PfadnavigationHomeSportFußballWMWM-VorbereitungDie drei Botschaften des Rudi VöllerStand: 20:28 UhrLesedauer: 5 MinutenManuel Neuer kehrt nach einer Wadenverletzung ins Training der Nationalmannschaft zurück. Beim Training in Winston-Salem absolvierte er mit Oliver Baumann das komplette Torwartprogramm. „Sah soweit alles okay aus“, berichtet WELT-Reporter Christian Beilfuß.Sonntag startet Deutschland in die WM. Nach dem Einzug ins Turnierquartier setzt Rudi Völler nun den Ton. Der DFB-Sportdirektor macht klar, wofür die Nationalelf bei dem Turnier stehen will – und wofür auf keinen Fall.Rudi Völler hat in seinen fünf Jahrzehnten im Profifußball beinahe alles gesehen. Und doch beeindruckt ihn das Gelände der Wake Forest University bei Winston-Salem. „Das ist schon groß hier, schon toll“, sagte der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) strahlend.Dienstagmittag hielt er die Auftakt-Pressekonferenz des Trosses der Nationalmannschaft im WM-Quartier in North Carolina ab, die Auswahl trainierte auf dem Rasen nebenan. Völler saß auf dem Podium in einem Auditorium, vor ihm dutzende Reporter, vor allem aus den USA und Deutschland. „Egal, wie weit es für uns bei der WM geht – es wird nie eine Entschuldigung sein, dass unser Trainingscamp nicht gut genug war. Wir sind gut untergebracht“, so Völler. Die Nationalelf lebt in einem Hotel nahe dem Gelände der Universität. Einen Lagerkoller werde es nicht geben, so Völler.Für ihn ist es die fünfte WM in der dritten Position: 1986 als Weltklasse-Stürmer, 2002 dann Teamchef, jetzt Sportdirektor des Verbandes. Ein solcher Auftaktauftritt setzt bei Turnieren oft den Ton und zeigt die Stimmung. Völler strahlte Gelassenheit und Optimismus aus. Und hatte wenige Tage vor dem Auftaktspiel gegen Curacao am Sonntag (19 Uhr, ARD, MagentaTV und Liveticker auf WELT) drei klare Botschaften an die (fußballinteressierte) Nation in der Heimat und die Mannschaft.Botschaft Nummer eins: Wir sind nach den desolaten Turnieren zuletzt demütig – und gleichzeitig ambitioniert„Wir wollen weit kommen und schwer zu schlagen sein. Und wir werden schwer zu schlagen sein“, betonte der 66-Jährige. Wann immer es um die Zielsetzung für das Turnier ging, wiederholte Völler: „Wir wollen schwer zu schlagen sein.“ Achtelfinale als Minimalziel? Finale als Ziel? Gar der Titel? Nicht mit Völler, zumindest nicht öffentlich. Lieber Demut. Motto: Kleinere Worte, größere Taten.Mit all seiner Erfahrung machte Völler klar: Wir wollen viel erreichen. Aber es gibt keine Garantie. „Wir wollen Gruppenerster werden, wir wollen es allen schwer machen und uns behaupten.“ Völler betonte zudem: „Es geht nicht immer so aus, wie viele Experten vor dem Turnier denken.“ Die klare Botschaft dahinter: Wir nehmen unsere Rolle als Nichtfavorit an. Und können überraschen. Ein Auftaktsieg würde eine gewisse Ruhe geben, so Völler. Aber eine Garantie für den weiteren Turnierverlauf würde er auch nicht geben. Völlers deutliches Signal: Wir wollen für Teamgeist und Selbstvertrauen stehen – nicht für Überheblichkeit oder Arroganz.Botschaft Nummer zwei: Macht keine unnötigen Fehler! Völler schickte eine Warnung an die Mannschaft. Für den Auftakt gegen Curacao – und das gesamte Turnier. „Wir müssen konzentriert sein. Bei zehn gegen elf kann es auch gegen schwächere Gegner kompliziert werden. Das sollte uns nicht passieren“, forderte Völler. Er erwartet also Konzentration und Disziplin, Platzverweise könnten fatal sein.Lesen Sie auchBei dem zuletzt verletzten Jamal Musiala habe er keinerlei Sorge, dass der Jungstar bald in perfekter Form sei. Musiala sei sehr nah dran, der alte Musiala zu sein, so Völler. Er spüre bei allen Spielern eine enorme Vorfreude: „Ich merke das, auch gestern beim Abendessen, auch beim Frühstück: Am liebsten würden sie natürlich jetzt schon beginnen. Klar, je früher, desto besser.“Auch für das Comeback von Torwart Manuel Neuer gegen Curaçao sieht Völler ausschließlich positive Signale: „Ihn bringt nichts aus der Ruhe. Es läuft alles gut. Er ist wieder bei der Mannschaft.“Botschaft Nummer drei: Wir begehen nicht die Fehler wie in Katar – von uns gibt es keine politischen StatementsVöller verurteilt zwar die verweigerte Einreise des somalischen WM-Schiedsrichters Omar Artan in die USA. „Ich hätte es auch gern anders gehabt. Das ist nicht schön.“ Auch den Fakt, dass bei anderen Mannschaften wie dem Iran auf politische Weise eingegriffen werde, findet er nicht gut. Gleichwohl war Völler als DFB-Funktionär kurz vor dem Turnierstart um eine diplomatische Kommentierung bemüht. „Die genauen Hintergründe, warum der Schiedsrichter nicht hereingelassen worden ist (ins Land, d. Red.), kann ich nicht beurteilen. Ich würde es gern beantworten, glauben Sie mir. Ich habe keine Angst, irgendwelche politischen Fragen zu beantworten.“Völler machte gleichzeitig klar, dass der DFB sich während der WM nicht groß politisch äußern wird. „Es ist schade. Aber wir sind auch die falschen Ansprechpartner für Probleme, die jetzt gewesen sind und auch noch kommen werden. Mein Bauchgefühl sagt mir, es wird nicht die allerletzte Geschichte gewesen sein. Wir versuchen, uns auf den Fußball zu konzentrieren, eine gute WM zu spielen.“Gibt es einen Austausch mit der deutschen Politik? „Wir brauchen keine Unterstützung, wir brauchen keinen Austausch“, sagte Völler bestimmt. „Wir sind hier, um eine WM zu spielen. Wir wollen Fußball spielen. Das heißt nicht, dass wir politisch nicht interessiert sind.“Lesen Sie auchNach seiner Pressekonferenz reiste Völler mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf nach Mexiko. Im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt wird er am Donnerstag das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika verfolgen.Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit einer Woche sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die WM-Vorbereitung der deutschen Auswahl.
Nationalmannschaft: Rudi Völlers WM-Botschaften an die Nation - WELT
Sonntag startet Deutschland in die WM. Nach dem Einzug ins Turnierquartier setzt Rudi Völler nun den Ton. Der DFB-Sportdirektor macht klar, wofür die Nationalelf bei dem Turnier stehen will – und wofür auf keinen Fall.











