PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaft„Rudi hat das sehr gut gemacht“ – Bierhoff lobt Völlers Rückhalt für NagelsmannStand: 07:26 UhrLesedauer: 5 MinutenDie deutsche Nationalmannschaft bereitet sich auf das zweite Gruppenspiel vor. Am Samstag geht es gegen das Team der Elfenbeinküste. „Wir vertrauen in Julian Nagelsmann“, sagt Antonio Rüdiger.Jahrelang gab Oliver Bierhoff den Bundestrainern verbalen Flankenschutz. Vor dem Spiel gegen die Elfenbeinküste lobt der frühere DFB-Direktor das demonstrative Miteinander – und übt Kritik an den Preisen bei der WM.Knapp 17 Jahre ist es her, dass die Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste spielte. 2:2 endete das bislang einzige Aufeinandertreffen beider Nationen. Das Spiel am 18. November 2009 stand im Zeichen der Trauer um Robert Enke. Der Torhüter war am 9. November freiwillig aus dem Leben geschieden. Ein für zwei Tage später geplantes Spiel gegen Chile war damals abgesagt worden. Die Nationalspieler hatten zuvor an der Trauerfeier in Hannover teilgenommen und liefen gegen die Elfenbeinküste mit Trauerflor auf.Oliver Bierhoff war damals Teammanager bei der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Wenn die Elfenbeinküste am Samstag (22 Uhr MEZ/ZDF und MagentaTV sowie im Liveticker bei WELT) im zweiten WM-Vorrundenspiel auf Deutschland trifft, wird der 58-Jährige in Toronto auf der Tribüne sitzen. Nach dem Vorrundenaus bei der WM 2022 in Katar hatte Bierhoff nach 18 Jahren seinen Vertrag beim DFB aufgelöst. Rudi Völler wurde neuer Sportdirektor – Bierhoff indes ist Mitgründer und Chairman der FINVIA Sports GmbH, die ehemaligen Leistungssportlern und Trainern bei der Vermögensverwaltung und finanziellen Absicherung nach der Karriere hilft.WELT: Herr Bierhoff, wie haben Sie die Tage rund um das Spiel damals gegen die Elfenbeinküste in Erinnerung?Oliver Bierhoff: Es waren sehr traurige Tage. Nach der Absage des Testspiels gegen Chile sind alle erst einmal nach Hause gefahren, um allein für sich zu sein. Die Spieler, die Trainer und die Betreuer. Einige Spieler wollten nicht mehr zum Spiel gegen die Elfenbeinküste anreisen, was völlig verständlich war. Alle waren geschockt und wollten innehalten. Letztlich sind wir dann doch angetreten, aber es war kein Spiel, das Freude gemacht hat. Der Schmerz und die Trauer haben überwiegt.WELT: Wie nehmen Sie die Nationalmannschaft 17 Jahre später denn aktuell aus der Ferne wahr?Lesen Sie auchBierhoff: Sehr positiv. Mir gefallen die Homogenität und die Energie der Mannschaft. Das 7:1 zum Auftakt war gut, aber das Ergebnis hat aufgrund des Gegners keine große Aussagekraft. Aber so ein guter Start gibt dir als Team natürlich Selbstvertrauen. Auf das, was die Mannschaft gezeigt hat, muss sie aufbauen. Was mir wirklich sehr gefällt, ist, dass man als Außenstehender sieht, dass es eine geschlossene Einheit ist und die Mannschaft in der Lage ist, auf Rückschläge zu reagieren. Die Spieler vermitteln dem Zuschauer, dass sie Freude daran haben, miteinander zu spielen. Aber die Härteprüfungen kommen jetzt.WELT: Sie waren 1998 und 2002 als Spieler bei der WM dabei und bei den fünf WM-Turnieren im Anschluss als Verantwortlicher. Wie erleben Sie Ihre erste Weltmeisterschaft als Beobachter?Bierhoff: Ich habe quasi damit abgeschlossen, bei einer EM oder WM involviert zu sein. Emotional hänge ich natürlich doch daran und erinnere mich an die Zeit rund um ein Turnier. Wir waren teilweise sechs Wochen