Bis zu vier weitere Diplomaten der in Afghanistan herrschenden islamistischen Taliban sollen nach Deutschland kommen, damit mehr Abschiebungen in das Land am Hindukusch möglich werden. Es müssten mehr Identitäten festgestellt und Pässe ausgestellt werden, so dass zusätzliche afghanische Konsularbeamte benötigt würden, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Bundesregierung werde die Vertreter in Afghanistan genau überprüfen, bevor sie ihnen Visa erteile.Ziel sei es, zunächst mehr Straftäter und Gefährder abzuschieben, sagte der Sprecher weiter. Wann genau die Taliban-Beamten nach Deutschland kommen, stehe bisher nicht fest. Bei Gesprächen in der vergangenen Woche hätten sich die Bundesregierung und die Taliban auf mehr Rückführungen geeinigt.Am Wochenende hatte das Bundesinnenministerium angekündigt, dass künftig bis zu drei Charterflüge pro Monat sowie jederzeit einzelne Rückführungen per Linienflug möglich seien. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) will die Abschiebungen nach Afghanistan erheblich ausweiten. Taliban-Diplomaten auch bei Gesprächen mit der EU Auch Belgien hat fünf Vertretern der radikalislamischen Taliban Visa erteilt, die in den kommenden Tagen in Brüssel für Gespräche mit der EU über die Rückführung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan erwartet werden. Die Visa seien am Montag nach einer Sicherheitsüberprüfung gewährt worden, sagte eine Sprecherin des belgischen Außenministers. Die Visa gelten demnach nur für einen Tag und nur für Belgien, nicht für den Schengen-Raum.Aus Sicherheitsgründen soll das Ankunftsdatum der Delegation nicht veröffentlicht werden. Aus Diplomatenkreisen sowie in Medienberichten hieß es allerdings, dass die Gespräche am Dienstag stattfinden könnten.Die Europäische Kommission hat die Vertreter zu Gesprächen eingeladen, um die irreguläre Migration einzudämmen und die Abschiebungen zu verstärken – obwohl sie die Taliban-Regierung nicht offiziell anerkennt. Das geplante Treffen ist umstritten. Kritiker sagen, es laufe den Werten der EU zuwider.Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben bestritten, dass der Empfang von Taliban-Vertretern einer Anerkennung der Regierung in Kabul gleichkomme. EU-Innenkommissar Magnus Brunner sagte, Brüssel habe keine andere Wahl, als mit den Taliban über die Rückführung irregulärer Migranten aus Afghanistan zu sprechen. Menschenrechtsorganisationen haben die Rechtmäßigkeit und die Ethik der Rückführung von Migranten in ein Land in Frage gestellt, das sich den Vereinten Nationen zufolge mitten in einer schweren humanitären Krise befindet. Deutschland wies vergangene Woche 32 Afghanen aus Vergangene Woche hatte Deutschland 32 Afghanen per Charterflug in ihr Herkunftsland abgeschoben. Unter den ausgewiesenen Männern waren laut Bundesinnenministerium Straftäter, die unter anderem wegen Vergewaltigung, Tötungsdelikten, sexuellen Missbrauchs von Kindern, Drogenhandels und räuberischer Erpressung verurteilt worden waren. Zuvor war ein ursprünglich für Ende Mai geplanter Abschiebeflug abgesagt worden, weil die Taliban-Machthaber nicht kooperiert hatten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatten sich die de-facto-Herrscher in Kabul zuvor unzufrieden gezeigt über die aus ihrer Sicht mangelnde Gesprächsbereitschaft von Vertretern des Auswärtigen Amts.Im August 2024 waren erstmals seit der Machtübernahme durch die Taliban drei Jahre zuvor 28 männliche Straftäter mit Hilfe von Katar von Leipzig nach Kabul abgeschoben worden. Inzwischen gibt es auch wieder von Deutschland selbst organisierte Abschiebungen nach Afghanistan – sowohl Einzelabschiebungen per Linienflug als auch Sammelcharter.Europäische Regierungen, darunter die Bundesregierung hatten ihre Botschaften in Kabul geschlossen, als die Taliban 2021 wieder die Macht übernommen hatten und ihre strenge Auslegung des islamischen Rechts durchsetzten. Frauen müssen sich fast vollständig verschleiern, wenn sie das Haus verlassen. Eine Vielzahl öffentlicher Orte dürfen sie nicht betreten. Die Bildung für Mädchen endet im Alter von zwölf Jahren. (AFP/dpa)