Nach dem Sportchef ist im EV Zug nun auch der CEO Geschichte – der Klub zerfleischt sich unter dem Präsidenten Hans-Peter Strebel selbstZerstritten, konzeptlos und sportlich mittelmässig: Der Meister von 2021 und 2022 hat in kürzester Zeit seine Glaubwürdigkeit verspielt.23.06.2026, 17.40 Uhr3 LeseminutenDer ehemalige EVZ-CEO Patrick Lengwiler in der Bossard-Arena in Zug.Stefan Kaiser / CH MediaEs gab im EV Zug schon einige denkwürdige Sommer. 2001 etwa setzte der Klub nach einem frühen Saisonende eine Task-Force ein, die eine «Viererbande» denunzierte, worauf der Klub sich medienwirksam von prominenten Spielern trennte. Aber eigentlich wähnte man die «Hollywood»-Phase des Vereins passé. Unter dem schwerreichen EVZ-Mehrheitsaktionär und Präsidenten Hans-Peter Strebel regierte im Klub die Seriosität. Wenn man dem Verein etwas vorwerfen konnte, dann vielleicht etwas zu wenig Hollywood. Und zu viel Konformismus.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Aber nun wird der Klub durchgeschüttelt wie seit langem nicht mehr. Auf die am Freitag publik gewordene Trennung des Sportchefs folgte am Dienstag der Abschied von Patrick Lengwiler. Lengwiler, 47, war zwischen 2004 und 2012 EVZ-Sportchef, ehe er zum CEO befördert wurde. Er ist der Baumeister des EVZ, wie man ihn heute kennt, wurde geschätzt für seine Weitsicht. Und in diesen Tagen mit dem Stadionausbau beschäftigt, den es brauchte, weil seine Konzepte so lange verfingen. Kurzum: Er ist der wichtigste Mitarbeiter, den dieser Verein im 21. Jahrhundert beschäftigt hat.Dass Lengwiler den EVZ verlässt: Man hätte es nicht für möglich gehalten. Und wenn, dann, weil er eine neue Herausforderung sucht. Doch nun ist er auf schäbigste Art und Weise entsorgt worden.Konstruktive Kritik ist im EVZ offenbar nicht erwünschtLengwiler und Kläy hatten vor wenigen Wochen intern den Antrag gestellt, die erste Mannschaft etwas vom bei den Spielern seit Jahren unbeliebten Athletikzentrum OYM abzukoppeln. Sie gaben weiter, was ihnen die Akteure in den Gesprächen zum Saisonabschluss erzählten: konstruktive Kritik, keine Revolution, sondern eine Optimierung.So viel Offenheit ist im EV Zug im Jahr 2026 offenkundig nicht erwünscht – nicht, wenn es ums OYM geht, das Lebenswerk des Präsidenten Strebel, welches er mit mehr als 100 Millionen Franken aus seinem Privatvermögen finanziert hat. Und der, dieser Eindruck entsteht derzeit, den Verein offenbar nach dem Motto «L’État, c’est moi» führt.Wenige Wochen nach dem Antrag sind Kläy und Lengwiler Geschichte.Strebel hatte am Montag einen denkwürdigen Medienauftritt, bei dem er behauptete, die Trennung von Kläy habe mit dem OYM nichts zu tun. «Es ist ein sportlicher Entscheid», sagte er. Und hoffte ernsthaft, dass ihm das jemand abnimmt. Fast drei Monate nach dem Saisonende. Und nachdem Kläy mit dem Finnen Lauri Marjamäki einen neuen Trainer eingestellt hatte, für den die Zuger angeblich eine sechsstellige Ablösesumme nach Kloten überwiesen.Der CEO Lengwiler zieht die Konsequenzen und geht per sofortBei dem Entscheid, Kläy zu entlassen, wurde Lengwiler übergangen. Die schwelenden Gerüchte über den bevorstehenden Abgang des CEO kommentierte Strebel so: «Wenn er mit dieser Situation nicht umgehen kann, ist das seine Entscheidung.»Die Stillosigkeit machte rund um den Klub sprachlos. Nicht zuletzt auch Lengwiler, der die Konsequenzen zog und per sofort nicht mehr für den Verein tätig ist, den er so mühevoll aufgebaut hat. In der Medienmitteilung steht, der Verwaltungsrat habe ihm ohnehin eröffnet, dass sein Vertrag per Herbst 2027 «aufgrund von unterschiedlichen strategischen Vorstellungen» aufgelöst werde.Vielleicht gelingt es Strebel und seinem ihm hörigen Verwaltungsrat – Einsitz hat unter anderem sein Sohn –, mit den Entlassungen der beiden wichtigsten, aber offenbar zu aufmüpfigen Kadermitarbeitern Ruhe in den Verein zu bringen. Aber der Unmut beim Anhang, bei den Sponsoren und sogar Teilen der Mannschaft ist so gross, dass das ein frommer Wunsch sein könnte.«Es ist Zeit für einen Neuanfang», sagte Strebel am Montag. Er meinte in der sportlichen Führung, aber nach den Geschehnissen der letzten Tage fragt es sich, ob nicht der 76-jährige Präsident den Weg für einen solchen freimachen müsste.Jedenfalls ist dieser Klub derzeit kaum wiederzuerkennen: zerstritten, konzeptlos, unglaubwürdig und sportlich gefangen im Mittelmass. Die Verantwortung dafür liegt beim Präsidenten.Passend zum Artikel