Allerdings waren die beiden jüngsten Erdbeben, die sich im Abstand von nur 39 Sekunden etwa 100 Kilometer westlich von Caracas ereigneten, mit Magnituden von 7,2 und 7,5 besonders stark. Zahlreiche Häuser in der Hauptstadt und entlang der Nordküste des Landes stürzten ein.Erste Fotos aus dem betroffenen Gebiet zeigen schwere Schäden an Gebäuden, die zum Teil zusammenbrachen. Auch vom in Küstennähe gelegenen internationalen Flughafen von Caracas wurden schwere Schäden gemeldet. Nach ersten Meldungen aus dem Katastrophengebiet gab es zahlreiche Verletzte und mindestens 32 Todesopfer. Seismologen befürchten, dass zahlreiche Menschen unter den Trümmern ihrer Häuser verschüttet wurden und die Zahl der Opfer drastisch steigen könnte.Gebäude sind nicht erdbebensicher gebautViele Gebäude in dem südamerikanischen Land sind ohne Erdbebenverstärkungen gebaut worden und deshalb gegenüber Erschütterungen besonders anfällig. Nach Angaben des mit der weltweiten Erdbebenüberwachung befassten amerikanischen geologischen Dienstes USGS gab es in Venezuela in den vergangenen 125 Jahren lediglich fünf weitere Erdbeben mit ähnlich starken Magnituden von mehr als 7. Das folgenreichste Erdbeben in dem Land im vergangenen Jahrhundert ereignete sich im Juli 1967, als Erdstöße der Magnitude 6,6 Caracas erschütterten. Damals kamen mindestens 240 Menschen ums Leben. Im März 1812 kamen bei einem schweren Erdbeben mindestens 30.000 Menschen in den Städten Caracas und Mérida ums Leben.Aus Angst, in ihre Häuser zurückzukehren, verbringen in Caracas viele Menschen die Nacht nach dem Erdbeben im Freien.ReutersSchwere Erdbeben sind entlang der Pazifikküste in Südamerika keine Seltenheit. So ereignete sich das schwerste bisher weltweit gemessene Erdbeben in Chile. Es erreichte im Mai 1960 die Rekordmagnitude von 9,5. Der Grund für die hohe Seismizität in diesem Teil der Welt: Dort schiebt sich die Nazca-Erdkrustenplatte unter die Südamerikanische Platte. Bei diesem Subduktionsvorgang verhakeln sich die beiden Platten und stauen dabei mechanische Energie auf. Wird die Bruchfestigkeit des Gesteins überschritten, kann es zu sehr schweren Erdbeben kommen.In Venezuela ist die tektonische Situation aber anders. Dieses Land im Norden Südamerikas grenzt nicht an den Pazifik, sondern an seiner Nordküste an das Karibische Meer. Unter diesem Gewässer bewegt sich eine selbständige, recht kleine Erdkrustenplatte langsam in Richtung Osten und schrammt dabei entlang der venezolanischen Küste entlang des südamerikanischen Kontinents.Diese Bewegung ist vergleichbar mit der San-Andreas-Verwerfung entlang der Kontaktzone zwischen der Pazifischen Platte und der Westküste des nordamerikanischen Kontinents. Dementsprechend kommt es in beiden Regionen zu Erdbeben. Weil die Karibische Platte sich aber nur halb so schnell wie ihr pazifisches Gegenstück an der amerikanischen Westküste bewegt, sind die Erdbeben in Venezuela im Mittel schwächer als jene in Kalifornien. Deshalb war die große Stärke der beiden jüngsten Erdbeben in Venezuela überraschend. Sie trafen das ohnehin politisch und wirtschaftlich arg gebeutelte Land besonders stark.
Viele Tote befürchtet: Deswegen könnte das Erdbeben in Venezuela verheerende Folgen haben
Erschütterungen an der Nordküste Venezuelas sind nicht ungewöhnlich. Die jetzigen Erdbeben waren aber überraschend stark. Viele Gebäude in dem Land sind darauf nicht vorbereitet gewesen.











