PfadnavigationHomePanoramaDoppel-Erdbeben39 Sekunden, die in Venezuela für Tod und Zerstörung sorgenStand: 11:12 UhrLesedauer: 7 MinutenBei dem Erdbeben in Venezuela sind nach aktuellem Stand 235 Menschen getötet worden. Viele Gebäude stürzten ein. WELT-Reporter Gerrit Schröder berichtet.Zwei der stärksten Erdbeben des laufenden Jahres haben Venezuela getroffen. Die Zahl der Opfer steigt weiter, Hunderte sind noch unter den Trümmern eingeschlossen. Auch das deutsche Botschaftsgebäude wurde beschädigt. Viele Länder kündigen Hilfe an.Zwei starke Erdbeben haben Venezuela erschüttert und Gebäude in der Hauptstadt Caracas zum Einsturz gebracht. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des ersten Bebens mit 7,2 an, die des zweiten mit 7,5. Demnach waren die Beben zwei der weltweit stärksten des laufenden Jahres. Das Epizentrum des ersten Bebens am Mittwoch um 18:04 Uhr lag den Angaben zufolge 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des südamerikanischen Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite Erdbeben ereignete sich nur wenige Kilometer weiter nördlich. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Es wurden rund 30 Nachbeben registriert.Die Opferzahlen stiegen rapide. Mindestens 235 Menschen seien ums Leben gekommen und mindestens 4300 Menschen wurden verletzt, teilte Gesundheitsminister Carlos Alvarado am Donnerstagabend (Ortszeit) im staatlichen Fernsehen mit. In einer vorherigen Bilanz hatte Parlamentspräsident Jorge Rodríguez von mindestens 188 Todesopfern und 1500 Verletzten gesprochen. Mehr als 200 weitere seien unter Trümmern eingeschlossen, Tausende wurden als vermisst gemeldet. Viele befürchteten, dass die Zahl der Toten noch steigen wird. Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte legte nahe, dass die Opferzahl noch weiter steigt. USGS schätzt die Zahl der möglichen Todesopfer auf 10.000 bis 100.000.Aber die Hoffnung wird nicht aufgegeben: Dutzende Menschen sind bereits lebend geborgen worden, darunter zwei verletzte Kleinkinder im Bundesstaat La Guaira, deren Mutter noch vermisst wird, wie Fernsehsender berichteten. Das venezolanische Staatsfernsehen zeigte dramatische Rettungsbilder, darunter eine Frau, die unter einer Betonplatte eingeklemmt war – nur ein nackter Fuß war sichtbar, bevor Einsatzkräfte sie lebend befreien konnten.Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) steuert nach Angaben des UN-Nothilfekoordinators Tom Fletcher den Einsatz der internationalen Rettungsteams. „Unser Team in Venezuela arbeitet eng mit den Behörden zusammen, um die Prioritäten festzulegen“, erklärte Fletcher. Derzeit werde unter Hochdruck geprüft, welche Hilfe benötigt werde. Bereits vor den Erdbeben seien in Venezuela fast acht Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen.Lesen Sie auchDeutschland hat Venezuela kurzfristig Hilfe in Aussicht gestellt. Die Bundeswehr könne bis zu sechs Transportflugzeuge vom Typ A400M bereitstellen, um Personal und Hilfsgüter etwa des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes zu befördern, teilte das Verteidigungsministerium mit. Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte: „Jetzt gilt es, schnell Hilfe zu leisten.“Knapp 50 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) sollen schon am Freitagmorgen in das Katastrophengebiet fliegen. Es habe in Metallboxen alles dabei, um autark agieren zu können, teilte das THW mit. Die Ausrüstung reiche von Feldbetten, über Duschen, IT-Ausstattung bis hin zu einer kleinen Wasseraufbereitung und Stromerzeugung. „In der Regel sagt man, 72 Stunden nach einem Erdbeben, das sind ganz entscheidende Stunden. Da können wir auch noch sehr viele Menschen lebend retten“, sagte THW-Präsidentin Sabine Lackner in Köln kurz vor der Abreise des Teams aus Deutschland. Es gebe aber auch danach immer wieder „Wunder“.