Er gehört zu den großen Abräumern bei der diesjährigen Michelin-Zeremonie für Deutschland: Der Münchner Koch Jens Madsen durfte am Dienstagabend bei der Vergabe der begehrten Sterne des Guide Michelin in Frankfurt am Main nicht nur die Auszeichnung für die Neueröffnung des Jahres entgegennehmen; er und sein Team vom Restaurant The Cloud wurden darüber hinaus nach einem Jahr Betrieb aus dem Stand mit zwei von drei möglichen Sternen ausgezeichnet.Der 32-Jährige hat zu Beginn des vergangenen Jahres die Stelle des Küchenchefs im Gourmetrestaurant in der BMW Welt angetreten, nachdem Bobby Bräuer das Haus nach fast zwölf Jahren verlassen hatte. Schon unter Bräuers Leitung wurde das Esszimmer, wie das Restaurant damals noch hieß, zehn Jahre in Folge mit zwei Sternen bedacht.Die neuen Zwei-Sterne-Köche (von links): Jens Madsen vom Münchner The Cloud, Jochim Busch vom Rausch in Frankfurt am Main und Fabian Obergfell aus der Mühle am Schluchsee im Schwarzwald bei der Michelin-Gala. Hannes P. Albert/Hannes P. Albert/dpaNach dessen Weggang folgte ihm sein damaliger Souschef Madsen nach. Das Restaurant wurde renoviert und vor einem Jahr unter dem Namen The Cloud by Käfer wiedereröffnet. Madsen und sein ebenso junges Team verfolgen seither ein für die hiesige Fine-Dining-Landschaft einzigartiges Konzept: Ihr Menü basiert für begrenzte Zeit auf den Aromen einer bestimmten Region, die sie gemeinsam bereisen. Den Auftakt machte die Küche Südostafrikas, bald folgt die Amazonasregion.Diese Kreativität belohnt nun der Guide Michelin mit dem Award „Neueröffnung des Jahres“, der in Deutschland heuer zum ersten Mal vergeben wurde. Madsen habe gedacht, so erzählt er es im Anschluss an die Zeremonie am Telefon, dass er die Bühne zum letzten Mal betritt, als er diesen Preis entgegennimmt. Er sei nämlich davon ausgegangen, dass The Cloud in die Kategorie der Ein-Sterner aufgenommen werde, und diese Liste war kurz zuvor vorgelesen worden.Dass er dann aber für die Prämierung der Zwei-Sterne-Restaurants gleich auf der Bühne bleiben durfte, habe ihn überwältigt: „Es ist meine erste Küchenchefstelle und unser erstes Jahr“, erklärt Madsen. „In diesem Zeitraum zwei Sterne zu schaffen, ist schon einzigartig.“ The Cloud ist deutschlandweit eins von vier Restaurants, die bei der diesjährigen Selektion erstmals mit dieser Note ausgezeichnet wurden.Diesen Neuzugang eingerechnet gibt es in München nun insgesamt fünf Restaurants dieser Kategorie: Dallmayrs Gourmetrestaurant Alois konnte unter Küchenchefin Rosina Ostler seine zwei Sterne aus dem Vorjahr verteidigen, ebenso das Atelier im Bayerischen Hof unter Kevin Romes, das Komu unter Christoph Kunz sowie das Tantris unter Benjamin Chmura. Dessen Kollege Noris Conrad durfte sich außerdem über den Sommelier-Award freuen.Ungewöhnliches Design: Eine Wolken-Installationhängt im The Cloud über der steinernen Theke. Robert HaasBemerkenswert ist, dass das Atelier wie in den vergangenen Jahren unter Anton Gschwendtner nun auch unter Kevin Romes zwei Sterne holen konnte, obwohl Romes noch keine drei Monate die Küche dort leitet. Er habe zwar an seiner vorherigen Wirkungsstätte in der Schweiz auch schon mehrmals zwei Sterne erkocht, sagt Romes nach der Verleihung am Telefon. Aber