zusammen – 24/7. Das hat einen zusammengeschweißt. Man war wie in einem Tunnel. Das hatte schon was. Aber ich freue mich darauf, jetzt von oben einfach zuzuschauen.Lesen Sie auchWELT: In Ihrer Rolle gaben Sie den Bundestrainern Jürgen Klinsmann, Joachim Löw und Hansi Flick über Jahre in der Öffentlichkeit verbalen Flankenschutz. Wie haben Sie Sportdirektor Rudi Völler erlebt, der das zu Beginn des Turniers für Julian Nagelsmann getan hat, nachdem die Experten Jürgen Klopp und Thomas Müller die „Noch-Debatte“ losgetreten hatten?Bierhoff: Rudi hat das sehr gut gemacht. Aber das ist ja auch die Rolle, die Rudi einnehmen muss. Er hat die Erfahrung, die Dinge richtig einzuschätzen und gegebenenfalls zu reagieren. Es ist nicht immer so einfach, doch man möchte seinen Trainer auch nicht im Regen stehen lassen. Ich glaube allerdings, dass es in so einer Situation viel mehr um die innere Wirkung als um die äußere Wirkung geht. Und was die innere Wirkung betrifft, ist sowohl dem Trainer als auch der Mannschaft damit signalisiert worden: Hey, wir stehen hier zusammen. Wir halten zusammen und wir unterstützen uns untereinander. Das war gut.WELT: Hat Sie die Wucht dieser Debatte überrascht?Bierhoff: Ich habe das live gar nicht mitbekommen, erst danach. Jürgen (Klopp – d. R.) ist in einer so starken Position, dass es ein Fehler wäre, ihm zu unterstellen, dass er irgendwelche Spielchen spielt. Dafür ist er nicht bekannt. Andererseits ist es wie immer bei so großen Turnieren: Da wird jedes Thema, das möglich ist, entsprechend aufgegriffen. Da sucht man immer auch nach Schlagzeilen.Ein Podcast, ein Champion, ein Rätsel – wer ist der Gast? Raten Sie mit: Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify oder Apple Podcasts.WELT: Herr Bierhoff, Sie sind seit 2023 unter anderem Business Advisor für das NFL-Team New England Patriots. Sie kennen den US-Sport und damit auch die vielen Werbepausen. Rund um die Fußball-WM kritisieren nicht wenige die von der Fifa eingeführten Trinkpausen, die letztlich nur dazu dienen würden, durch Werbung noch mehr Geld zu generieren.Bierhoff: Ich bin auch kein Freund von den Pausen, wenn sie nicht wirklich wegen allzu großer Hitze notwendig sind. Da überwiegend in klimatisierten Stadien gespielt wird, braucht es diese Pausen nicht. Ich habe das Gefühl, dass sie den Spielfluss stören und diesem nicht guttun, allerdings können Trainer dadurch kurzfristig taktische Maßnahmen ergreifen. Bei den Kroaten hat man das beispielsweise ganz gut im Spiel gegen England gemerkt. Ich sehe mit Blick auf das große Ganze auch kommerzielle Aspekte, aber man muss Dinge nicht ausquetschen. Das Produkt Fußball muss in gewisser Weise geschützt werden. Ich glaube, da muss man aufpassen, dass man den Bogen nicht überspannt. Wenn ich zum Beispiel an die Preise für Tickets oder Zubringerzüge bei der WM denke. Das finde ich eklatant. Aber das sind Dinge, die wir auch im Showbusiness öfter wahrnehmen, wenn ich sehe, dass eine Karte für ein Konzert von Taylor Swift 800 Euro kostet. Wenn der Fußballfan sich ein Ticket nicht mehr leisten kann, leidet das Event und leidet die Stimmung.
Fußball-WM 2026: „Rudi hat das sehr gut gemacht“ – Bierhoff lobt Völlers Rückhalt für Nagelsmann - WELT
Jahrelang gab Oliver Bierhoff den Bundestrainern verbalen Flankenschutz. Vor dem Spiel gegen die Elfenbeinküste lobt der frühere DFB-Direktor das demonstrative Miteinander – und übt Kritik an den Preisen bei der WM.