„Die Nachrichten vom fürchterlichen Erdbeben in Venezuela machen tief betroffen. Deutschland steht an der Seite Venezuelas und wird helfen“, schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz auf X. Auch Spanien hat wie viele weitere Länder Unterstützung zugesichert. „Spanien und ich persönlich bieten der venezolanischen Bevölkerung nach den verheerenden Erdbeben von heute Nacht unsere volle Unterstützung an“, schrieb der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez auf der Plattform X. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“ Außenminister Jose Manuel Albares ergänzte, das Land sei bereit, jede erforderliche Nothilfe zu leisten. Interimspräsidentin Delcy Rodríguez telefonierte nach eigenen Angaben mit US-Außenminister Marco Rubio. Er habe dabei „Solidarität und Unterstützung für das venezolanische Volk in diesen für unsere Nation schwierigen Zeiten zum Ausdruck gebracht“, erklärte Rodríguez im Onlinedienst X. Venezuela sei dankbar für die Solidaritätsbekundung der USA. Die USA haben eine Nothilfe in Höhe von 150 Millionen Dollar (rund 132 Millionen Euro) zugesagt. Davon sollen 100 Millionen Dollar an das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) fließen, wie das US-Außenministerium mitteilte. Bei den übrigen 50 Millionen Dollar handele es sich Zahlungen an Hilfsorganisationen, die in Venezuela tätig sind. Die USA wollen außerdem zwei Kriegsschiffe und auch Transportflugzeuge in das südamerikanische Land schicken. Die Unterstützung solle sowohl für nach Venezuela entsandte US-Spezialkräfte als auch für Partnerorganisationen erfolgen, „während diese Schäden begutachten, Verletzte lokalisieren und lebenswichtige Hilfe leisten“, teilte die US-Armee auf X mit.Rubio hatte zuvor auch die sofortige Entsendung von US-Rettungskräften angekündigt. Ein 80-köpfiges Team mit sechs Spürhunden soll nach Venezuela reisen. „Amerika steht in dieser schwierigen Zeit an der Seite des venezolanischen Volkes“, erklärte der US-Außenminister auf X. Auf Anweisung von Präsident Donald Trump würden unverzüglich Such- und Rettungsmannschaften, medizinische Ressourcen und humanitäre Hilfe in das südamerikanische Land gesandt.Nach dem Beben spielten sich entsetzliche Szenen ab. Menschen evakuierten Gebäude in Caracas und blieben im Freien; viele waren sichtbar schockiert, als sie sahen, dass ganze Wände eingestürzt waren und Möbel von der Straße aus sichtbar wurden. In zwei Stadtvierteln der Hauptstadt Caracas, in denen Restaurants und andere Geschäfte normalerweise stark frequentiert sind, waren Staubwolken zu sehen. Die Bilanz von Jorge Rodríguez: 250 Gebäude seien komplett zerstört oder beschädigt worden. Acht Krankenhäuser, 20 Einkaufszentren und 68 öffentliche Infrastruktureinrichtungen seien betroffen.Lokale Medien berichteten von erheblichen Schäden am Flughafen in Caracas, wo Teile des Daches einstürzten und ebenfalls graue Staubwolken zu sehen waren. Der Betrieb ist eingestellt. Mobilfunkempfang, Internet- und Stromversorgung waren im Land teilweise lahmgelegt.Der Satelliten-Internetdienst Starlink von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX stellte seinen Nutzern in Venezuela daraufhin für einen Monat kostenlosen Zugang