in so kurzer Zeit und noch dazu in einem neuen Umfeld und mit neuem Team diese Leistung zu verteidigen, sei doch anspruchsvoll gewesen.Die Zahl der Münchner Restaurants, die sich mit der Höchstnote des Guide Michelin schmücken dürfen, bleibt unverändert: Jan Hartwigs Restaurant Jan in der Luisenstraße erhält zum vierten Mal nacheinander drei Sterne und auch Tohru Nakamura kann an den Erfolg seines Restaurants Tohru vom Vorjahr anknüpfen. Insgesamt gehören deutschlandweit zwölf Restaurants zu jener Gruppe der kulinarischen Spitzenreiter.Zwanzig Restaurants in Deutschland erhalten bei dieser Selektion erstmals einen Michelin-Stern, darunter jedoch keins aus München. Trotzdem hat sich die Anzahl der Ein-Sterner in der Stadt verändert, denn nur acht von neun im Vorjahr ausgezeichneten Restaurants konnten ihren Stern halten: das 1804 in der Hirschau unter Küchenchef Lukas Adebahr, das Brothers in der Kurfürstenstraße (Daniel Bodamer), das Gabelspiel in Giesing (Florian Berger), das Les Deux im Schäfflerhof (Nathalie Leblond), das Mountain Hub Gourmet am Flughafen (Marcel Tauschek), das Sparkling Bistro in der Amalienpassage (Jürgen Wolfsgruber), das Tantris DNA (Benjamin Chmura) und der Werneckhof (Sigi Schelling).Überraschend von der Liste gerutscht ist Dominik Käppelers Restaurant Showroom in der Au, das sich unter dessen Führung seit 2015 (damals noch unter dem Namen Schweiger²) Jahr um Jahr einen Stern sichern konnte. Auch der Edel-Italiener Acquarello in Bogenhausen, das von 2000 bis 2024 durchgehend mit einem Stern ausgezeichnet wurde, konnte ihn sich heuer nicht zurückholen.Ganz gestrichen hat der Guide Michelin seinen grünen Stern, eine Zusatzauszeichnung für besonders nachhaltige Konzepte, die vor sechs Jahren eingeführt wurde und in der Branche gleichermaßen geschätzt wie kritisiert wurde. Auf der einen Seite verhalf er Betrieben, die viel Zeit, Energie und Geld in nachhaltiges Arbeiten investierten, zu mehr Sichtbarkeit; auf der anderen Seite warf man dem grünen Stern mangelnde Transparenz vor, da er auf Selbstauskunft der Restaurants beruhte. In München hatten ihn bis zuletzt das Broeding, das Beetle und das 1804.An dessen Stelle tritt nun „Mindful Voices“, das neue redaktionelle Konzept des Guide Michelin, das wegweisende Persönlichkeiten aus Gastronomie, Hotellerie und Weinbau eine Bühne bieten will. Es startet 2026 auf Europaebene und soll dann weltweit ausgerollt werden. Das Münchner Broeding gehört beispielsweise zu den „allerersten ‚Mindful Voices‘“ wie der Michelin Guide Manuel Reheis, Broeding-Küchenchef und Miteigentümer, schriftlich mitteilte.„Obwohl der grüne Stern nur auf Selbstauskunft beruhte, waren wir schon sehr stolz darauf, weil er sichtbar machte, was jenseits des Tellerrandes passiert“, sagt Reheis im Gespräch. Ob aber die „Mindful Voices“ eine aussagekräftigere Alternative und besser nachzuvollziehen sein werden als der grüne Stern, müsse man erst abwarten, findet Reheis.Die Münchner Sterne-Restaurants im ÜberblickDrei SterneJanTohru in der SchreibereiZwei SterneAlois - Dallmayr Fine DiningAtelierKomuThe Cloud by Käfer - NEUTantrisEin Stern1804 HirschauBrothersGabelspielLes DeuxMountain Hub GourmetSparkling BistroTantris DNAWerneckhof Sigi Schelling