Volkswagen steht kurz vor der Entscheidung über seinen Schiffsmotorenhersteller Everllence. Nach F.A.Z.-Informationen sollte der Vorstand am Mittwochnachmittag beraten und eine Empfehlung aussprechen, welche der drei Bieterparteien den Zuschlag bekommt. Für den Abend hat der Aufsichtsrat des Wolfsburger Automobilkonzerns eine Sitzung anberaumt.Den Wert von Everllence taxieren Beteiligte auf acht bis neun Milliarden Euro. Um die Mehrheit an der Schiffsmotoreinheit bemühen sich nach Auskunft aus Finanzkreisen die Beteiligungsgesellschaften CVC, Bain und EQT – wobei Letztere in einem ungewöhnlichen Konsortium bietet: nämlich zusammen mit dem Volkswagen-Hauptaktionär Porsche SE und dem VW-Großaktionär Qatar.Volkswagen lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab. Auch die Private-Equity-Häuser haben sich in der Vergangenheit nicht geäußert. Everllence ist der neue Name der Traditionssparte MAN Diesel & Turbo, die zwischendurch einige Jahre MAN Energy Solutions (MAN ES) hieß. VW hatte das Geschäft vor rund fünfzehn Jahren mehrheitlich übernommen und wollte es 2019 schon wieder verkaufen. Dieser erste Anlauf scheiterte. Nun will VW 51 Prozent der Anteile an Everllence abgeben.Weltmarktführer für SchiffsmotorenEverllence erzielte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mit 16.200 Beschäftigten 4,9 Milliarden Umsatz. Zum Gewinn macht das in Augsburg ansässige Unternehmen keine Angaben; Kenner beziffern das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), das üblicherweise als Basis für die Preisermittlung dient, auf 700 bis 800 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Schiffsmotoren machen den Löwenanteil des Geschäfts aus, das Unternehmen gilt hier als Weltmarktführer.Volkswagen hatte den Verkaufsprozess im Spätsommer vergangenen Jahres aufs Gleis gesetzt, als der Konzern die Investmentbanken Goldman Sachs und J.P. Morgan mandatierte, wie Insider berichten. Die drei genannten Beteiligungshäuser kamen in die engere Wahl und unterbreiteten Anfang des Monats vorläufige Offerten, in denen sie Pläne zu Standorten und Arbeitsplätzen beschrieben. Anfang dieser Woche legten sie dem Vernehmen nach Offerten mit einem konkreten Preis vor.Ungewöhnliche Konstellation im AufsichtsratDer Preis dürfte in dieser Transaktion nur eines der Hauptkriterien sein, was mit einer besonderen Abstimmungskonstellation im Aufsichtsrat zusammenhängt. Denn EQT bietet zusammen mit zwei VW-Großaktionären, die im Kontrollgremium vertreten sind. Zwei der zehn Vertreter auf der Kapitalbank sind Qatar zuzuordnen, vier der Porsche SE. Diese sechs sollten, wie zu hören ist, voraussichtlich nicht an der Abstimmung teilnehmen, um den Eindruck eines Interessenkonflikts zu vermeiden. Deshalb haben die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ungewöhnlichen Einfluss, wie man ihn beinahe nie in einem M&A-Prozess erlebt. Andererseits dürften die Arbeitnehmer wohl nicht gegen eine Empfehlung des Vorstands votieren. Die besondere Konstellation gilt als Grund, warum Volkswagen nach dem Erhalt der endgültigen Gebote nicht sofort über den Zuschlag entschieden hat: Der Prozess sollte offenbar formal besonders akribisch laufen, damit keine rechtliche Angriffsfläche entsteht.Everllence hat seinen Ursprung im Münchner Fahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN, der im Jahr 2015 in der konzerneigenen Nutzfahrzeugholding Traton aufgegangen war. Als VW drei Jahre später, im Herbst 2018, den Börsengang von Traton auf den Weg brachte, trennte der Wolfsburger Konzern die Sparte vom übrigen Geschäft seines Lastwagen- und Busherstellers MAN ab, genau wie den Getriebespezialisten Renk.Renk wurde damals an einen Finanzinvestor verkauft. Im Fall von Everllence, das damals noch MAN Energy Solutions hieß, begann dagegen ein Ringen um Kostensenkungen. Mit den Arbeitnehmervertretern wurde die Vereinbarung geschlossen, dass das Unternehmen mindestens bis zum Jahr 2026 ein Teil des VW-Konzerns bleibt, wenn es bestimmte Wachstums- und Renditeziele erreicht. Tatsächlich wurden die Vorgaben auch eingehalten.Der damalige Personalvorstand, Gunnar Kilian, soll sich intern dafür eingesetzt haben, dass Everllence auch über das Jahr 2026 hinaus im Konzern bleibt, konnte sich aber mit diesem Ziel ganz offensichtlich nicht durchsetzen. Vergangenes Jahr verließ er VW – auch der Umgang mit Everllence soll dabei eine Rolle gespielt haben. Dass nun zumindest ein Minderheitsanteil im VW-Konzern bleibt, soll auch auf ein entsprechendes Drängen der Arbeitnehmervertreter zurückgehen.
Milliardendeal Everllence: Volkswagen entscheidet über Schiffsmotoren
Es ist eine der großen deutschen Milliardentransaktionen des Jahres: Volkswagen will die Mehrheit an seiner Schiffsmotorensparte verkaufen. Wer bekommt den Zuschlag? An diesem Mittwoch tagen dazu die entscheidenden Gremien.














