Volkswagen verschafft sich mit einem Verkauf Luft für den grossen UmbauDer Autobauer gibt die Mehrheit an seinem Tochterunternehmen Everllence an den Finanzinvestor Bain ab. Damit bekommen auch rund 900 Mitarbeiter in Zürich einen neuen Eigentümer.Cornelius Welp, Frankfurt25.06.2026, 15.57 Uhr3 LeseminutenNeben der Hardbrücke in Zürich betreibt Everllence auch im deutschen Oberhausen eine Motorenproduktion.IMAGO/Revierfoto / ImagoDie Produkte aus der Hardstrasse 319 in Zürich tragen Namen wie Hofim, Mopico und Turbair. Die Kompressoren sind das Ergebnis der Arbeit von 900 Beschäftigten aus rund 40 Nationen, die hier für den deutschen Motorenbauer Everllence arbeiten. Das Unternehmen will nicht einfach nur «Weltklasse-Technologie aus dem Herzen Zürichs» verkaufen. Es hat sich auch das Ziel gesetzt, «Energie in nachhaltigen Fortschritt und Wohlstand für eine klimaneutrale Zukunft umzuwandeln», heisst es in der Selbstdarstellung auf der Schweizer Webseite.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In Zukunft wird es diesen Anspruch aller Voraussicht nach unter neuer Führung verfolgen. Denn in der Nacht zu Donnerstag gab der bisherige Alleineigentümer Volkswagen bekannt, dass er die Mehrheit an Everllence an den Finanzinvestor Bain Capital verkauft. Der deutsche Autobauer will auch künftig mit einem Anteil von 49 Prozent beteiligt bleiben. Wenn alle Behörden zustimmen, fliesst ihm durch die Transaktion ein Erlös von 7,4 Milliarden Euro zu. Dieser solle die Substanz des Konzerns «in der laufenden Transformation erheblich stärken», heisst es in der Mitteilung.Wie herausfordernd der Umbau ist, hat die Konzernführung in den vergangenen Monaten immer wieder klar gemacht. Schon im März hatte Vorstandschef Oliver Blume verkündet, dass das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr funktioniere. Auf dem Weg in die Zukunft muss Volkswagen gleichzeitig hohe Summen investieren und eine gesunkene Nachfrage abfedern. Andere Unternehmen aus der Branche müssen den gleichen Spagat meistern. Dabei sparen sie nicht nur, sondern trennen sich auch von Beteiligungen abseits ihres Kerngeschäfts.Viele Konzerne trennen sich von TeilenSo hat Mercedes im Februar angekündigt, unter anderem durch den Verkauf weiterer Anteile am 2021 abgespaltenen LKW-Bauer Daimler Truck rund zwei Milliarden Euro zu erlösen. Der hoch verschuldete Zulieferer ZF Friedrichshafen gab Ende vergangenen Jahres den Verkauf seiner Sparte für Fahrerassistenzsysteme bekannt. Der frühere Mischkonzern Continental hat sich in den vergangenen Jahren von grossen Teilen seiner Aktivitäten getrennt und fokussiert sich künftig fast ausschliesslich auf die Produktion von Reifen.Für Volkswagen ist der Verkauf von Everllence finanziell attraktiv. Die Beteiligung stand zuletzt mit einem Wert von 3,4 Milliarden Euro in den Büchern, nun soll die Bewertung bei deutlich über acht Milliarden Euro gelegen haben. Sie ist auch eine Wette darauf, dass die Transformation des Unternehmens erfolgreich ist.«Future Fuels» statt Schweröl und DieselBis vor einem Jahr hiess dieses noch MAN Energy Solutions. Ursprünglich baute es Motoren für Schiffe, Kraftwerke und die Industrie. Der neue Name, eine Kombination der englischen Wörter «ever» (immer) und «Excellence», soll zeigen, dass sich das Geschäftsmodell verändert hat. Die neuen Motoren sollen kein klimaschädliches Schweröl und Diesel mehr schlucken, sondern schadstoffarme «future fuels». Zudem hat das Unternehmen, das insgesamt rund 16 000 Personen beschäftigt, sein Angebot um klimafreundliche Technologien erweitert. So produziert es etwa Grosswärmepumpen, die ganze Stadtteile, Industrieanlagen oder Rechenzentren versorgen können sollen.Dem neuen Mehrheitseigentümer Bain Capital gehören in Deutschland derzeit unter anderem der Immobiliendienstleister Apleona und das E-Commerce-Unternehmen Berlin Brands Group. In der Vergangenheit war der Investor auch am Pharmakonzern Stada und dem Chemieunternehmen Brenntag beteiligt. In der Schweiz hat er dem Pharmakonzern Lonza zusammen mit dem Investor Cinven das Geschäft mit Spezialchemikalien abgekauft.Bei Volkswagen dürfte der Umbau mit der aktuellen Transaktion noch nicht abgeschlossen sein. Der Konzern hat angekündigt, sich einfacher zu organisieren, vor allem kleinere Beteiligungen stehen auf dem Prüfstand. Möglich scheint auch, dass er sich in Zukunft von weiteren Aktien des LKW-Bauers Traton trennt. Für die Batterietochter PowerCo könnte er dagegen perspektivisch einen Partner suchen, der mit frischem Kapital bei dem Unternehmen einsteigt.Passend zum Artikel