Rick Owens spannt mit Adidas zusammen und zeigt bei der Pariser Männerwoche, was wir in der globalen Hitze der Zukunft tragen werden: Kleidung mit integrierter AirCon.Falls es irgendwer nicht am eigenen Leib spürt: Europa ist laut dem «Economist» der sich am schnellsten erwärmende Kontinent zurzeit. «Diese Hitze!», sind wahrscheinlich die am meisten gestöhnten zwei Worte dieser Tage. Entsprechend sind die wichtigsten Accessoires bei den laufenden Männerschauen in Paris Sonnenschirme und Fächer.Aber den mit Abstand meistgeteilten Look zeigte Rick Owens bei seiner Show am Donnerstagmorgen: Der Designer präsentierte in Zusammenarbeit mit Adidas Ballon-Trainingsjacken – die aber nicht einfach ultraluftig geschnitten, sondern tatsächlich aufgepumpt waren. Sie haben ein eingebautes Kühlsystem namens «Climacool System Technology» mit zwei Ventilatoren an den Seiten, die den Körper bei Bedarf durchlüften. Das Internet nur so begeistert: «Cool!» Getty Images Rick Owens entwirft die Garderobe für das Zeitalter der Hitze. Warum gibt’s das erst jetzt? Warum ist da bloss niemand früher drauf gekommen? Nun ja, ganz neu ist die Idee eigentlich nicht. In Japan gibt es das «fan-jakketo» schon ein paar Jahre, weil die Japaner technikverliebt sind und unter ihren schwül-warmen Sommern leiden. Das erste entwickelte ein ehemalige Sony-Ingenieur bereits 2004, mittlerweile werden die Ventilator-Jacken vor allem von Strassenarbeitern und Reinigungskräften getragen, die sich auch im Sommer über Stunden in der Hitze aufhalten.Es hat nur bislang kaum jemand «cool» geschnittene Teile daraus gemacht, insofern hat Rick Owens die aktuelle Hitzewelle perfekt antizipiert. Die Bestellungen für die in 2027 kommende Collab dürften durch die Decke gehen. Wo sind eigentlich «See now, buy now»-Kollektionen, wenn man sie mal wirklich braucht?Kühltechnik statt nur FunktionsstoffAngesichts der aktuellen Temperaturen und Prognosen, dass ein «Super El Niño» in weiten Teilen der Welt für Extremwetter diesen Sommer sorgt, dürfte das erst der Anfang von «Klima Couture» in der Mode sein. Im Sportbereich gibt es bereits alle möglichen innovativen Textilien, etwa mit 3D-Strukturen für bessere Luftzirkulation am Körper. Aber der Einsatz von kleineren bis grösseren Ventilatoren und anderen Kühlsystemen dürfte das nächste grosse Ding sein.Erste Beispiele dafür gibt es bereits: Der japanische Designer Kunihiko Morinaga präsentierte mit seinem Label Anrealage bereits 2024 Designs mit eingebauter Air-Con, die bei der Expo vergangenes Jahr in Osaka von den Mitarbeitern des NTT Pavillons getragen wurden. Anrealage zeigte 2024 Mode mit integrierter Air-Con. Imago Images Die spanische Fussballnationalmannschaft trägt im WM-Camp in Tennessee aktuell Westen und Überziehschuhe mit Kühlkammern von Adidas, die vor dem Training aus der Kühlbox geholt werden. Damit soll die Körpertemperatur um ein halbes Grad gesenkt werden – die gefühlte Hauttemperatur sogar um 13 Grad.Wer sich noch an die legendäre Levi’s Werbung aus den späten Achtzigern erinnert – auch seine Jeans (oder anderes) kann man theoretisch im Kühlschrank lagern. Allerdings dürfte der Effekt ohne «Cool System» bei 36 Grad von eher kurzer Dauer sein.Derweil läuft die Meme-Maschinerie nach der Rick Owens Show heiss und pumpt die gutgekühlten Michelin-Männchen noch ein bisschen weiter auf. Das beste Bild bislang stammt vom KI-Künstler Hey Reilly: Es zeigt den amerikanischen Designer mit drei seiner aufgepumpten Models, die er wie Luftballons an der Leine hält. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.