PfadnavigationHomePanoramaDoppel-Erdbeben39 Sekunden, die in Venezuela für Tod und Zerstörung sorgenStand: 19:55 UhrLesedauer: 6 MinutenNach zwei sehr starken Erdbeben in Venezuela werden bis zu 100.000 Tote befürchtet. Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach Verschütteten. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der Beben mit 7,2 und 7,5 an.Zwei der stärksten Erdbeben des laufenden Jahres treffen Venezuela. In der Hauptstadt Caracas herrscht Panik – Gebäude sind eingestürzt, Menschen unter den Trümmern verschüttet. Auch am Flughafen gibt es erhebliche Schäden. Die Zahl der Opfer steigt weiter.Zwei starke Erdbeben haben Venezuela erschüttert und Gebäude in der Hauptstadt Caracas zum Einsturz gebracht. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des ersten Bebens mit 7,2 an, die des zweiten mit 7,5. Demnach waren die Beben zwei der weltweit stärksten des laufenden Jahres. Das Epizentrum des ersten Bebens am Mittwoch um 18:04 Uhr lag den Angaben zufolge 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des südamerikanischen Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite Erdbeben ereignete sich nur wenige Kilometer weiter nördlich. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Es wurden rund 30 Nachbeben registriert.Interimspräsidentin Delcy Rodríguez sprach zunächst von 32 Toten. Doch die Opferzahlen stiegen rapide. Bei einem weiteren TV-Auftritt teilte die Präsidentin mit, die Zahl der Todesopfer sei auf mindestens 164 und die Zahl der Verletzten auf mindestens 971 Menschen gestiegen. Der Präsident der Nationalversammlung sprach am Abend von mindestens 188 Toten. Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte legte nahe, dass die Opferzahl noch weiter steigt. USGS schätzt die Zahl der möglichen Todesopfer auf 10.000 bis 100.000.Aber die Hoffnung wird nicht aufgegeben: Dutzende Menschen sind bereits lebend geborgen worden, darunter zwei verletzte Kleinkinder im Bundesstaat La Guaira, deren Mutter noch vermisst wird, wie Fernsehsender berichteten. Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) steuert nach Angaben des UN-Nothilfekoordinators Tom Fletcher den Einsatz der internationalen Rettungsteams. „Unser Team in Venezuela arbeitet eng mit den Behörden zusammen, um die Prioritäten festzulegen“, erklärte Fletcher. Derzeit werde unter Hochdruck geprüft, welche Hilfe benötigt werde. Bereits vor den Erdbeben seien in Venezuela fast acht Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen.Lesen Sie auchDeutschland hat Venezuela kurzfristig Hilfe in Aussicht gestellt. Die Bundeswehr könne bis zu sechs Transportflugzeuge vom Typ A400M bereitstellen, um Personal und Hilfsgüter etwa des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes zu befördern, teilte das Verteidigungsministerium mit. Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte: „Jetzt gilt es, schnell Hilfe zu leisten.“„Die Nachrichten vom fürchterlichen Erdbeben in Venezuela machen tief betroffen. Deutschland steht an der Seite Venezuelas und wird helfen“, schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz auf X. Auch Spanien hat Unterstützung zugesichert. „Spanien und ich persönlich bieten der venezolanischen Bevölkerung nach den verheerenden Erdbeben von heute Nacht unsere volle Unterstützung an“, schrieb der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez auf der Plattform X. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“ Außenminister Jose Manuel Albares ergänzte, das Land sei bereit, jede erforderliche Nothilfe zu leisten. Übergangspräsidentin Rodríguez telefonierte nach eigenen Angaben mit US-Außenminister Marco Rubio. Er habe dabei „Solidarität und Unterstützung für das venezolanische Volk in diesen für unsere Nation schwierigen Zeiten zum Ausdruck gebracht“, erklärte Rodríguez im Onlinedienst X. Venezuela sei dankbar für die Solidaritätsbekundung der USA.Rubio hatte zuvor die sofortige Entsendung von US-Rettungskräften angekündigt. „Amerika steht in dieser schwierigen Zeit an der Seite des venezolanischen Volkes“, erklärte der US-Außenminister auf X. Auf Anweisung von Präsident Donald Trump würden unverzüglich Such- und Rettungsmannschaften, medizinische Ressourcen und humanitäre Hilfe in das südamerikanische Land gesandt.Nach dem Beben spielten sich entsetzliche Szenen ab. Menschen evakuierten Gebäude in Caracas und blieben im Freien; viele waren sichtbar schockiert, als sie sahen, dass ganze Wände