In Familien wird über vieles gestritten. Über Politik, über Erziehung oder über die Frage, ob man den Geschirrspüler richtig eingeräumt hat. Dass gelegentlich ausgerechnet die Wahl der Salatsoße für Spannungen sorgt, scheint zunächst unverständlich. Und doch kenne ich kaum ein anderes Rezept, das die kulinarischen Überzeugungen von Menschen so schonungslos offenlegt.

Bei mir beginnt ein guter Salat mit Vielfalt. Er darf bunt sein. Verschiedene Blattsalate, etwas Radicchio für die Bitterkeit, Rucola für die Schärfe, Eisbergsalat für den Biss. Dazu Gurke, Tomate, vielleicht etwas Karotte, geröstete Nüsse, gelegentlich Feta oder Ziegenkäse, Orangenfilets, Apfel oder ein paar Himbeeren – und manchmal ein paar Streifen gebratenes Huhn. Für manche Puristen ist das bereits eine komplette Mahlzeit. Für mich ist es immer noch Salat. Die eigentliche Hauptrolle spielt allerdings die Soße, sie ist bei mir das Bindemittel.

Regionale Spezialität wird zum Massenphänomen

Über viele Jahre habe ich an meiner persönlichen Lieblingsvinaigrette gefeilt. Viel Senf, etwas Honig, unterschiedliche Essige, verschiedene Öle und eine ordentliche Portion Dill, die fein mitpüriert wird. Irgendwann war sie erreicht, diese nur schwer beschreibbare Balance zwischen Süße und Säure. Der Salat darf darin keinesfalls ertrinken. Die Soße soll begleiten, nicht dominieren. Schließlich möchte ich noch schmecken, was der Radicchio zu erzählen hat und warum der vermeintlich langweilige Eisbergsalat doch stets Absatz findet.