Nach langem Ringen trennt sich der Volkswagen-Konzern von Teilen einer Sparte, die mit dem eigentlichen Automobilbau nichts zu tun hat. Everllence, früher bekannt als MAN Energy Solutions, stellt Motoren für Handelsschiffe und andere Großanlagen her. Sie war einst Teil des Münchner Fahrzeug- und Maschinenbauherstellers MAN und sollte eigentlich schon vor Jahren abgestoßen werden. Dass VW nun die Mehrheit der Aktien verkauft, ist richtig und überfällig. Die Umstände der Transaktion wirken allerdings – wie so oft im VW-Konzern – reichlich sonderbar.Weil auch die Holding der Familien Porsche und Piëch, die Porsche SE, sowie der Großaktionär Qatar in einem der Bieterkonsortien vertreten waren, nahmen gleich sechs Aufsichtsräte an der Abstimmung nicht teil. So sollte von vornherein jeder Anschein vermieden werden, die Vertreter der Anteilseigner könnten ihren Einfluss nutzen, um sich unrechtmäßige Vorteile zu verschaffen.Dem Aufsichtsrat fehlen unabhängige KontrolleureAm Ende erhielt zwar ein anderer Bieter, der amerikanische Finanzinvestor Bain, den Zuschlag. Dennoch wirft der Fall erneut ein Schlaglicht darauf, dass es dem VW-Aufsichtsrat an unabhängigen Kontrolleuren mangelt. Sie hätten ohne jeden Interessenkonflikt über sämtliche Angebote entscheiden können, auch über eines, an dem die Großaktionäre beteiligt waren.Betriebswirtschaftlich gibt es an der Transaktion wenig auszusetzen. VW fließt ein Milliardenerlös zu, den der Konzern gut gebrauchen kann, um seine vielfältigen Probleme rund um den Erdball zu bewältigen. Die Arbeitnehmervertreter können sich über Standortgarantien für Everllence freuen, und vieles spricht dafür, dass der Großanlagenhersteller in der neuen Eigentümerstruktur freier und flexibler agieren kann als im bisherigen Konzernverbund. Der Kapitalmarkt dringt seit Langem auf solche Transaktionen, mit denen sich VW von Beteiligungen trennt oder externe Investoren an einzelnen Sparten beteiligt. Sollten ähnliche Schritte nun auch bei der Batteriegesellschaft Powerco, dem Hamburger Fahrdienst Moia oder anderen Geschäftsteilen folgen, wäre das zumindest ein Signal, dass das Wolfsburger Management die Hinweise der Finanzmärkte ernst nimmt.