zur Verfügung. Zudem arbeite das Unternehmen daran, rasch Starlink-Terminals aufzubauen und die Internetverbindung in den am schwersten getroffenen Gebieten wiederherzustellen, teilte Starlink auf der Plattform X mit.Nach Angaben des stellvertretenden deutschen Botschafters in Venezuela, Stephan Wendt, wurde auch das deutsche Botschaftsgebäude beschädigt. „Wir können aktuell nicht vom klassischen Botschaftsgebäude aus arbeiten. Wir befinden uns aktuell in der deutschen Residenz, arbeiten von dort aus“, sagte er im ZDF-„heute journal“. „Auch einigen Kolleginnen und Kollegen ist es momentan nicht möglich zurückzukehren in ihre eigene Wohnung, es haben ja auch einige in der Residenz übernachtet auf Feldbetten.“Notstand in VenezuelaDie Regierung in Venezuela rief in der Nacht zu Donnerstag den Notstand aus. Das kündigte Präsidentin Rodríguez in einer Ansprache an. Sie sprach dabei von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“. Priorität hätten nun die Rettungsarbeiten, sagte Rodríguez. Der Schulunterricht werde ausgesetzt, der Zugverkehr eingestellt.Zudem ist es in der betroffenen Küstenregion zu Plünderungen von Geschäften gekommen. Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten am Donnerstag in Catia la Mar nördlich der Hauptstadt Caracas, wie eine Gruppe Menschen ein ausgebranntes Lebensmittelgeschäft mit Taschen voller Waren verließ.Das US-Tsunami-Warnzentrum gab eine Warnung für Puerto Rico, die Jungferninseln sowie die vor der Küste Venezuelas gelegenen Inseln Aruba, Curaçao und Bonaire heraus. Diese wurde jedoch nach etwa einer Stunde wieder aufgehoben. Beben auch vor Japans KüsteAuf die Beben in Venezuela folgte auch eines vor der japanischen Küste. Das Beben hatte eine Stärke von 7,2, wie die Japanische Meteorologische Agentur (JMA) mitteilte. Zunächst war eine Stärke von 6,9 angegeben worden. Das Erdbeben hatte demnach eine Tiefe von etwa 50 Kilometern. Nach Angaben der japanischen Wetterbehörde besteht keine Tsunami-Gefahr.Das Beben ereignete sich in einer Region, in der in den vergangenen Monaten wiederholt starke Erdbeben registriert wurden, darunter eines, das im Dezember eine einwöchige Mega-Erdbeben-Warnung ausgelöst hatte. Das Beben traf die nordöstliche Region Japans während des morgendlichen Berufsverkehrs und war auch in Tokio leicht zu spüren. Laut Regierungssprecher Minoru Kihara gab es zunächst keine Berichte über Verletzte oder Schäden.Ministerpräsidentin Sanae Takaichi sagte in Tokio, das Notfallteam der Regierung stelle „das Leben der Menschen an erste Stelle“ und werte die Lage aus, um gegebenenfalls Hilfsmaßnahmen vorzubereiten. Sie forderte die Bewohner der betroffenen Regionen auf, wegen möglicher Nachbeben vorsichtig zu sein. Fernsehbilder des öffentlichen Senders NHK zeigten Berichte von Journalisten aus mehreren stark betroffenen Städten, darunter Sendai und Morioka. Demnach war das Beben über einige Minuten spürbar, Schäden wurden jedoch nicht festgestellt.Die East Japan Railway Co. teilte mit, dass einige Hochgeschwindigkeitszüge und Regionalverbindungen aus Sicherheitsgründen vorübergehend gestoppt wurden.Hinweis: Der Artikel wird laufend aktualisiert.AP/dpa/blo/luwi/ll/jra
Erdbeben: 39 Sekunden, die in Venezuela für Tod und Zerstörung sorgen - WELT
Zwei der stärksten Erdbeben des laufenden Jahres haben Venezuela getroffen. Die Zahl der Opfer steigt weiter, Hunderte sind noch unter den Trümmern eingeschlossen. Auch das deutsche Botschaftsgebäude wurde beschädigt. Viele Länder kündigen Hilfe an.