eingestürzt waren und Möbel von der Straße aus sichtbar wurden. Die Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach zahlreichen Verschütteten. Allein in der Stadt Tucacas an der Karibikküste würden 15 Menschen unter den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes vermutet, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Falcón, Víctor Clark, dem Fernsehsender VTV. In zwei Stadtvierteln der Hauptstadt Caracas, in denen Restaurants und andere Geschäfte normalerweise stark frequentiert sind, waren Staubwolken zu sehen. Im Stadtteil Altamira wurde ein 22-stöckiges Hochhaus nahezu völlig zerstört. Im Bezirk Chacao konnten laut Bürgermeister Gustavo Duque aus einem Haus 18 Überlebende gerettet werden.Lokale Medien berichteten von erheblichen Schäden am Flughafen in Caracas, wo Teile des Daches einstürzten und ebenfalls graue Staubwolken zu sehen waren. Der Betrieb ist eingestellt. In einem Krankenhaus der Hauptstadt stürzten Deckenplatten herab, in anderen wurde das Personal für die Nachtschicht verdoppelt, um die Verletzten zu versorgen. Mobilfunkempfang, Internet- und Stromversorgung waren im Land teilweise lahmgelegt.Notstand in VenezuelaDie Regierung in Venezuela rief den Notstand aus. Das kündigte Präsidentin Rodríguez in einer Ansprache an. Sie sprach von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“. Priorität hätten nun die Rettungsarbeiten, sagte Rodríguez. Der Schulunterricht werde ausgesetzt, der Zugverkehr eingestellt.Zudem ist es in der betroffenen Küstenregion zu Plünderungen von Geschäften gekommen. Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten am Donnerstag in Catia la Mar nördlich der Hauptstadt Caracas, wie eine Gruppe Menschen ein ausgebranntes Lebensmittelgeschäft mit Taschen voller Waren verließ.Innenminister Diosdado Cabello hatte zuvor gesagt, das Beben sei in mehreren Bundesstaaten zu spüren gewesen, und fügte hinzu, dass es im Stadtteil Altamira in Caracas „alarmierende Situationen“ mit eingestürzten Häusern und Gebäuden gegeben habe. Er forderte die Menschen auf, im Freien zu bleiben, da Nachbeben weitere Schäden verursachen könnten. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die venezolanische Hauptstadt Caracas gebracht zu werden. Auch Brasilien und andere Staaten signalisierten Hilfsbereitschaft. Das US-Tsunami-Warnzentrum gab eine Warnung für Puerto Rico, die Jungferninseln sowie die vor der Küste Venezuelas gelegenen Inseln Aruba, Curaçao und Bonaire heraus. Diese wurde jedoch nach etwa einer Stunde wieder aufgehoben. Beben auch vor Japans KüsteAuf die Beben in Venezuela folgte auch eines vor der japanischen Küste. Das Beben hatte eine Stärke von 7,2, wie die Japanische Meteorologische Agentur (JMA) mitteilte. Zunächst war eine Stärke von 6,9 angegeben worden. Das Erdbeben hatte demnach eine Tiefe von etwa 50 Kilometern. Nach Angaben der japanischen Wetterbehörde besteht keine Tsunami-Gefahr.Das Beben ereignete sich in einer Region, in der in den vergangenen Monaten wiederholt starke Erdbeben registriert wurden, darunter eines, das im Dezember eine einwöchige Mega-Erdbeben-Warnung ausgelöst hatte. Das Beben traf die nordöstliche Region Japans während des morgendlichen Berufsverkehrs und war auch in Tokio leicht zu spüren. Laut Regierungssprecher Minoru Kihara gab es zunächst keine Berichte über Verletzte oder Schäden.Ministerpräsidentin Sanae Takaichi sagte in Tokio, das Notfallteam der Regierung stelle „das Leben der Menschen an erste Stelle“ und werte die Lage aus, um gegebenenfalls Hilfsmaßnahmen vorzubereiten. Sie forderte die Bewohner der betroffenen Regionen auf, wegen möglicher Nachbeben vorsichtig zu sein. Fernsehbilder des öffentlichen Senders NHK zeigten Berichte von Journalisten aus mehreren stark betroffenen Städten, darunter Sendai und Morioka. Demnach war das Beben über einige Minuten spürbar, Schäden wurden jedoch nicht festgestellt.Die East Japan Railway Co. teilte mit, dass einige Hochgeschwindigkeitszüge und Regionalverbindungen aus Sicherheitsgründen vorübergehend gestoppt wurden.Hinweis: Der Artikel wird laufend aktualisiert.AP/dpa/blo/luwi/ll/jra
39 Sekunden, die in Venezuela für Tod und Zerstörung sorgen - WELT
Zwei der stärksten Erdbeben des laufenden Jahres treffen Venezuela. In der Hauptstadt Caracas herrscht Panik – Gebäude sind eingestürzt, Menschen unter den Trümmern verschüttet. Auch am Flughafen gibt es erhebliche Schäden. Die Zahl der Opfer steigt weiter.













