Nachdem Deutschland mit den Taliban über eine Ausweitung deren diplomatischer Präsenz in Deutschland im Gegenzug für mehr Abschiebeflüge nach Kabul verhandelt hat, sind nun auch in Brüssel Vertreter der Taliban eingetroffen, um mit der Europäischen Kommission über die Rückführung afghanischer Staatsangehöriger zu sprechen. Es ist das erste offizielle Treffen dieser Art seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021.

Das Auswärtige Amt hatte am Montag bestätigt, dass „nicht mehr als vier“ zusätzliche afghanische Konsularbeamte nach Deutschland kommen sollen. Zudem sollen bis zu drei Charterflüge pro Monat möglich sein, vereinbart in „technischen Gesprächen“ mit Taliban-Vertretern, wie das Bundesinnenministerium am Wochenende mitteilte. Nach einem Bericht des afghanischen Portals Kabul Now, der sich auf Recherchen des NDR stützt, ist hingegen von sechs zusätzlichen Diplomaten die Rede – und von einem Ort, den die offizielle Berliner Linie bislang nicht erwähnt hat: einem Hotel in Istanbul, wo die Vereinbarung in der vergangenen Woche bei vertraulichen, mehrtägigen Gesprächen erzielt worden sein soll.

Diese Diskrepanz zwischen offizieller Zahl und Medienbericht ist bislang nicht geklärt. Weder das Istanbul-Treffen noch die Zahl Sechs wurden von deutscher Seite öffentlich bestätigt. Auf eine Presseanfrage der Berliner Zeitung reagierte das Auswärtige Amt nicht.