Für sie: Flatterhaft perfektWenn es in London mal nicht regnet und die Temperaturen auf 20 Grad steigen, holt die Londonerin ihre Sandalen und luftigen Kleider und Tops aus dem Schrank, die Stimmung in den Pubs und Cafés ist überbordend, es ist, für einen kurzen Moment, Sommer. Hitzewellen allerdings sind ein eher neues Phänomen, es ist also besonders interessant zu beobachten, wie Londoner modisch mit echten Sommertemperaturen umgehen – vor allem, wenn sie mit einem offiziellen Glamourtermin zusammenfallen. Auf roten Teppichen ist Hitze ein genauso großer Feind wie Regen, weil Schweiß in Körperfalten aller Art sich sofort in Seide durchschlägt und einem schnell die Naturkrause zu Berge steht wie ein XL-Champignon. Ein Kleid sollte also idealerweise nicht einengen und Luftzirkulation zulassen, aber irgendwas Lässiges aus Leinen oder Baumwolle wäre natürlich trotzdem ein Fauxpas. Hier sehen wir, wie man es macht: die Theaterregisseurin Sophie Hunter, die ihren Ehemann zum Arbeitstermin begleitet, hat sich für ein luftiges Seidenjacquard-Kleid entschieden, das eigentlich kurz ist, aber durch die raffiniert am Kragen angebrachten Seidenbänder wirkt wie eine komplette Abendrobe. Die Schuhe – nennen wir sie hochgeschlossene Pumps (kein Zehendekolleté) – trägt man gerade genau so. Natürlich wären Sandalen mit niedrigeren Absätzen die hitzetauglichere Variante gewesen, hätten aber den Look vermiest, weil die flatternden Seidenbänder unten nach einem soliden Abschluss verlangen. Es gibt ihn also nicht, den total hitzetauglichen Glamour-Look, aber dieser hier ist zumindest sehr nah dran. Getty ImagesFür ihn: Auf die leichte SchulterSo schön der Sommer ist, für viele Männer hält er in den nächsten Wochen auch Herausforderungen bereit – Sommerfeste, Hochzeiten, Klassikkonzerte unter freiem Himmel. Denn bei all diesen Anlässen ist einerseits halbwegs korrekte und vielleicht sogar feierliche Garderobe vonnöten, was andererseits bei Temperaturen jenseits der 30 Grad eine unangenehme Vorstellung ist. Schließlich fehlt den Herren ja die Möglichkeit, sich einfach zweihundert Gramm hinreißend gewebter Seide über den Körper zu werfen. Stattdessen auf dem Dresscode: Hemd, lange Hose, Jackett, geschlossene Schuhe – bah! Über die Möglichkeiten von Leinen wurde in den vergangenen Jahren in diesem Zusammenhang überall geschrieben, und viele Männer im Stadtbild beherzigen das mittlerweile auch. Was aber viele nicht wissen: Schweres Leinen kann bei großer Hitze deutlich unangenehmer und hermetischer zu tragen sein als beispielsweise ein Anzug aus leichter Sommerwolle. Wichtig ist, dass man beim Kauf auf das Gewicht des verwendeten Tuches achtet – 180 bis 240 Gramm pro Quadratmeter sind dabei die Kennzahlen für leichte Sommeranzüge. Hochgedrehte Sommerwolle („Fresco“) oder auch Mischgewebe aus Baumwolle, Leinen und Seide sind atmungsaktiv, neigen nicht zum Knittern und Ausbeulen und sehen, anders als Leinen, den ganzen Abend lang ordentlich aus. Schauspieler Benedict Cumberbatch macht es hier bei einer Filmpremiere im brütenden London vor – Socken und Krawatte wurden weggelassen, der grüne Sommeranzug sorgt schon optisch für Erfrischung, und ein leichtes Popelinehemd rundet den Look ab, ohne dass es nach Hitzekompromiss aussieht. Grün als Farbe für den Sommeranzug ist allerdings kein Selbstläufer, viele Männer wirken darin kränklich, was gerade auf Sommerfesten unerwünscht ist. Viel besser und im Sommer oft unterschätzt: helles Braun oder Beige. Zusammen mit einem weißen Hemd sieht darin jeder aus, als käme er geradewegs aus dem Urlaub.
London Mode Sommerhitze: leichte Stoffe und Anzüge
Formelle Sommerkleidung an hohe Temperaturen anpassen: von Seidenkleidern bis zu leichten Sommeranzügen. Hochwertige Stoffe wie Fresco-Wolle bieten Komfort und Stil bei Hitze.














