage: Wie bereiten Sie Ihre Mannschaft auf Deutschland vor?Beccacece: Wir haben jedes WM-Qualifikationsspiel von Deutschland gesehen und ausgewertet. Dazu natürlich die zwei Spiele hier bei der WM. Deutschlands Spielweise ist beeindruckend, mit einer guten Ordnung, Flexibilität, Kreativität, Wucht und Schnelligkeit. Allein wenn ich Florian Wirtz oder Jamal Musiala sehe, kommt große Freude auf. Sie sind überragend, können mit Einzelaktionen ein Spiel entscheiden. Wie auch Deniz Undav, das hat er zuletzt gegen die Elfenbeinküste gezeigt.Frage: Wer ist aus Ihrer Sicht noch wichtig bei Deutschland?Beccacece: Es gibt viele Schlüsselspieler, Joshua Kimmich will ich hervorheben, weil er sehr viel Einfluss auf das deutsche Spiel hat. Aber Deutschland lebt trotz seiner vielen guten Einzelspieler vom Kollektiv, das macht die Mannschaft so gefährlich.Frage: Wie muss Ihre Mannschaft gegen Deutschland spielen?Beccacece: Für mich zählen nur Siege. Wir wollen auf Augenhöhe sein, mit dieser Marschroute gehen wir ins Spiel. Wir dürfen nicht denken: Wir sind eine kleine Fußball-Nation, wir haben keine Chance. Wenn wir das tun, dann haben wir tatsächlich keine Chance.Frage: Was verbindet Sie mit Deutschland?Beccacece: Ich bin Argentinier, zu Deutschland gibt es eine große Rivalität aufgrund der WM-Geschichte. Dreimal standen sich beide Länder in einem WM-Finale gegenüber, leider zweimal mit einem besseren Ende für Deutschland. Ich bin in der Zeit, als sich Diego Maradona und Lothar Matthäus 1986 und 1990 duellierten, aufgewachsen. Sie war prägend für mich. Beide waren als Spieler Koryphäen. Deutschland hatte so viele tolle Spieler. Dazu zähle ich Thomas Müller. Schade, dass er nicht mehr für Deutschland spielt, ihn hätte ich bei der WM gegen uns gern spielen sehen.Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
WM 2026: „Es ist noch nicht vorbei“ – wie Ecuadors Trainer das deutsche Team einschätzt - WELT
Ecuadors Elf steht vor dem Duell gegen die deutsche Nationalmannschaft mit dem Rücken zur Wand. Dem ambitionierten Team droht das WM‑Aus. Trainer Beccacece aber verbreitet im Interview unverdrossen Hoffnung.











