PfadnavigationHomeWissenschaftFragen und AntwortenWarum erschütterte das Erdbeben Venezuela so heftig?Stand: 12:20 UhrLesedauer: 3 MinutenZerstörtes Gebäude in Catia La Mar, 30 Kilometer nordwestlich von CaracasQuelle: FEDERICO PARRA/AFPIn Venezuela bebte die Erde so stark wie seit 125 Jahren nicht mehr. Was löste das Beben aus? Warum sind die Schäden in Caracas so groß? Ist auch Deutschland gefährdet? Die wichtigsten Fragen und Antworten.In kurzen Abständen bebte in Venezuela gleich zweimal die Erde. Nach Angaben des U.S. Geological Survey war es das stärkste Beben seit mehr als 125 Jahren in der Region. Noch ist das ganze Ausmaß der Schäden und die tatsächliche Zahl der Opfer kaum absehbar. Die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez rief noch am Abend den Notstand aus. WELT beantwortet die wichtigsten Fragen zum Erdbeben.Warum war das Beben so stark?Der Norden Venezuelas liegt an einer tektonischen Nahtstelle: der Karibischen Platte im Norden und der Südamerikanischen Platte im Süden. Sie bewegen sich jedoch nicht wie in einer klassischen Subduktionszone aufeinander zu, wo dann die eine Platte unter der anderen abtaucht, sondern sie schieben sich eher aneinander vorbei. Dabei können sich die Platten verhaken. Es bauen sich Spannungen auf, die sich in Form von Erdbeben entladen.Je länger das letzte große Beben zurückliegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich erneut Spannungen aufgebaut haben – die das nächste große Beben verursachen werden. Ähnlich ist die Situation an der sogenannten San-Andreas-Verwerfung im US-Bundesstaat Kalifornien. San Francisco und Los Angeles liegen an dieser tektonischen Bruchlinie und sind stark erdbebengefährdet.Wieso bebte die Erde binnen weniger Sekunden zweimal?Nur 40 Sekunden nach dem ersten Beben der Stärke 7,2 folgte das noch stärkere 7,5-Beben. Seismologen sprechen von einem sogenannten Doublet. Das erste Beben veränderte den Druck im Untergrund und erhöhte die Spannung auf eine nahegelegene zweite Bruchlinie so stark, dass diese sofort ebenfalls brach und das zweite Beben auslöste. Das zweite Beben setzte rund dreimal so viel Energie frei wie das erste Beben. Denn die Erdbebenskala ist nicht linear, sondern logarithmisch angelegt. Lesen Sie auchDa die Epizentren in relativ geringer Tiefe von 22 Kilometern lagen, war die Zerstörungskraft an der Oberfläche so groß. Besonders betroffen ist der venezolanische Bundesstaat La Guaira, der sich als schmaler Küstenstreifen entlang der zentralen Karibikküste erstreckt. Lesen Sie auchIn der gleichnamigen Hauptstadt des Bundesstaates liegt der bedeutendste Seehafen Venezuelas. Er ist die wichtigste maritime Drehscheibe für den Import von Konsumgütern und wegen der Nähe zur Hauptstadt Caracas die zentrale Versorgungsader in der Region. Warum sind die Schäden in Caracas so groß? Das Epizentrum des Bebens lag zwar rund 300 Kilometer von Caracas entfernt. Dennoch sind die Zerstörungen in der Stadt erheblich. Das liegt unter anderem daran, dass viele Häuser in der schnell wachsenden Metropole nicht nach modernen Erdbebenstandards erbaut wurden.Zudem liegt die Stadt in einem Talkessel, der mit mächtigen Sedimentschichten gefüllt ist. Diese Sedimente leiten die Erdbebenwellen besonders gut und verstärken die Erschütterungen. Ähnlich ist die geologische Situation in Mexiko-Stadt, die 1985 und 2017 von schweren Erdbeben erschüttert wurde.Drohen in Deutschland Erdbeben?Deutschland liegt auf der Eurasischen Kontinentalplatte in sicherer Entfernung von erdbebengefährdeten Plattenrändern. Allerdings können tektonische Spannungen im Untergrund zu schwächeren Beben führen. Risikogebiete liegen nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in der Kölner Bucht, südlich von Tübingen in der Schwäbischen Alb, im südlichen Rheingraben sowie in der Umgebung von Gera.dia