Zum ersten Mal seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat die Europäische Union Vertreter der islamistischen Regierung zu Gesprächen in Brüssel empfangen. Die EU-Kommission bestätigte ein Treffen auf »technischer Ebene«, bei dem vorwiegend die Rückführung afghanischer Staatsangehöriger aus Europa Thema gewesen sei.
Eine politische Anerkennung der Taliban sei damit ausdrücklich nicht verbunden, betonte die Behörde. Die Taliban werteten das Treffen dagegen als diplomatischen Erfolg.Nach Angaben der Kommission ging es darum, Abschiebungen von Afghanen zu erleichtern, die in EU-Staaten Straftaten begangen haben oder als Sicherheitsrisiko eingestuft werden. Im Mittelpunkt habe zudem die Wiederaufnahme umfassender konsularischer Dienstleistungen für Afghaninnen und Afghanen in Europa gestanden.
Die Kontakte sind politisch heikel. Die Taliban stehen seit ihrer Rückkehr an die Macht im August 2021 wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Internationale Organisationen werfen ihnen vor, Frauen systematisch aus Bildung und Arbeitsmarkt auszuschließen, politische Gegner zu verfolgen und die Pressefreiheit massiv einzuschränken.
Auch innerhalb Europas wird die Debatte über Abschiebungen nach Afghanistan kontrovers geführt. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hatte erst im Mai vor einer Ausweitung von Rückführungen gewarnt. Solche Maßnahmen könnten Menschen gefährden und internationale Menschenrechtsstandards untergraben, erklärte er.










