Die Präsentation der Michelin-Sterne ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland ein Ereignis. Dass sich Daniel Schimkowitsch, der Küchenchef des Restaurants L. A. Jordan, seit Dienstagabend mit der Höchstbewertung von drei Sternen schmücken darf, ist gerechtfertigt.Man muss sich das pfälzische Deidesheim als Weinort vorstellen, der sich in den vergangenen Jahrzehnten von einer renommierten Winzergemeinde zu einer Gourmetmetropole entwickelt hat. Dass hier auch früher gut gegessen wurde, beweisen die «Kanne», eines der ältesten Gasthäuser Deutschlands, sowie der alteingesessene «Deidesheimer Hof». Doch es waren erst der «Ketschauer Hof» und sein Fine Dining namens «L. A. Jordan», die die Leistung der heutigen Genuss-Gemeinde komplettierten.Die konstante Qualität des Restaurants und seines Küchenchefs Daniel Schimkowitsch wurde soeben mit dem dritten Stern gekrönt. Diese Entscheidung kommt nicht überraschend. Der einzige neue Dreisterner in Deutschland: das «L. A. Jordan» mit Daniel Schimkowitsch. PD Nicht viele Köche sind so neugierig und gleichzeitig ehrgeizig wie Daniel Schimkowitsch. Seinen ersten Stern hatte der Mann vor fünfzehn Jahren in München geholt; drei Jahre später erfolgte der Wechsel in den «Ketschauer Hof», wo der Unternehmer Achim Niederberger massiv investiert hatte. Dieser erste Stern kam schnell, doch dann passierte einige Jahre lang nichts. Der «Guide Michelin» zögerte zunächst mit höheren Weihen, obwohl viele Fachleute zwei Sterne forderten. Doch dann ging alles ganz schnell: 2023 kam der zweite Stern, nun, drei Jahre später, der dritte.Ein Koch als ProduktefanatikerVon Anfang an suchte der Küchenchef nach den besten Zutaten. Ich habe hier schon mehrfach Kaisergranate gegessen, die in dieser Qualität sonst nur noch in den Drei-Sterne-Restaurants der grossen Metropolen zu finden sind. Bei einem anderen Besuch wurden mir in einem Gang Percebes serviert, die berühmten Entenmuscheln, die nicht wirklich Muscheln sind, aber sowohl in der deutschen wie in der Schweizer Spitzengastronomie kaum je zu finden sind – zu schwierig ist die Beschaffung, zu hoch sind die Preise. Schimkowitsch aber kaufte immer bei den besten Quellen ein, gab viel Geld aus und durfte es auch. In der Pfalz so gute Kaisergranate wie in New York: Das muss man erst einmal hinbekommen! Wolfgang Fassbender Japanische Akzente und Umami-Tiefe kennzeichnen die Küche, grossartige, finessenreiche und stets erfrischende Desserts wie die Mango mit Kokosnuss und Kaffirlimette sowie die als Abschluss gereichte, stets variierte Buchtel nicht zu vergessen. Keine Frage: Die Küche hat ihre Handschrift längst gefunden. Und dass die Besitzer des Restaurants stets Unterstützung leisteten und langfristig planten, zahlt sich nun aus.Drei-Sterne-Ambiente mit Weinen bis 1811Auch die Umgebung rechtfertigt die drei Sterne. Das Restaurant befindet sich im Innenhof eines der traditionsreichen Weingüter der Pfalz (Bassermann-Jordan), verfügt allerdings über ein leichtes, unbeschwertes Ambiente. PD Gourmetküche im Weingut: das «L. A. Jordan» im pfälzischen Deidesheim. Der Service ist alles andere als steif, die Weinkarte exzellent. Wer will, kann hier sogar Pfälzer Wein des Jahrgangs 1811 ordern. Ein paar Flaschen vom Forster Ungeheuer aus dem sogenannten Kometenjahr lagern noch im Keller des Gutes. Soweit ich weiss, wurde bislang noch nie eine bestellt, was auch mit dem Preis zusammenhängen dürfte; er wird nur auf Anfrage genannt und dürfte nach meiner Vermutung deutlich fünfstellig ausfallen. Doch vielleicht findet sich ja in den nächsten Monaten ein Kunde, der seine Drei-Sterne-Euphorie mit einem historischen Trinkerlebnis krönen möchte. Da ich den 1811er schon einmal verkosten durfte, kann ich bestätigen, dass sich diese Investition lohnen wird. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.